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NR | Nachrichten Regional
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Startseite Regional Landkreis Bad Dürkheim

„Weißer Ring“ setzt sich vermehrt für Opfer ein

by Karin Hurrle
23.05.2026
in Landkreis Bad Dürkheim
Lesezeit: 5 mins read
„Weißer Ring“ setzt sich vermehrt für Opfer ein
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Interview mit dem Außenstellenleiter Heinz Hussy

Der „Weiße Ring“ kümmert sich deutschlandweit um Opfer von Gewalt. Eine wichtige Hilfe für Betroffene, die es ohne Ehrenamtliche nicht gäbe! Oft stehen nach Straftaten die Täter im Mittelpunkt, weil gegen sie ermittelt und nach Motiven gesucht wird. Die Opfer geraten dabei schnell aus dem Blick, obwohl eine Straftat deren Leben oft für immer verändert. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring bietet in solchen Fällen Hilfe an. Mehr als 400 Außenstellen gibt es in deutschen Städten und 3000 Ehrenamtliche engagieren sich in dieser Organisation, an die sich Opfer wenden können. Damit ist der „Weiße Ring“ nach eigenen Angaben „bundesweit die größte Opferhilfeorganisation“. Eine solche Außenstelle und Anlaufstelle ist auch an der Weinstraße eingerichtet, dem der Landkreis Bad Dürkheim und Neustadt an der Weinstraße angehören. Über das Engagement mit dem Außenstellenleiter Heinz Hussy hat Nachrichten Regional über sein jahrelanges Engagement gesprochen.

NR:
Herr Hussy, Sie engagieren sich seit Anfang des Jahres 2012 ehrenamtlich für den Weißen Ring. Sie waren zunächst für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Seit Juli 2015 sind Sie Außenstellenleiter des Weißen Rings. Was hat Sie dazu bewogen, eine solche ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben?

Antwort:
Ich habe mich in meinem Berufsleben oft gefragt, wenn alle den Täter jagen, wer bleibt dann eigentlich beim Opfer. Dies hat mich dazu bewogen, nach meinem Berufsleben meine Aufmerksamkeit den Opfern zu widmen.

NR:
Als ehemaliger Polizeibeamter liegt es doch sicherlich auf der Hand, dass man zwangsläufig auch Gewalttaten in der umliegenden Region mitbekommt. Sie waren ja bei der Polizeidienststelle in Neustadt a.d. Weinstraße beschäftigt, wo man auch durch die Presse und Gerichtsverhandlungen über solche Gewalttaten immer wieder informiert wird. Sind Ihnen während Ihrer Dienstzeit in Neustadt auch Fälle von häuslicher Gewalt im Großraum bekannt geworden? Und an welchen Fall können Sie sich besonders gut erinnern?

Antwort:
Mir ist da kein spezieller Fall in Erinnerung. Erst nach meiner Pensionierung sind dies Fälle verstärkt in den Fokus gekommen. Herausragend sind dabei immer die Fälle von Femiziden, die es leider auch in unserer Region immer wieder gegeben hat.

NR:
Häusliche Gewalt ist ein besonderes sensibles Gebiet, wenn auch Kinder davon betroffen sind und vom Jugendamt deshalb aus der Familie genommen werden müssen. Beim Weißen Ring sind Sie vorwiegend mit der Aufklärungs- und Präventionsarbeit beschäftigt. Im aktiven Polizeidienst muss eher in solchen Fällen auch einmal Hand angelegt werden. Waren Sie diesbezüglich auch schon bei solchen Fällen im Einsatz?

Antwort:
In den letzten 20 Jahren meines Berufsleben war ich ausschließlich im Innendienst eingesetzt. Davor gab es schon solche Einsätze, die damals aber noch anders abgewickelt wurden. Die Hilfsangebote, die wir heute haben, gab es da noch nicht.

NR:
Präventionsarbeit ist sicherlich wichtig und sollte bereits im Kindesalter erfolgen. Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland ein strukturelles Problem. Betroffenenorganisationen fordern unter anderem, dass die Gesetze für einen besseren Schutz der Opfer angepasst werden. Die Forderung vom Weißen Ring ist, dass auch Gerichte besser im Themengebiet der geschlechtsspezifischen Gewalt geschult werden sollen, um Femizide in der Rechtsprechung besser zu erkennen. Konnte der Weiße Ring in diesem Bereich bereits etwas erreichen?

Antwort:
Der WEISSE RING setzt sich seit Jahren für Verbesserungen in diesem Bereich ein. So fordern wir, dass auch bei Fällen von häuslicher Gewalt eine Fußfessel nach spanischem Modell möglich sein muss. Diese Forderung soll jetzt endlich umgesetzt werden.

NR:
Wie sieht das in der Praxis aus, wenn sich Personen, die von Gewalt betroffen sind, an Sie als Weißen Ring als Anlaufstelle wenden? Wie muss man sich das Procedere vorstellen? Hilft der Weiße Ring bei der Anzeigenerstattung? Oder wer nimmt die Beratung vor, wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt?

Antwort:
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WEISSEN RINGS verstehen sich als Lotsen im Netzwerk, was bedeutet, dass wir im Gespräch versuchen die Bedürfnisse des jeweiligen Opfers zu ergründen, um dann in die entsprechenden Hilfsmöglichkeiten zu lenken. Wir stehen natürlich auch bei Gängen zu Behörden oder zur Polizei zur Verfügung und begleiten auch zu Gericht, wenn keine psychosozialen Prozessbegeleiter/-innen eingesetzt werden können.

NR:
Im schlimmsten Fall muss man bei Gewalttaten, von denen in den meisten Fällen Frauen und Kinder betroffen sind, diesen Personenkreis im Frauenhaus unterbringen. Wie sicher sind solche Häuser und wie geht es danach weiter?

Antwort:
Die Frauenhäuser sind sehr sicher und die dort eingesetzten Mitarbeiterinnen achten sehr auf die Sicherheit der Hilfesuchenden. Sie sind es auch, die sich dann um alles weitere kümmern. Der WEISSE RING ist dann meistens außen vor, hilft aber, wenn z.B. kurzfristige finanzielle Engpässe, die durch die Tat entstanden sind, bestehen.

NR:
In Filmen wird immer wieder gezeigt, dass oft fremde Kulturen Frauen in unserem Lande nicht respektieren und es deshalb zu Gewalttaten an solchen Frauen kommt? Wie ist hierzu Ihre Einschätzung?

Antwort:
In fremden Kulturen ist oftmals ein anderes Frauenbild vorhanden als bei uns. Der WEISSE RING hilft jedoch unabhängig davon und orientiert sich an den Bedürfnissen der Opfer.

NR:
Noch eine abschließende Frage zum Schluss: Gibt es eine Statistik über die Außenstelle Weinstraße, wie viele Personen den Weißen Ring schon um Hilfe gebeten haben?

Antwort:
Eine Statistik gibt es nicht. Rückblickend haben wir jährlich eine Zahl zwischen 50 und 80 Fällen im Jahr, wobei der Anteil an Gewaltdelikten gegen Frauen (häusliche Gewalt, Sexualdelikte und Stalking) annähernd gleichbleibend bei 2/3 der Fälle liegt.

NACHRICHTEN REGIONAL bedankt sich bei Heinz Hussy für das offene Gespräch und wünscht ihm und seinen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg bei der Arbeit, vor allem Durchhaltevermögen beim Durchsetzen von realistischer Gesetzgebung.

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Schlagworte: Interview mit dem Außenstellenleiter Heinz HussyWeißer Ring setzt sich vermehrt für Opfer ein
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