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Startseite Wissenswertes

Tapinoma magnum: Gefahren und Bekämpfung – Die stille Invasion – Ein Warnbericht!

by Redaktion
30.09.2026
in Wissenswertes
Lesezeit: 8 mins read
Tapinoma magnum: Gefahren und Bekämpfung – Die stille Invasion – Ein Warnbericht!
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Was die Drüsenameise so gefährlich macht – Ein Gastbeitrag von Walter Flammuth

Wie die Große Drüsenameise Tapinoma magnum die Pfalz Hektar für Hektar erobert – und was Kommunen und Bürger jetzt tun müssen, bevor die Fenster des Handelns zuschlagen. Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) ist eine invasive Ameisenart aus dem Mittelmeerraum, die sich in Südwestdeutschland, der Schweiz und Teilen Mitteleuropas stark ausbreitet. Obwohl die einzelnen Arbeiterinnen mit 2 bis 4,5 mm relativ klein sind, gilt sie als extrem hartnäckiger und aggressiver Schädling.

Es beginnt fast immer harmlos: ein paar feine Sandhäufchen zwischen den Pflastersteinen, ein breiter, dunkler Ameisenzug Richtung Terrassentür – und dieser eigentümliche Geruch nach ranziger Butter, wenn man eines der Tiere zerdrückt. Am Ende stehen unterhöhlte Gehwege, ausgefallene Strom- und Internetanschlüsse und Hausbesitzer, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrer Verzweiflung. Die Rede ist von Tapinoma magnum, der Großen Drüsenameise aus dem Mittelmeerraum. In der Pfalz gilt nach aktuellen Schätzungen bereits jede dritte bis vierte Gemeinde als betroffen – und die Tendenz zeigt nur in eine Richtung: nach oben.

Chronik einer Invasion: von Bordstein zu Bordstein

Als Tapinoma magnum im Jahr 2009 erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde – in Neustadt an der Weinstraße, ganz offenbar mit mediterranen Zierpflanzen aus dem Gartenhandel eingeschleppt –, registrierte das kaum jemand. Ein Zufallsfund, ein kurioser Nachrichtenticker, 2016 ein weiterer Nachweis im Neustadter Ortsteil Speyerdorf. Dann jahrelang Stille. Doch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle arbeitete sich die Ameise beharrlich voran – Hektar für Hektar, Bordstein für Bordstein.

2023 wurde die Art in Limburgerhof im Rhein-Pfalz-Kreis entdeckt. 2024 war die Stille endgültig vorbei: In Herxheim bestätigte ein Fachgutachten eine ausgewachsene Superkolonie mitten in der Ortsmitte, rund um Friedhof, Kirchberg und Untere Hauptstraße. In Germersheim-Sondernheim beriet die Stadtverwaltung im Oktober eine zutiefst besorgte Bürgerschaft und teilte den Ortsteil in drei Befallszonen ein; ein beauftragter Schädlingsbekämpfer sprach damals bereits von rund 20 betroffenen Städten im Umkreis.

2025 kippte die Lage: Landau meldete Befall in Godramstein, Arzheim, Mörzheim und im Südwesten der Stadt, richtete eine Meldestelle ein und begann, Kieselgur auszubringen. Die Verbandsgemeinde Edenkoben zählte 95 Verdachtsfälle, davon 21 bestätigte Befälle – betroffen unter anderem Hainfeld, Burrweiler, Rhodt, Altdorf und Böbingen. Dazu kamen Wachenheim, die Verbandsgemeinde Lingenfeld mit Lustadt, das Leiningerland auf dem Weg nach Grünstadt und, im Herbst, Frankenthal. Seit 2026 weitet vor allem Neustadt die Bekämpfung aus – in Gimmeldingen, Haardt, Lachen-Speyerdorf und auf der Hambacher Höhe. Im Mai erreichte die Ameise mit Eisenberg-Steinborn den Donnersbergkreis, im Juni mit einem Friedhof in Hinterweidenthal den Pfälzerwald. Vom Rhein bis an den Rand des Westrichs: Die Verbreitungskarte der Pfalz ist durchsetzt von roten Punkten – und es werden mehr, Woche für Woche.

Wer jetzt noch glaubt, das sei ein pfälzisches Randproblem, sei an zwei Zahlen erinnert: In Baden-Württemberg zählt man inzwischen fast 90 betroffene Kommunen; in Karlsruhes Stadtteil Neureut erstreckt sich die größte bekannte Kolonie Deutschlands über rund 100 Hektar. Im badischen Kehl haben die Tiere bereits Verteilerkästen besiedelt und Strom- und Internetausfälle verursacht; im Mai 2026 wurde die Art erstmals in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Der Klimawandel – milde Winter, heiße, trockene Sommer – wirkt nach Einschätzung des Umweltbundesamts als zusätzlicher Beschleuniger. Die Ameise kommt nicht mehr. Sie bleibt. Hier ein Bericht der Plage in Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Dr%C3%BCsenameise

Ein Gegner, der ganze Straßenzüge unter sich hat

Gefährlich macht Tapinoma magnum nicht das einzelne Tier, sondern die Kolonie als Organismus. Die Art bildet Superkolonien mit vielen Königinnen und Millionen Arbeiterinnen, die sich über mehrere Hektar erstrecken – Staaten ohne Grenzen, bei denen die Bekämpfung des sichtbaren Teils kaum etwas ausrichtet. Die Nester reichen bis zu zwei Meter tief in den Boden; kochendes Wasser, das Wohnzimmerexperiment der ersten Stunde, erreicht die Königinnen so gut wie nie. Die Tiere bevorzugen exakt das, was der moderne Siedlungsraum ihnen angeboten hält: trockene, sandige, versiegelte und kaum bewachsene Flächen – Pflaster, Bordsteinkanten, Steingärten.

Wo sie sich etablieren, verdrängen sie heimische Ameisenarten – Deutschland beherbergt rund 120 weitere Arten, ökologisch unverzichtbar und unter besonderem Naturschutz stehend. Dazu kommen Sachschäden, die man den Winzlingen auf den ersten Blick nicht zutraut: abgesackte Gehwege, gelockerte Mauern und Fugen, Ameisenzüge durch Küche und Schlafzimmer, zerfressene Kabelisolierungen bis hin zu Stromausfällen. Und die Kolonie lernt dazu: Wird sie gestört, etwa durch flächiges Bewässern, zieht sie schlicht um – manchmal nur auf die andere Straßenseite. Die bitterste Erkenntnis aber lautet: Wo man die Ameise sieht, ist das eigentliche Ausmaß meist schon größer. „Wir werden diese Ameisenart nicht vollständig ausrotten können – aber gemeinsam können wir sie eindämmen und größere Schäden verhindern“, Marcus Schaile, Bürgermeister der Stadt Germersheim, siehe Pfalz-Express vom 25.09.2025 https://www.pfalz-express.de/stadt-germersheim-setzt-kieselgur-gegen-invasive-ameisen-tapinoma-magnum-ein/?hl=de-DE

Was hilft: Kieselgur, Fadenwürmer, Heißwasser – und ein Plan

Die gute Nachricht: Die Pfalz ist nicht wehrlos. Die Verbandsgemeinde Edenkoben hat als eine der ersten konsequent und zweigleisig biologisch bekämpft – mit Kieselgur, einem Pulver aus versteinerten Kieselalgen, das den Panzer der Tiere aufschlitzt und sie austrocknen lässt, und mit Nematoden, winzigen Fadenwürmern, die Eier und Larven im Nest fressen. Nach der ersten Saison bilanzierte die Verbandsgemeinde: mehr als 70 Kolonien lokalisiert und erheblich dezimiert, zwei Superkolonien in Hainfeld und Burrweiler vollständig zerstört. „Die angewandten Maßnahmen haben Wirkung gezeigt, die Population konnte erfolgreich eingedämmt und zurückgedrängt werden“, sagte Erster Beigeordneter Eberhard Frankmann – und räumte zugleich ein, dass auch kühles Wetter half. Genau darin liegt die unbequeme Wahrheit: Erfolge bleiben fragil, die Ameise kommt zurück, der Kampf wird ein Dauerzustand.

Landau streut seit Ende März 2026 Kieselgur auf stark betroffene öffentliche Flächen. Germersheim kombiniert Heißwassergerät, Kieselgur und professionelle Schädlingsbekämpfung und setzt seit diesem Jahr zusätzlich Nematoden ein – eine Methode, die ohne Sachkundenachweis auskommt und deshalb auch von Privatleuten angewendet werden darf. Herxheim verteilt Fraßköderboxen gezielt an betroffene Haushalte, um heimische Insekten zu schonen, und lässt den Bauhof im Sechs-Wochen-Rhythmus nacharbeiten; auf den Einsatz von Kehrmaschinen wird bewusst verzichtet, weil sie die Ameisen verschleppen würden.

Die Lehre aus allen Kommunen ist dieselbe: Einzelkämpfer verlieren. Nur wenn Kommune und Anwohner in denselben Straßenzügen gleichzeitig behandeln, lässt sich die Superkolonie in Schach halten. Ausrotten lässt sich die Art nach übereinstimmender Einschätzung der Beteiligten ohnehin nicht mehr.

Was jeder Einzelne jetzt tun kann

1. Pflanzenkauf mit offenen Augen: Besonders Oliven, Palmen und Zitrusgewächse aus dem Mittelmeerraum können ganze Kolonien im Wurzelballen tragen. Ballen aus dem Topf nehmen und auf Ameisen und Sandhäufchen kontrollieren – eine SWR-Stichprobe fand in fünf von vierzehn überprüften Baumärkten zwischen Mainz und Karlsruhe Tapinoma-Kolonien in Pflanzkübeln.

2. Befallene Gärten geben nichts ab: Grünschnitt, Wurzelstöcke und Topfpflanzen aus befallenen Gärten gehören weder in die Natur noch auf den Häckselplatz und nicht an die Nachbarn – sondern in Restmüll oder Biotonne. Die Ameisen nisten gern in Wurzeln und legen dort ihre Eier ab.

3. Erst bestimmen, dann handeln: Nicht jede Ameise ist Tapinoma magnum. Verdachtsfälle über die Meldestelle der Kommune klären; viele Verwaltungen stellen Reagenzgläser für Proben bereit. Heimische Ameisen stehen unter Naturschutz – pauschales Sprühen richtet mehr Schaden an als Nutzen.

4. Das Haus abdichten: Fugen, Türen und Leitungsdurchführungen schließen; zucker- und eiweißhaltige Abfälle nicht offen zugänglich lagern oder kompostieren – man entzieht der Kolonie damit die Nahrungsgrundlage.

5. Steingärten ächten: keine Neuanlage, nach Möglichkeit Rückbau zugunsten von Begrünung. Ein kühler, feuchter, bewachsener Boden ist der natürlichste Schutz gegen eine Art, die Hitze und Kargheit liebt.

6. Die Nachbarschaft einbinden: Wer nur das eigene Grundstück behandelt, verschenkt die Wirkung – die Kolonie wandert einfach weiter, oft bis auf die andere Straßenseite.

Was Gemeinden tun müssen, wenn die Ameise auftaucht

1. Sofort handeln, nicht aussitzen: Artbestimmung durch Fachgutachter oder spezialisierte Stellen veranlassen und das Ausmaß kartieren lassen. Jede Woche, in der zugewartet wird, verteuert und verlängert die Bekämpfung. Positivbeispiel Eisenberg-Steinborn: direkt nach der Entdeckung Bürgerversammlung, danach ein beauftragter Schädlingsbekämpfer und ein koordinierter Plan.

2. Eine Meldestelle einrichten: zentrale Telefonnummer und E-Mail-Adresse, idealerweise ergänzt um eine Mängelmelder-App wie in Neustadt („Meldoo“) oder Landau. Meldungen kartieren, auswerten und das Monitoring daraus fortentwickeln.

3. Öffentliche Flächen konsequent behandeln: Bauhof-Mitarbeiter schulen, Kieselgur und Nematoden ausbringen, wo möglich Heißwasser einsetzen, in hartnäckigen Fällen Fachfirmen beauftragen. Auf befallenen Flächen dürfen keine Kehrmaschinen laufen; Erdaushub, Werkzeuge und Pflanzenmaterial nicht unkontrolliert in unbefallene Gebiete verbringen.

4. Die Bürger mitnehmen: Bürgerversammlungen, Flyer, Erklärstücke auf der Gemeinde-Website und Abgabesysteme für Proben – dazu die Bereitstellung von Bekämpfungsmitteln für Privatgrundstücke. Öffentliche Maßnahmen allein greifen nach aller Erfahrung nicht.

5. Kooperieren statt kleinteilig agieren: mit Nachbargemeinden, Kreisverwaltung und Fachbehörden; Erfahrungen teilen und sich überregional für eine abgestimmte Strategie gegen die Art stark machen – Südwest und Rheinland-Pfalz denken bereits über eine gemeinsame „nationale Liste“ nach.

6. Langfristig und ehrlich kalkulieren: Das Ziel kann nur Eindämmung heißen, nicht Ausrottung. Das kostet Personal, Mittel und Durchhaltevermögen über Jahre. Und rechtlich gilt: Da sich die Art bei uns etabliert hat, liegt die Verantwortung nicht mehr beim Land, sondern bei den Kommunen und den Grundstückseigentümern selbst.

Es ist fünf vor zwölf

In Landau steht jeden Morgen ein 73-jähriger Mann auf und zieht in den Kampf: Dr. Gerhard Courret bekämpft die Ameisen in seiner Nachbarschaft nach SWR-Berichten seit 2020. „Wenn es warm wird, sind jeden Tag Einsätze nötig – bis zum Oktober“, beschreibt er seinen Alltag. So sieht die Zukunft aus, die Tapinoma magnum unseren Gemeinden offeriert: ein Leben im Dauereinsatz, ein Garten, der zum Schlachtfeld wird, ein Grundstück, das an Wert verliert. In Kehl und Karlsruhe-Neureut ist diese Zukunft längst Gegenwart – mit Stromausfällen, zeitweise unbenutzbaren Spielplätzen und Anwohnern, die aus Verzweiflung ihre Häuser verkaufen. Was heute zwischen Bordstein und Vorgarten harmlos rieselt, kann in wenigen Jahren die Straße sein, auf der unsere Kinder laufen, sieh Youtube-Bericht vom SWR https://www.youtube.com/watch?v=7qKgY23bmfo

Deshalb gilt jetzt, und zwar sofort: hinsehen statt wegsehen, melden statt abwarten, gemeinsam statt einsam handeln. Die Ameise wird nicht warten. Sie hat es noch nie getan.

STECKBRIEF: TAPINOMA MAGNUM – DIE GROSSE DRÜSENAMEISE •  Herkunft: Westlicher Mittelmeerraum und Nordafrika; Einschleppung vermutlich über den internationalen Handel mit mediterranen Kübelpflanzen. •  Aussehen: 2 bis 4,5 Millimeter, dunkelbraun bis schwarz; Arbeiterinnen sehr unterschiedlich groß. •  Erkennungsmerkmale: ranzig-buttriger, leicht säuerlicher Geruch beim Zerdrücken; Puppen ohne Kokon („Nacktpuppen“); breite Ameisenstraßen; zahlreiche kleine Sand- und Erdhäufchen an den Nesteingängen. •  Biologie: Superkolonien mit vielen Königinnen und Millionen Tieren; Nester bis zwei Meter tief; Vorliebe für trockene, sandige, versiegelte und schwach bewachsene Flächen. •  Schadbild: unterhöhlte Wege, Mauern und Bordsteine; Ameisenmassen in Gebäuden; Schäden an Kabeln und Technik; Verdrängung heimischer Ameisenarten. •  Rechtlicher Status: In Rheinland-Pfalz etabliert und damit naturschutzrechtlich nur noch „ortsfremd“ – die Verantwortung für die Bekämpfung liegt bei Kommunen und Grundstückseigentümern.

Anhand von Quellenangaben konnte unsere Redaktion auf alle Zahlen, Zitaten und auf örtliche Angaben verwiesen werden.

Foto: Arnstein Staverløkk (Wikipedia)

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Schlagworte: Tapinoma magnum Gefahren und Bekämpfung - Die stille Invasion - Ein WarnberichtWas die Drüsenameise so gefährlich macht - Ein Gastbeitrag von Walter Flammuth
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