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Psychiatrieforschung: Patient und Therapeut müssen zusammenpassen – Ein Kommentar zum Fachbeitrag von Karin Hurrle

by Karin Hurrle
11.09.2026
in Wissenswertes
Lesezeit: 5 mins read
Die „Reichsbürger“ breiten sich aus wie eine Krake – Szene im Raum Neustadt, Lambrechter Tal und der Südlichen Weistrasse aktiv
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Den Misserfolg nicht als eigene Schuld sehen – Selbsthilfegruppen sind eine hilfreiche „Alternative“

Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei einer zu behandelnden Depression Patient und Therapeut zusammenpassen müssen. Stimmt die Chemie nicht, ist die Behandlung in Gefahr. Immer wieder müssen Menschen mit psychischen Erkrankungen während ihrer Behandlung den Therapeuten wechseln, weil sie einfach nicht zusammenfinden. Diese Tatsache begünstigt nicht den Therapieverlauf, zieht den Betroffenen eher wieder in ein „schwarzes Loch“. Eine große Hilfe in einer solchen Situation ist, sich parallel einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Die Kombination aus Einzeltherapie und einer Selbsthilfegruppe ist in vielen Fällen außerordentlich wichtig, erklären auch die Fachleute. Sie ergänzen sich gegenseitig auf unterschiedlichen Ebenen. Wärend die Psychotherapie den professionellen und individuell strukturierten Rahmen bietet, stellt die Selbsthilfegruppe einen geschützten Raum für zwischenmenschlichen Austausch und Gemeinschaftserfahrung dar.

Doch die Sorge vor Schadensfällen in der Psychotherapie ist berechtigt: Wenn eine Therapie scheitert oder fachlich falsch geführt wird, kann sie bestehende Erkrankungen massiv verschlimmern, neue Trauma-Symptome erzeugen oder Abhängigkeiten verstärken. In der Fachwelt spricht man hierbei von therapiebedingten Schäden oder Behandlungsfehlern. Öffentliche Fälle und systematische Untersuchungen dokumentieren verschiedene Wege, wie falsche Behandlungen Schaden anrichten. Wenn Therapeuten also Patienten in einer emotionalen Hilflosigkeit halten oder Medikamente unsachgemäß begleiten, entstehen ausgeprägte Chronifizierungen. Falsche Diagnosen durch behandelnde oder gutachterliche Psychiater/Therapeuten können ganze Existenzen zerstören.

Was sind typische Warnzeicthen für eine „falsche“ Therapie?

Kein klarer Behandlungsplan: Es gibt keine Zielabsprachen, Diagnosen werden nicht erklärt oder die Therapie zieht sich über Jahre ohne Fortschritt oder Veränderung hin. Entwertung und Schuldzuweisung: Der Therapeut reagiert ungehalten auf Kritik, redet dem Patienten ein, an Verschlechterungen „selbst schuld“ zu sein, oder entwertet dessen soziales Umfeld. Mangelnde Stabilisierung: Schwerste Traumata werden ungefiltert aufgewühlt, ohne dass der Patient Methoden an die Hand bekommt, um im Alltag damit umzugehen. Wenn der Verdacht besteht, an eine unprofessionelle oder schädliche Therapie geraten zu sein, gibt es unabhängige Kontroll- und Anlaufstellen, wie z.B. Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD): Kostenfreie Beratung bei Behandlungsfehlern. Ethikvereine / Ethikkommissionen: Der Ethikverein e.V. berät speziell Betroffene von Ethikverstößen in Psychotherapie und Beratung. Landespsychotherapeutenkammern / Ärztekammern: Jedes Bundesland hat eine Kammer mit Berufsaufsicht. Bei Verstößen gegen die Berufsordnung können Standesverfahren eingeleitet und Approbationen entzogen werden.

Warnsignale (Red Flags) in der Probatorik – Checkliste für das Bauchgefühl nach den ersten Stunden

Wird der Patient gedrängt, Entscheidungen zu treffen (z. B. Trennungen, Kündigungen), oder kritische Fragen werden als „Widerstand“ entwertet, ist das Bauchgefühl zu beachten, ob dadurch psychischer Druck entsteht. Fehlende Struktur und Ausweichen: Auf die Frage nach dem Therapieplan oder der vermuteten Diagnose erhält der Patient nur schwammige Antworten („Wir schauen einfach mal, was kommt“).

Das Bauchgefühl nach den ersten Stunden

Frage an sich selbstGute RückmeldungWarnsignal
Fühle ich mich ernst genommen?Meine Schilderungen werden ohne Wertung aufgegriffen.Meine Probleme werden heruntergespielt oder belächelt.
Darf ich Fragen stellen?Rückfragen zu Methoden oder Absichten werden offen beantwortet.Nachfragen werden als Angriff oder „Symptom“ abgewehrt.
Wie fühlt sich die Atmosphäre an?Zugewandt, neutral, professionell.Zu vertraulich, einengend oder bedrohlich.

Wenn der Patient kein gutes Bauchgefühlt mehr hat, sollte er spätestens dann über einen Wechsel zu einem anderen Psychotherapeuten nachdenken, es ist ein völlig normaler Vorgang. Es gibt klare rechtliche und organisatorische Wege, um aus einer laufenden oder begonnenen Therapie auszusteigen.

Wie wichtig ist in dieser Phase eine Selbsthilfegruppe?

Überwindung von Isolation: Der Kontakt mit Menschen, die ähnliche Krisen oder Symptome durchleben, nimmt das Gefühl, mit den eigenen Problemen völlig alleine zu sein.

Erfahrungsbezogener Austausch: Während Therapeuten fachliches Wissen und Methoden einbringen, bieten Gruppenmitglieder praktisches „Expertenwissen aus eigener Erfahrung“ für den Alltag.

Ergänzung der Therapiefrequenz: Therapieanläufe haben oft Pausen zwischen den Sitzungen; die Gruppe kann in diesen Abschnitten als kontinuierliches Auffangnetz dienen.

Entlastung der Einzeltherapie: Alltagsnahe Themen oder das pure Bedürfnis nach Verstandenwerden können in der Gruppe besprochen werden, sodass in der Therapie mehr Zeit für die Bearbeitung tieferer Ursachen bleibt.

Qualitätskriterien prüfen: Achten Sie darauf, dass die Selbsthilfegruppe von einer anerkannten Kontaktstelle (z. B. den regionalen SEKOS-Stellen) vermittelt wird und klare Gesprächsregeln (wie Vertraulichkeit und gegenseitigen Respekt) einhält.

FAZIT

Es ist eine schmerzhafte und frustrierende Wahrheit: Wenn die Chemie zwischen Patient und Psychotherapeut nicht stimmt, kann die Therapie fehlschlagen und das Risiko für einen Rückfall steigen. Eine Depression raubt ohnehin schon die Kraft, und ein solcher Misserfolg fühlt sich oft wie ein persönliches Versagen an – obwohl es schlicht ein strukturelles oder zwischenmenschliches Problem ist.

Wenn Sie oder eine betroffene Person in dieser Situation stecken, gibt es klare Schritte, um aus dieser Sackgasse herauszukommen und die Behandlung zu retten. Einige Kontaktstellen können angerufen werden.

Den Misserfolg nicht als eigene Schuld sehen

Eine unpassende Therapie bedeutet nicht, dass die Depression unheilbar ist. Es bedeutet nur, dass diese spezifische Kombination nicht funktioniert. Bei akuten Krisen oder Rückfallgedanken sofort den krisendienst, die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) oder die nächste psychiatrische Ambulanz kontaktieren. Es kann auch jederzeit als Anlaufstelle die Haßlocher Selbsthilfegruppe „Lebensfreude“ kontaktiert werden. Qualifizierte ERSTHLEFERINNEN stehen hier mit Rat und Tat zur Seite. Die erreicht man unter der email-Adresse info@lebensfreude-selbsthilfe.de oder unter der Tel.Nr. 0170/2784 150.

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Schlagworte: Den Misserfolg nicht als eigene Schulde sehen Selbsthilfegruppen eine hilfreiche AlternativePsychiatrieforschung - Patient und Therapeut müssen zusammenpassen
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