Neue Struktur der Selbsthilfekontaktstellen: Kontrolle und Abschaffung des Ehrenamtes?
Am 01.01.2025 wurde KISS Pfalz vom Paritätischen Wohlfahrtsverband übernommen, KISS Pfalz war der Dachverband aller Selbsthilfegruppen. Dies teilte der Landesgeschäftsführer der Pritätischen der Haßlocher Selbsthilfegruppe „Lebensfreude“ mit, weil mehrmals diesbezüglich nachgefragt wurde. Die Übernahme sei vor dem Hintergrund erfolgt, da der seinerzeit neu gewählte Vorstand der KISS Pfalz Selbsthilfetreff e. V. sich wegen der Übernahme der Selbsthilfearbeit an den Paritätischen Landesverband gewandt habe, wird weiter mitgeteilt. Die Übernahme der Selbsthilfearbeit vom PARITÄTISCHEN sei allerdings kein Thema auf der a.o. Mitgliederversammlung bei den Neuwahlen gewesen, kritisiert die Haßlocher Selbsthilfegruppe. Hinweisen zufolge ist der neu gewählte Vorstand auch im Landauer Vereinsregister nie eingetragen worden. Dadurch haben die beiden gewählten Revisoren auch eine Prüfung des Jahresabschlusses 2023 nicht ordnungsgemäß durchführen können.
Wie der PARITÄTISCHE weiter informiert, werde der intensivierte Austausch zwischen KISS Mainz, WeKISS und KISS Pfalz den Zusammenhalt stärken und dazu beitragen, gemeinsame Ziele effektiv und effizient zu erreichen – für den Paritätischen, die Selbsthilfemitarbeitenden und vor allem für die Menschen, würden diese von dieser Arbeit profitieren. Die sich stetig wandelnden gesellschaftlichen Herausforderungen, auch in der Selbsthilfe, erforderten eine zukunftsorientierte Neuausrichtung in den neuen Strukturen des Paritätischen. Eine Umstrukturierung biete die Chance, interne Prozesse zu optimieren und den sich verändernden Anforderungen anzupassen. Dabei würden nicht nur die rasanten Fortschritte in den Bereichen Digitalisierung und künstliche Intelligenz berücksichtigt, sondern auch die sich verändernden Bedürfnisse der Mitglieder und der Gesellschaft im Allgemeinen. In diesem Kontext sieht der Paritätische nicht zuletzt die Integration der KISS Pfalz als willkommene Gelegenheit, bestehenden Strukturen zu überdenken und weiterzuentwickeln. Dieser Prozess ermögliche, ressourcenorientiert und zukunftsweisend auf die vielfältigen Herausforderungen zu reagieren, mit denen sich die Selbsthilfe konfrontiert sieht. Ziel des PARIRÄTISCHEN ist es, eine Abteilung Selbsthilfe zu schaffen, die flexibel, effizient und bestens gerüstet ist, um den Anforderungen einer sich schnell verändernden Welt gerecht zu werden.
Nicht nur die Haßlocher Selbsthilfegruppe „Lebensfreude“ sieht diese Entwicklung kritisch. Mit vielen Ehrenamtlichen hat die Redaktion von NACHRICHTEN REGIONAL sprechen können. Alle sehen die Gefahr, dass dadurch das Ehrenamt leide, weil ausscheidende Ehrenamtliche durch nicht qualifizierte Personen ersetzt werden, denen es auch an Erfahrung mangelt. Wie man an der weiteren Entwicklung erkennen kann, soll das Ehrenamt weichen, indem bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden. Und die gesetzlichen Krankenkassen sollen mit ihren Fördergeldern die Zeche bezahlen? Da Selbsthilfegruppen derzeit von Ehrenamtlichen geführt werden, und das kostenlos, auch aus ihrer persönlichen Betroffenheit heraus gegründet wurden, somit viel eigene Erfahrung in gesundheitsfördernder Richtung einbringen können, wird eine solche Entwicklung von Vielen mehr als skeptisch beurteilt. „Das Ersetzen von Ehrenamtlichen durch bezahlte Arbeitsstellen vernichtet den Sozialstaat“, haben viele engagierte Personen gegenüber NR geäußert, mit denen unsere Redaktion bereits reden konnte.
Der PARITÄTISCHE stellt die neue Leitungsstruktur wie folgt vor:
Statt der bisherigen Konstellation aus Abteilungsleiterin Selbsthilfe und stellvertretender Abteilungsleiterin Selbsthilfe für die Kontaktstellen (KISS Mainz, WeKISS, KISS Pfalz) gibt es künftig ein Doppelspitzenmodell, bestehend aus Gül Hollweck und Sumaya Bohmerich, eingeführt. Zwei Leitungspositionen mit klar definierten, komplementären Aufgabenbereichen wurden geschaffen:
• Eine Leitung (Gül Hollweck) fokussiert sich u. a. auf die fachliche und konzeptionelle Weiterentwicklung der Selbsthilfe und der Entwicklung von Qualitätsstandards und der Organisationsentwicklung für die gesamte Selbsthilfelandschaft in Rheinland-Pfalz, sowie Gre-mien- und Netzwerkarbeit.
• Die zweite Leitung (Sumaya Bohmerich) konzentriert sich auf die fachliche Leitung und die operative Umsetzung in den Kontaktstellen, dazu zählen u. a. die Steuerung interner Prozesse, die Mitarbeitendenführung, das Qualitätsmanagement und die Organisationsentwicklung
Diese Neuausrichtung ermögliche es, Synergieeffekte optimal zu nutzen und das gesamte Knowhow übergreifend und gezielt einzusetzen. Der Paritätische ist überzeugt, dass hiermit die Gesamtexpertise gestärkt wird, die Ressourcen optimal genutzt werden, die Handlungsfähigkeiten erweitert werden und damit zukunftsfähig aufgestellt ist. Das Engagement in der Selbsthilfe könne dadurch auf allen Ebenen noch wirksamer gefördert und die Vernetzung in sozialen und gesundheitlichen Handlungsfeldern vertieft werden, ist sich der Paritätische sicher.
Am 31. August 2025 findes der Ehrenamtstag der Landesregierung „Wir tun was“ in Alzey statt. Obwohl sich die Haßlocher Selbsthilfegruppe „Lebensfreude“ Anfang April für diesen Tag beworben und eine diesbezügliche Zusage erhalten hatte, wurde den Haßlocher Ehrenamtlichen am .26.05.2025 mit folgender Begründung wieder abgesagt: „Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre Bewerbung um einen Standplatz auf dem „Marktplatz Ehrenamt“ beim Landesweiten Ehrenamtstag am 31. August 2025 in Alzey. Wir haben eine große Anzahl von Bewerbungen erhalten. Dies zeigt uns, dass das Engagement rund um das Ehrenamt in Rheinland-Pfalz groß ist und dies soll beim Landesweiten Ehrenamtstag in Alzey sichtbar gemacht werden. Wie bereits im Bewerbungsverfahren angekündigt, sind unsere Platzkapazitäten begrenzt, sodass wir nicht alle Bewerbungen zulassen konnten. Dies betrifft auch Ihre beabsichtigte Präsentation, die wir in diesem Jahr leider nicht berücksichtigen können. Ich bedauere es sehr, Ihnen diese Absage übermitteln zu müssen, zumal alle im Auswahlverfahren beteiligten Personen Ihr ehrenamtliches Engagement sehr zu schätzen wissen. Es bleibt mir daher nur, Sie um Verständnis zu bitten und Sie herzlich einzuladen, unseren Ehrenamtstag in Alzey als Gast zu erleben“.
Am 09. Juni 2025 wurde von unserer Redakteurin ein persönliches Schreiben von einem Vorstandsmitglied des Fördervereins „Selbsthilfegruppe Hassloch“ auf der Neustadter SPD-Veranstaltung „150 Jahre SPD Neustadt“ an Ministerpräsident Alexander SCHWEITZER übergeben. Bis heute wurde weder der Eingang des Schreibens schriftlich bestätigt, noch beantwortet. So viel zum „Ehrenamt“ in Rheinland-Pfalz.












