Kein Kandidat hat im ersten Wahlgang das Rennen gemacht – Stichwahl am 27. September 2026 – Kommentar von Karin Hurrle
Bei der Oberbürgermeisterwahl in Worms am vergangenen Sonntag, dem 13. September 2026, gab es im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit für einen Kandidaten, weshalb es am 27. September 2026 zu einer Stichwahl zwischen Stephanie Lohr (CDU) und Timo Horst (SPD) kommt. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,1 Prozent. Alle Bürgerinnen und Bürger werden aufgerufen, bei der Stichwahl ihre Stimme abzugeben. Keiner der Kandidaten möchte OB mit den Stimmen der AfD werden.
So lautet das offizielle vorläufige Ergebnis des ersten Wahlgangs: Stephanie Lohr (CDU): 44,1 %, Timo Horst (SPD): 40,5 %, Frank Senger (AfD): 13,1 %, Ali Kesler (FDP): 2,2 %.
Entwicklung der AfD in Worms
Der AfD-Kandidat Frank Senger blieb mit 13,1 % deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück – das Wahlziel der Partei lag im Vorfeld bei 25 %. Regionale Medien und Kommentatoren bewerteten das Ergebnis dahingehend, dass die Unterstützung für die AfD bei reinen Personenwahlen in Worms spürbare Grenzen aufweist, auch wenn die Partei im Wahlkampf nach eigenen Angaben neue Mitglieder gewinnen konnte.
Unterstützung durch AfD-Wähler in der Stichwahl
Bei einer Stichwahl zwischen CDU und SPD ist es ein gängiges Phänomen, dass Wähler, deren präferierte Partei ausgeschieden ist, strategisch abstimmen.
- Theorie der Unterstützung: Da die AfD die SPD und das aktuelle Regierungsbündnis auf Landes- und Bundesebene stark kritisiert, neigen viele AfD-Wähler in einer Stichwahl tendenziell eher dazu, ihr Kreuz bei der CDU-Kandidatin zu machen, um den SPD-Kandidaten zu verhindern.
- Keine offizielle Allianz: Dies geschieht in der Regel als individuelle Wahlentscheidung der Bürger und nicht über offizielle Kooperationen der Parteien. Die Frage, wer die rund 13 % der Stimmen des ausgeschiedenen AfD-Kandidaten für sich mobilisieren kann, gilt als wahlentscheidend für den 27. September.
Muss ein Wahlsieger die Wahl annehmen?
Nein, niemand kann gezwungen werden, ein politisches Amt anzutreten. Nach dem Kommunalwahlgesetz (KWG) in Rheinland-Pfalz hat ein gewählter Bewerber das Recht, die Wahl abzulehnen.
Folgende Szenarien und Regelungen greifen in einem solchen Fall:
- Erklärung der Ablehnung: Nach der Feststellung des amtlichen Endergebnisses wird der Gewinner benachrichtigt und hat eine gesetzliche Frist, um die Annahme zu erklären oder die Wahl formell abzulehnen.
- Folge der Ablehnung: Lehnt die siegreiche Person die Wahl ab, gilt sie als nicht gewählt.
- Auswirkung auf das Verfahren: Je nach Zeitpunkt der Ablehnung wird das Verfahren angepasst. Da es sich um eine Direktwahl handelt, führt eine Ablehnung des Siegers nach einer Stichwahl dazu, dass die Wahl komplett wiederholt werden muss. Es rückt in diesem Fall also nicht automatisch der Zweitplatzierte nach, da das Volk dem Zweitplatzierten keine Mehrheit gegeben hat.
Parteienstärke und Wählerpotenziale in Worms
Bei der Oberbürgermeisterwahl im September 2026 sind Grüne, Freie Wähler („Worms will weiter“ / FWG) und Die Linke ohne eigene Kandidatur angetreten. Wie stark die einzelnen politischen Kräfte in Worms verankert sind, lässt sich anhand der Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 (Stadtratswahl) und des ersten Wahlgangs der OB-Wahl vom September 2026 gut einordnen:
Vergleich der Wahlergebnisse in Worms
| Partei / Wählergruppe | Stadtratswahl 2024 | OB-Kandidat 2026 | OB-Wahl Sep. 2026 (1. Wahlgang) |
| CDU | 25,5 % (13 Sitze) | Stephanie Lohr | 44,1 % (in Stichwahl) |
| SPD | 22,8 % (12 Sitze) | Timo Horst | 40,5 % (in Stichwahl) |
| AfD | 19,7 % (10 Sitze) | Frank Senger | 13,1 % |
| WWW (Freie Wähler) | 14,6 % (8 Sitze) | kein Kandidat | – |
| Bündnis 90/Grüne | 8,0 % (4 Sitze) | kein Kandidat | – |
| FDP | 4,0 % (2 Sitze) | Ali Kesler | 2,2 % |
| Die Linke | 2,2 % (1 Sitz) | kein Kandidat | – |
Einordnung der Wählerpotenziale
- „Worms will weiter“ (WWW) und Grüne halten zusammen über 22 % der Stimmen aus der Stadtratswahl 2024. Dass beide keine eigenen Personalvorschläge ins Rennen geschickt haben, hat das Rennen im ersten Wahlgang stark auf das Duell zwischen Stephanie Lohr (CDU) und Timo Horst (SPD) konzentriert.
- Das Wählerpotenzial der Parteien ohne eigenen Kandidaten bildet nun die entscheidende Unbekannte für die Stichwahl am 27. September 2026, da die Wahlemfehlungen und Stimmverlagerungen von Grüne-, WWW- und Linke-Wählern ausschlaggebend für das Endergebnis sein werden.
FAZT:
Wenn alle Parteien in Worms ihre Wähler mobilisieren an die Wahlurne zu gehen, könnte sowohl die CDU-Kandidatin, als auch der SPD-Kandidat ohne die Stimmen der AfD ins Amt des Oberbürgermeisters gewählt werden. Wenn alle Wormser Parteien noch ihre Wähler an die Wahlurne bringen, kann es gelingen, dass die Stimmen der AfD für die OB-Wahl keine Rolle spielen.










