Hausarztpraxen begrüßen das System – Psychotherapeuten-Netzwerk warnt vor Einschränkungen
Der Koalitionsvertrag der Großen Koalition von Union und SPD 2025/2026 sieht die Einführung eines Primärarztsystems vor, um die Gesundheitsversorgung zu steuern, Doppeluntersuchungen zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Kernpunkte des geplanten Primärarztsystems ist, Hausarzt gilt primär als erste Anlaufstelle, um die Koordination der weiteren Behandlung zu übernehmen. Eine verbindliche Reihenfolge (erst Hausarzt, dann Facharzt) wird angestrebt, um die Inanspruchnahme spezialisierter Leistungen zu lenken.
Ausgenommen von einer Pflichtüberweisung sollen laut Koalitionsplänen Augenärzte und Gynäkologen sein. Der Koalitionsvertrag beinhaltet eine stärkere Regulierung von investorengetragenen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Statt Sanktionen von Patienten, die ohne Überweisung zum Facharzt gehen, werden Anreize diskutiert, wie etwa die Förderung hausarztzentrierter Versorgung (HZV). Geplant sind Honorarzuschläge für Hausärzte in unterversorgten Gebieten und Abschläge in überversorgten Regionen. Das Bundesgesundheitsministerium hat für Anfang 2026 einen Gesetzentwurf zur Einführung des Systems angekündigt. Während der Hausärztinnen- und Hausarztverband das System begrüßt, um die hausärztliche Versorgung zu stärken, gibt es auch kritische Stimmen, die überlastete Praxen befürchten und eine Entlastung der Hausärzte fordern. Auch das Psychotherapeuten-Netzwerk warnt davor, das Entzugsrecht zu Fachtherapeuten zu stark einzuschränken.
Primärsystem – was ist das?
Wie der BR24 Wirtschaft bereits am 22.04.2025 berichtete, sei in Deutschland der Zugang zu ärztlicher Betreuung so niederschwellig wie kaum ein anderer auf der Welt. Patienten könnten, sofern sie einen Termin bekommen, frei entscheiden, welche Hausarzt- oder Facharztpraxis sie aufsuchen wollen. Doch diese freie Arztwahl sei nach Einschätzung vieler Fachleute nicht effizient. Deshalb hätten sich die Koalitionspartner Union und SPD darauf geeinigt, dass sie für Kassenpatienten ein „verbindliches Primärarztsystem“ schaffen wollen.
Der Begriff lehnt sich an ein Konzept an, das im Englischen „Primary care“ heißt. Dahinter steht die Idee, dass Patienten stets zunächst eine bestimmte Anlaufstelle aufsuchen. Dort soll medizinisches Fachpersonal einschätzen, welche Versorgung sinnvoll ist und entweder selbst die Behandlung übernehmen oder die Patienten an andere Stellen weiterleiten. In der Regel sind diese Erstanlaufstellen die Hausarztpraxen. Hier der Originalbericht https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/primaerarztsystem-union-uns-spd-wollen-es-einfuehren-was-sich-dahinter-verbirgt,UjIEFyZ
Zu den Überlegungen zur Einführung eines Primärarztsystems gibt es auch einen Kommentar von Dr. rer. Pol. Dominik von Stillfried, 1. Vorsitzender des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) und der Leiterin des Referats Gesundheitsfragen des ZI, Dr. PH Sandra Magiapane, den wir unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchten, hier zum Kommentar https://www.monitor-versorgungsforschung.de/abstract/ueberlegungen-zur-einfuehrung-eines-primaerarztsystems/












