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Klimawandel – Hitzewellen und die Waldbrandgefahr

by Redaktion
18.08.2026
in Wissenswertes
Lesezeit: 12 mins read
Klimawandel – Hitzewellen und die Waldbrandgefahr

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Deutschland brennt früher, öfter, heftiger – die Waldbrandsaison 2026 als Zäsur – Ein Fachbeitrag zusammengetragen vom Recherche-Team NACHRICHTEN REGIONAL

Evakuierte Dörfer in der Eifel, Rekordemissionen, Feuerwehren im Dauereinsatz von der Mecklenburgischen Seenplatte bis zum Schwarzwald: Der Sommer 2026 zeigt, dass sich Deutschland vom gelegentlichen Waldbrandland zum strukturellen Risikogebiet entwickelt. Ein Blick auf zwei Jahrzehnte Daten – und auf die Maßnahmen, die jetzt nicht mehr warten können.

Als in der Nacht zum 14. August 2026 rund 2.000 Menschen den Hürtgenwalder Ortsteil Gey verlassen mussten, war für viele Bewohner der Eifel eine abstrakte Bedrohung plötzlich sehr konkret geworden. Auf etwa 300 Hektar fraßen sich die Flammen durch die Wälder im Kreis Düren – nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Landesregierung der größte Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes. Mehr als 1.400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundeswehr, THW und Hilfsorganisationen kämpften tagelang gegen das Feuer, Hubschrauber warfen Löschwasser ab, die Bundeswehr schlug Schneisen. Erschwert wurde der Einsatz durch ein makabres Erbe: Im Boden des einstigen Weltkriegsschlachtfelds liegt bis heute Munition, immer wieder waren Explosionen zu hören (Tagesschau, 15.08.2026; Stern, 15.08.2026). Nur wenige Kilometer weiter südwestlich, im belgischen Hohen Venn, wuchs zeitgleich der größte Vegetationsbrand der jüngeren belgischen Geschichte auf rund 3.000 Hektar an – die Feuerfront rückte bis auf drei Kilometer an die deutsche Grenzstadt Monschau heran, Bewohner des Ortsteils Kalterherberg mussten wegen des Rauchs ihre Häuser verlassen (Tagesschau, 17.08.2026). Und die Eifel ist kein Einzelfall: Binnen weniger Augusttage brannte es bei Schramberg im Schwarzwald, bei Illingen im Saarland, in Gebhardshain im Westerwald – wo die Flammen bis auf 20 Meter an Wohnhäuser heranrückten –, bei Waldaschaff in Unterfranken auf 29 Hektar, bei Langscheid in der Vulkaneifel auf rund 50 Hektar sowie in Sachsen und Thüringen (Tagesschau, 17.08.2026; RP Online, 16.08.2026). Die Waldbrandsaison 2026 ist noch nicht vorbei. Aber sie hat Deutschland bereits einen neuen Referenzrahmen dafür gegeben, was ein Feuersommer in Mitteleuropa bedeuten kann.

Die Saison 2026: eine neue Dimension – auch ohne neuen Flächenrekord

Nüchtern betrachtet ist 2026 bislang nicht das Jahr mit der größten verbrannten Fläche. Nach Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS und der Auswertung von Our World in Data lagen in Deutschland in den ersten 31 Wochen des Jahres rund 6.000 Hektar Brandfläche vor – Platz drei hinter den Extremjahren 2022 und 2025, die zum selben Zeitpunkt jeweils bereits über 8.000 Hektar aufwiesen (Epoch Times, 16.08.2026; EFFIS-Daten). Wichtig zur Einordnung: EFFIS erfasst per Satellit alle Vegetationsbrände ab einer gewissen Größe, also auch Gras-, Heide- und Ackerflächen, und liegt damit systematisch über der amtlichen deutschen Waldbrandstatistik, die nur Wald zählt.

Drei Befunde machen 2026 dennoch zu einer Zäsur. Erstens die Intensität: Nach Daten des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus setzten Wald- und Vegetationsbrände in Deutschland bis Mitte August 2026 mit rund 0,21 Megatonnen so viel CO₂ frei wie in keinem Vergleichszeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen 2003 – ein Indiz dafür, dass 2026 nicht nur Gras- und Heideflächen, sondern in erheblichem Umfang Wald mit hoher Biomasse gebrannt hat (Copernicus/CAMS via Epoch Times, 16.08.2026). Zweitens die Geografie: Es traf mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg gerade jene westlichen und südwestlichen Regionen, die bisher nicht zu den klassischen Waldbrandgebieten zählten. Drittens die Nähe zu Menschen: Evakuierungen von über 2.000 Personen, verletzte Einsatzkräfte, geräumte Pflegeheime – Waldbrände sind in Deutschland 2026 endgültig zu einem Bevölkerungsschutzthema geworden (Tagesschau, 14./15.08.2026).

Auch der europäische Kontext ist außergewöhnlich: EFFIS registrierte bis Mitte August 2026 europaweit mehr als 600.000 Hektar verbrannte Fläche, deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Auffällig ist, dass neben dem Mittelmeerraum auch Großbritannien, Deutschland, Österreich, Dänemark und die Niederlande über ihren jeweiligen Langzeitmitteln lagen – die Feuergefahr wandert nach Norden (Vaterland/CH Media, 14.08.2026). In der Woche bis zum 22. Juli verbrannten europaweit rund 186.000 Hektar, mehr als das Siebenfache des Durchschnitts der entsprechenden Woche der Jahre 2006 bis 2025 (RND, 17.08.2026).

Der 20-Jahres-Vergleich: Vom Ausreißer zum Muster

Die amtliche Waldbrandstatistik, die die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) jährlich aus den Meldungen der Landesforstbehörden zusammenführt, zeigt für die vergangenen zwei Jahrzehnte ein charakteristisches Muster: lange Phasen relativer Ruhe, unterbrochen von immer dichter aufeinander folgenden Extremjahren. Der langjährige Mittelwert seit 1991 liegt bei 844 Hektar verbrannter Waldfläche und rund 1.139 Bränden pro Jahr (BLE, 2025/2026).

Verbrannte Waldfläche in Deutschland – ausgewählte Jahre (amtliche Waldbrandstatistik):

JahrVerbrannte Waldfläche (ha)Einordnung
2017395unterdurchschnittlich, feuchtes Jahr
20182.349Dürrejahr, 1.708 Brände
20192.711zweites Dürrejahr in Folge
2020368moderat
2021148regenreich, Minimalwert
20223.058zweithöchster Wert seit 1977; 2.397 Brände
20231.240über dem Langzeitmittel
2024334regenreich, 563 Brände
20252.6261.175 Brände; Großbrand Gohrischheide (1.867 ha)
2026*ca. 6.000 (EFFIS, alle Vegetationsbrände)Stand Mitte August, Saison läuft noch

* EFFIS-Satellitendaten (alle Vegetationsbrände, erste 31 Wochen) sind nicht direkt mit der amtlichen, reinen Wald-Statistik vergleichbar. Quellen: BLE-Waldbrandstatistik 2017–2025; FNR; R+V; Our World in Data/EFFIS.

Die Zeitreihe erzählt eine klare Geschichte. In den 2000er-Jahren und bis Mitte der 2010er-Jahre bewegten sich die jährlichen Schadflächen meist im drei- bis niedrigen vierstelligen Hektarbereich; Extremjahre wie 1992 mit 4.908 Hektar galten als historische Ausnahmen (FNR, 2023). Seit 2018 hat sich der Rhythmus verändert: Innerhalb von nur acht Jahren – 2018, 2019, 2022, 2025 und nun 2026 – gab es fünf Saisons, in denen die verbrannte Fläche ein Mehrfaches des Langzeitmittels erreichte. Der WWF spricht in seiner Studie „Feuerkompass“ davon, dass die extremen Hitze- und Dürrejahre 2018, 2019 und 2022 die Waldbrandgefahr auf Rekordwerte getrieben haben und Deutschland-weit die Zahl der Tage mit hohem Brandrisiko stark zunimmt (WWF, 2026).

Verändert hat sich auch die Geografie des Feuers. Über Jahrzehnte konzentrierte sich das Risiko auf die sandigen, kiefernreichen Böden des Nordostens – Brandenburg führte die Statistik fast durchgängig an, etwa 2022 mit 1.426 Hektar (KatRiMa/BMEL, 2022). 2025 lag erstmals Sachsen vorn (1.894 Hektar), geprägt vom Großbrand in der munitionsbelasteten Gohrischheide; es folgten Brandenburg (252 ha) und Bayern (224 ha) (BLE, 30.06.2026). Und 2026 brennt es massiv im Westen: In Nordrhein-Westfalen war im gesamten Jahr 2025 eine Fläche von nur rund 52 Hektar betroffen – der Hürtgenwald-Brand allein übertraf diesen Jahreswert um fast das Sechsfache (Tagesschau, 15.08.2026). „Wir müssen in diesem Jahr feststellen, dass Waldbrände häufiger auftreten und inzwischen auch Regionen erreichen, die wir bislang nicht zu den klassischen Waldbrandgebieten Deutschlands gezählt haben“, konstatiert Christian Haase, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats (Rheinische Post/t-online, 15.08.2026).

Die Ursachen: Feuerwetter, kranke Wälder – und fast immer der Mensch

1. Der Klimawandel als Brandbeschleuniger

Kein Waldbrand entsteht durch CO₂ – aber der Klimawandel schafft immer häufiger die Bedingungen, unter denen aus einem Funken eine Katastrophe wird. Der Deutsche Wetterdienst verzeichnete bereits 2025 eines der sonnigsten, ungewöhnlich warmen und trockenen Jahre; vor allem das niederschlagsarme Frühjahr sorgte früh für hohe Waldbrandgefahr (BLE/DWD, 30.06.2026). 2026 setzte sich das Muster verschärft fort: eine früh einsetzende Dürre, Hitzewellen mit bis zu 38 Grad Mitte August und über Wochen ausbleibender Regen im Westen (Tagesschau, 14.08.2026; DWD). Mehrjährige Trockenphasen entziehen den Böden das Wasser, verlängern die Brandsaison vom Frühjahr bis in den Herbst und lassen selbst Mittelgebirgslagen wie Eifel und Schwarzwald zu Risikogebieten werden. Hinzu kommt 2026 ein sich aufbauendes El-Niño-Ereignis, das nach Warnungen der Weltwetterorganisation WMO besonders stark ausfallen könnte (Morgenpost, 24.06.2026).

2. Anfällige Wälder: das Erbe der Monokulturen

Die zweite Ursache steht seit Jahrzehnten im Wald: Mehr als zwei Drittel der verbrannten Flächen in Deutschland entfallen auf Nadelwälder – vielfach gleichaltrige Kiefern- und Fichtenreinbestände auf trockenen Standorten, deren harzreiche Biomasse leicht zündet und in denen Feuer sich schnell ausbreitet (WWF Feuerkompass, 2026). Dürre, Hitze und Borkenkäferkalamitäten der Jahre seit 2018 haben zudem enorme Mengen an totem, trockenem Holz hinterlassen – Brennstoff, der in heißen Sommern bereitliegt. Geschwächte, aufgelichtete Bestände trocknen schneller aus; ein Teufelskreis aus Waldschäden und Feuergefahr.

3. Der Faktor Mensch: Fahrlässigkeit und Brandstiftung

Die Zündquelle ist fast nie die Natur. Blitzschlag spielt in der deutschen Statistik eine untergeordnete Rolle; NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen brachte es im August 2026 auf die Formel, „fast hundert Prozent der Waldbrände“ seien menschengemacht (Deutschlandfunk/Stern, 15.08.2026). Die BLE-Statistik für 2025 schlüsselt auf: 46 Prozent der Brände blieben ungeklärt, rund 27 Prozent gingen auf Fahrlässigkeit zurück – überwiegend Camper, Waldbesucher und Kinder –, und etwa 19 Prozent, fast jeder fünfte Brand, wurden mutmaßlich vorsätzlich gelegt (BLE, 30.06.2026). Eine weggeworfene Zigarette, ein heißer Katalysator über trockenem Gras, ein zurückgelassenes Glas – bei extremer Trockenheit genügt wenig.

4. Munitionsbelastete Böden und Defizite in der Infrastruktur

Eine deutsche Besonderheit verschärft die Lage: Auf ehemaligen Truppenübungsplätzen und historischen Schlachtfeldern – von der Gohrischheide bis zum Hürtgenwald – verhindert Altmunition, dass Einsatzkräfte Brandherde direkt bekämpfen können; Flächen müssen aus der Distanz oder aus der Luft gelöscht werden, während der Brand sich ausbreitet (Tagesschau, 15.08.2026; Zeit Online, 30.06.2026). Dazu kommen strukturelle Defizite: fehlende Löschwasserentnahmestellen im Wald, nicht befahrbare Forstwege, langwierige Amtshilfeverfahren für Hubschrauber und das Fehlen eigener Löschflugzeuge in öffentlicher Hand – der Feuerwehrverband kritisiert seit Jahren, dass über angeforderte Helikopter mitunter „stundenlang“ diskutiert werde, während Flächen brennen (Deutscher Feuerwehrverband/Spiegel, 2022; Bundestagsanhörung, 2023).

Was jetzt geschehen muss: Sechs Baustellen für ein feuerfesteres Deutschland

1. Waldumbau als Generationenaufgabe beschleunigen

In der Fachwelt herrscht seltene Einigkeit: Die langfristig wirksamste Prävention ist der Umbau anfälliger Nadelholzreinbestände in strukturreiche, mehrschichtige Laubmischwälder. Solche Wälder speichern mehr Feuchtigkeit, haben ein kühleres Mikroklima und bremsen die Feuerausbreitung. „Die langfristig wichtigste Antwort lautet deshalb: Waldumbau, Waldumbau, Waldumbau“, sagt DFWR-Präsident Haase – und warnt zugleich, dass die Geschwindigkeit des Klimawandels das Generationenprojekt zunehmend unter Druck setzt (t-online, 15.08.2026). Der WWF fordert einen grundlegenden Kurswechsel der Waldpolitik in diese Richtung (WWF, 2026). Nötig sind dafür verlässliche, langfristige Finanzierung für private und kommunale Waldbesitzer, angepasste Wilddichten für die Naturverjüngung und die rechtliche Verankerung des Waldbrandschutzes im Forstrecht.

2. Früherkennung flächendeckend ausbauen

Je früher ein Feuer entdeckt wird, desto kleiner bleibt es. Brandenburg zeigt mit seinem automatisierten Kameraüberwachungssystem seit Jahren, wie Früherkennung funktioniert. Fachleute und die Grünen-Bundestagsfraktion fordern nun, Satellitendaten, sensorgestützte Systeme und Drohnen mit KI-Auswertung bundesweit zu einem Frühwarnnetz zu verknüpfen, das auch die neuen Risikogebiete im Westen und Süden abdeckt (Tagesschau, 14.08.2026; DFWR, 15.08.2026).

3. Löschkapazitäten am Boden und in der Luft aufstocken

Deutschland verfügt über keine staatlichen Löschflugzeuge; im Ernstfall helfen Hubschrauber von Bundeswehr und Bundespolizei per Amtshilfe. Der Arbeitskreis Waldbrand des Deutschen Feuerwehrverbands empfiehlt, alle geeigneten Polizeihubschrauber mit Außenlasthaken auszurüsten, leistungsfähigere Maschinen zu beschaffen und die Führungsstrukturen für Luftlöscheinsätze zu professionalisieren; die Deutsche Feuerwehr Gewerkschaft plädiert dafür, Löschflugzeuge und -hubschrauber parallel vorzuhalten (Bundestagsanhörung, 2023). Ebenso wichtig: geländegängige Tanklöschfahrzeuge für die kommunalen Wehren, spezielle Ausbildung in der Vegetationsbrandbekämpfung und eine aktive deutsche Beteiligung an der europäischen rescEU-Löschflotte (Spiegel, 2022).

4. Eine nationale Feuermanagementstrategie

Waldbrandschutz ist in Deutschland auf Länder, Kommunen, Forstbehörden und den Bund zersplittert. Die Grünen-Bundestagsfraktion forderte im August 2026 eine nationale Feuermanagementstrategie, die Prävention, Bekämpfung und die Wiederherstellung verbrannter Flächen zusammenführt, sowie mehr Bundesmittel für die Ausstattung von Feuerwehren und THW (ARD-Hauptstadtstudio/Tagesschau, 14.08.2026). Experten wie Alexander Held vom European Forest Institute verlangen zudem eine dauerhaft finanzierte „Plattform Waldbrand“ auf Bundesebene, die Forschung, Beratung und internationale Erfahrung – etwa aus Südeuropa – bündelt, statt sich von Kurzzeitprojekt zu Kurzzeitprojekt zu hangeln (Bundestagsanhörung, 2023).

5. Infrastruktur im Wald: Wasser, Wege, Schneisen, Munitionsräumung

Prävention entscheidet sich oft an banalen Dingen: an befahrbaren Forstwegen, ausreichend dichten Löschwasserentnahmestellen, gepflegten Wundstreifen und Schutzstreifen aus schwer brennbarem Laubholz entlang von Bahnlinien, Straßen und Ortschaften (DFWR, 15.08.2026). Auf munitionsbelasteten Flächen führt an einer systematischen, bundesfinanzierten Kampfmittelräumung kein Weg vorbei – die wiederholten Brände in der Gohrischheide und die explodieren­de Weltkriegsmunition im Hürtgenwald haben gezeigt, dass diese Altlasten die Brandbekämpfung strukturell blockieren (Zeit Online, 30.06.2026; Stern, 15.08.2026).

6. Prävention beim Menschen – und konsequenter Klimaschutz

Da fast alle Brände vom Menschen ausgehen, bleibt Verhaltensprävention zentral: Rauch- und Feuerverbote im Wald konsequent durchsetzen, Betretungsverbote bei höchsten Gefahrenstufen, Aufklärungskampagnen – und eine entschlossenere Strafverfolgung von Brandstiftung, die 2025 für fast jeden fünften Brand verantwortlich war (BLE, 30.06.2026). Und schließlich die unbequemste Wahrheit: Ohne wirksamen Klimaschutz bleibt alles andere Symptombekämpfung. Modellrechnungen zufolge könnten die jährlich geschädigten Waldflächen in Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts drastisch anwachsen – bei weiter steigender Nutzung fossiler Energien könnten sich die Waldschäden mehr als verdoppeln (Zeit Online, 30.06.2026).

Fazit: Das Ende der Ausnahme

Die Bilanz der Saison 2026 wird erst im kommenden Jahr amtlich vorliegen. Doch die Lehre lässt sich schon jetzt ziehen: Was in der 20-Jahres-Rückschau als Abfolge von „Ausnahmejahren“ erschien – 2018, 2019, 2022, 2025 –, ist zum neuen Normal geworden, und 2026 hat dieses Normal in Regionen getragen, die sich bisher sicher wähnten. Feuerwehrleute, die im Hürtgenwald zwischen Blindgängern Schneisen schlagen, Dörfer, die binnen Stunden evakuiert werden, ein Land, das über Löschflugzeuge diskutiert, während es brennt: Deutschland muss den Umgang mit Waldbränden vom Krisenmodus in den Planungsmodus überführen. Die Instrumente – Waldumbau, Früherkennung, Löschkapazitäten, eine nationale Strategie, Munitionsräumung, Klimaschutz – liegen seit Jahren auf dem Tisch. Was 2026 hinzugefügt hat, ist die Gewissheit, dass die Zeit, sie umzusetzen, knapper wird mit jedem trockenen Frühjahr.

Quellen

  1. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): „2025: Doppelt so viele Waldbrände wie im Vorjahr – Fläche so groß wie Norderney verbrannt“, Pressemitteilung vom 30.06.2026. https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/260630_Waldbrandstatistik.html
  2. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): „Waldbrände 2024: Fläche so groß wie Central Park verbrannt“, Pressemitteilung vom 18.06.2025. https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/250618_Waldbrandstatistik.html
  3. BMEL-Statistik: Waldbrandstatistik (Zeitreihen zu Flächen, Ursachen und Bundesländern). https://www.bmel-statistik.de/forst-holz/waldbrandstatistik
  4. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Themenportal Wald: „Anzahl und Fläche an Waldbränden deutlich angestiegen – Waldbrandstatistik 2022“, 20.07.2023. https://wald.fnr.de/wissen/themendossiers/waldbrand
  5. Tagesschau: „NRW kämpft mit dem wohl größten Waldbrand der Landesgeschichte“, 15.08.2026. https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/waldbrand-nrw-eifel-100.html
  6. Tagesschau: „2.000 Menschen flüchten vor Waldbrand in der Eifel“, 14.08.2026. https://www.tagesschau.de/inland/regional/nrw-waldbrand-eifel-100.html
  7. Tagesschau: „Waldbrände im Hohen Venn und im Schwarzwald“, 17.08.2026. https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/waldbraende-deutschland-102.html
  8. Tagesschau: „Hürtgenwald hofft auf Regen – Merz dankt Helfern“ (DFWR-Forderungen zu Waldumbau und Früherkennung), 15.08.2026. https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/brand-huertgenwald-einsatzkraefte-100.html
  9. Tagesschau: „Statistik für 2025 – Deutlich mehr Waldbrände in Deutschland“, 30.06.2026. https://www.tagesschau.de/inland/waldbraende-statistik-102.html
  10. Tagesschau/ARD-Hauptstadtstudio: „Waldbrände: Grüne fordern Merz zum Handeln auf“, 14.08.2026. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gruene-waldbraende-forderungen-100.html
  11. Zeit Online: „Zahl der Waldbrände im Jahr 2025 mehr als verdoppelt“, 30.06.2026. https://www.zeit.de/wissenschaft/umwelt/2026-06/waldbraende-deutschland-2025-flaeche-statistik-gxe
  12. ZDFheute: „Waldbrände: Zahl nimmt 2025 wieder deutlich zu“, 30.06.2026. https://www.zdfheute.de/panorama/waldbraende-zahl-flaeche-verbrannt-100.html
  13. Stern: „Hitzesommer 2026 – Liveblog zu den Waldbränden in der Eifel und im Hohen Venn“, 15.08.2026. https://stern.de/panorama/wetter/hitzesommer-2026–wind-bei-waldbrand-in-huertgenwald-bereitet-sorgen-38018364.html
  14. RP Online: „Waldbrand-Saison 2026: Wo es aktuell in Deutschland brennt“, 16.08.2026. https://rp-online.de/panorama/deutschland/waldbrand-saison-2026-wo-es-aktuell-in-deutschland-brennt_aid-153213081
  15. RND: „Brände in Deutschland und Europa: Karte der aktuellen Feuer und verbrannten Flächen“, 17.08.2026. https://www.rnd.de/wirtschaft/braende-in-deutschland-und-europa-karte-der-aktuellen-feuer-und-verbrannten-flaechen-stand-17-08-VTVDSFOOCNB4ZETMVMX7ERGCBM.html
  16. Vaterland/CH Media: „Feuerwalzen in Europa: So heftig ist der Waldbrand-Sommer 2026 – ein Überblick“ (EFFIS-Daten), 14.08.2026. https://www.vaterland.li/international/feuerwalzen-in-europa-so-heftig-ist-der-waldbrand-sommer-2026-ein-ueberblick-art-751543
  17. Epoch Times: „Waldbrände in Deutschland und weltweit – so ist die Situation wirklich“ (Copernicus/CAMS- und Our-World-in-Data-Auswertungen), 16.08.2026. https://www.epochtimes.de/etplus/waldbraende-in-deutschland-und-weltweit-so-ist-die-situation-wirklich-a5581354.html
  18. WWF Deutschland: „Bayern in Flammen – WWF warnt vor wachsender Waldbrandgefahr“ (mit Studie „Feuerkompass – Waldbrände in Deutschland“), 29.05.2026. https://www.wwf.de/2026/mai/bayern-in-flammen
  19. Deutscher Bundestag: „Bessere Waldbrandbekämpfung gefordert“ – öffentliche Anhörung im Innenausschuss (Stellungnahmen DFWR, Feuerwehrverband, EFI u. a.), 2023. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-943232
  20. Spiegel: „Grüne und FDP fordern Löschflugzeuge für Deutschland“, 24.07.2022. https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/waldbraende-gruene-und-fdp-fordern-loeschflugzeuge-fuer-deutschland-a-7ebbeee9-3c5f-4d5b-a184-46dab1c467a9
  21. t-online: „Waldbrand in Deutschland: Forstexperten mahnen zum Waldumbau“, 15.08.2026. https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101390166/waldbrand-in-deutschland-forstexperten-mahnen-zum-waldumbau.html
  22. Morgenpost: „Waldbrand-Gefahr 2026 extrem – ‚Saison hat sehr früh begonnen‘“ (WMO/El Niño), 24.06.2026. https://www.morgenpost.de/panorama/article411974901/waldbrand-2026-saison-prognose-extrem-vorhersage-bilanz.html
  23. KatRiMa (BBK): „Waldbrände in Deutschland 2022“ (Auswertung der BMEL-Waldbrandstatistik). https://www.katrima.de/DE/Schadensereignisse/2020-20xx/2022_2_Waldbrand.html

Hinweis: Der Artikel gibt den Recherchestand vom 17. August 2026 wieder. Die amtliche Waldbrandstatistik für das Jahr 2026 wird voraussichtlich erst Mitte 2027 durch die BLE veröffentlicht; Angaben zur laufenden Saison beruhen auf Satellitendaten (EFFIS, Copernicus) und Behördenangaben und können von der späteren amtlichen Bilanz abweichen.

Foto: Michael Sander (Wikipedia)
Bildunterschrift: Wald nach einem Waldbrand. Aufgenommen auf dem Ehrenberg bei Ilmenau (Thüringen).

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