Interessante Vorträge des Behindertenbeirates
Anlass zu einer kleinen Feierstunde hatte die Haßlocher Selbsthilfegruppe „Lebensfreude“ am vergangenen Mittwoch, weil die Gruppentreffen künftig im Bistro des Kulturvierecks K4 stattfinden können. Als Gäste durfte die Leiterin die beiden Mitglieder des Haßlocher Behindertenbeirates Jürgen Hurrle und Gisela Mathä begrüßen. Großen Zuspruch fanden ihre Vorträge. Hurrle, der auch Vorsitzender des Fördervereins der Selbsthilfegruppe ist, informierte über Möglichkeiten, wie man auch als psychisch Kranker einen Grad der Behinderung bzw. einen Behinderten-ausweis beantragen kann. Mathä erzählte ihre Lebensgeschichte und wie man durch Stress und Hörsturz taub werden und in eine Depression fallen kann. Beide erhielten großen Beifall für die informativen Beiträge.

Karin Hurrle freute sich über die große Resonanz und Teilnahme, dankte bei dieser Gelegenheit dem Team des Seniorenheims Rebental, die als Überbrückung den Gruppenmitgliedern Räumlichkeiten im November und Dezember 2025 zur Verfügung gestellt haben. Den Kontakt zum Rebental wolle man aufrechterhalten, geplant sei in den nächsten Wochen eine Vernissage und Bilderausstellung des Gruppenmitgliedes Gabriele Walcher. Weitere Aktivitäten seien in den nächsten Monaten geplant. Beim nächsten Treffen, am 21.Januar, wird Marion Gryger, Vorsitzende des Haßlocher Kneipp-Vereins, einige gesundheitsfördernde Angebote unterbreiten.
„Kann man bei Depression einen Behindertenausweis beantragen?“, war das Thema des Vortrags von Jürgen Hurrle. Seine Antwort war eindeutig ja. Depressionen sind eine weit verbreitete psychische Erkrankung, die zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag führen kann wie etwa anhaltende Niedergeschlagenheit, Energiemangel und soziale Isolation. Der Grad der Behinderung (GdB) wird je nach Schweregrad der Erkrankung und den Auswirkungen auf das tägliche Leben festgestellt. Ein anerkannter GdB bei Depressionen ermöglicht den Zugang zu verschiedenen Nachteilsausgleichen und Leistungen wie zum Beispiel Steuererleichterungen, Unterstützung am Arbeitsplatz und erhöhter Sozialhilfe.
Es gibt verschiedene Formen der Depression mit den unterschiedlichsten Schweregraden. Depressionen werden grob in vier verschiedene Schweregrade, nämlich leichte, mittelschwere, schwere und schwerste Depression, unterschieden. Anhand dieser Schweregrade kann ein GdB von 20 bis 100 ermittelt werden. Außerdem ging Hurrle auch auf das Thema Behinderung bei Depression und Rente ein. Ebenfalls bot er an, bei der Antragstellung behilflich zu sein, gerne auch in einem persönlichen Gespräch. Er sprach die positiven Aspekte eines Behinderten-ausweises an, verwies aber auch auf mögliche negative Auswirkungen, zum Beispiel bei der Arbeitsplatzsuche.

Auch der Vortrag von Gisela Mathä fand großes Interesse. Sie habe immer wieder den Menschen Mut gemacht, die ihr Gehör verloren hätten. Sie erinnerte dabei an ihre Selbsthilfegruppe, die sie in Neustadt geleitet hat. Auch an den technischen Fortschritt, wie man durch Einpflanzen von Implantaten wieder sein Gehör zurückbekommen kann. Nach einer solchen Operation dauere es lange, bis das Zusammenspiel von Gehör und Sprache wieder funktioniere, erzählt sie. Sechs Jahre sei sie gehörlos gewesen. Durch Zufall habe sie in der Schweiz von der Einpflanzung solcher Implantate erfahren. Erst nach der OP habe wieder ein neues Leben für sie angefangen. Durch den Zustand nichts mehr hören zu können, sei sie in eine schwere Depression gefallen. Heute freue sie sich, dass sie vielen Menschen in gleicher Situation Tipps und Ratschläge habe geben und weiterhelfen können. Sie machte jedem Mut, dass auch eine Depression überwunden werden kann.












