Gründung, Vorsitz und die Rolle von Hans-Ulrich Ihlenfeld als Stellvertreter
Hintergrundbericht des Recherche-Teams von NACHRICHTEN REGONAL auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen
Kurzfassung. Karin Hurrle – zum Zeitpunkt der Vereinsgründung noch unter ihrem damaligen Namen Karin Volz – zählt zu den prägenden Gründungsfiguren des Bürgerfernsehens in Haßloch. Bei der Gründungsversammlung des Trägervereins „Offener Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim e.V.“ am 27. September 1994 wurde sie zur ersten Vorsitzenden gewählt. In dieser Funktion verantwortete sie den Aufbau des Senders von den ersten provisorischen Räumen bis zum regulären Sendebetrieb ab Februar 1997. Ihr Stellvertreter im Gründungsvorstand war Hans-Ulrich Ihlenfeld, der später Bürgermeister der Gemeinde Haßloch (2004–2013) und anschließend Landrat des Landkreises Bad Dürkheim (seit 2013) wurde. Der vorliegende Bericht ordnet das Engagement Karin Hurrles ein, zeichnet die Entwicklung des Offenen Kanals nach und beleuchtet die Zusammensetzung des Gründungsvorstands.
Der Gründungskontext des Offenen Kanals
Die Idee, in Haßloch einen Offenen Kanal – also ein bürgergetragenes Lokalfernsehen im Kabelnetz – zu installieren, entstand im Januar 1993. Sie geht auf den damaligen ersten Beigeordneten und Kulturdezernenten der Gemeinde Haßloch, Jürgen Hurrle, sowie auf Ulrich Kamp von der Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter (LPR) zurück. Jürgen Hurrle begründete das Vorhaben insbesondere damit, die „Pressegrenzen“ zwischen den Nachbargemeinden Haßloch und Böhl-Iggelheim zu überwinden und möglichst alle örtlichen Vereine an das neue Medium „Bürgerfernsehen“ heranzuführen.
Der Gründung ging eine rund zweieinhalbjährige Vorbereitungsphase voraus, die maßgeblich von Jürgen Hurrle – teils gemeinsam mit dem später verstorbenen Hans Drewitz – in die Wege geleitet wurde. Politische Auseinandersetzungen brachten das Projekt zeitweise beinahe zum Scheitern: Die Nachbargemeinde Böhl-Iggelheim knüpfte ihre Zusage an eine Bedingung – Haßloch solle auf den Bau einer Schwelbrennanlage auf seiner Gemarkung verzichten. Erst „in letzter Minute“ konnte der Anschluss Böhl-Iggelheims gesichert werden. Ausschlaggebend für die Realisierbarkeit war die hohe Verkabelungsdichte: Von 12.090 möglichen Kabelanschlüssen in beiden Gemeinden waren 9.965 tatsächlich angeschlossen – eine Abdeckung von rund 82 Prozent. Mit dem gemeinsamen Sender wurden zugleich die Grenzen zwischen den Landkreisen Bad Dürkheim und dem Rhein-Pfalz-Kreis medial überbrückt.
Die Vereinsgründung am 27. September 1994
Am 27. September 1994 wurde der Verein „Offener Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim e.V.“ gegründet – benannt nach dem damaligen Sendegebiet. Zur Gründung zählte der Verein 52 Mitglieder. Schon bald nach der Gründung wurde er als gemeinnützig anerkannt. Als Trägerverein stellte er die technische und organisatorische Plattform bereit, damit jede Bürgerin und jeder Bürger eigene Fernsehbeiträge im lokalen Kabelnetz zeigen konnte. Die in der Gründungsversammlung beschlossene Satzung trat mit der Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Ludwigshafen am Rhein in Kraft.
Der in der Gründungsversammlung gewählte Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:
| Amt | Person |
| 1. Vorsitzende | Karin Volz (heute Karin Hurrle) |
| Stellvertreter | Hans-Ulrich Ihlenfeld (später Bürgermeister von Haßloch und Landrat von Bad Dürkheim) |
| Stellvertreter | Lothar Jensen |
| Stellvertreter | Hans Drewitz (inzwischen verstorben) |
| Stellvertreter | Eduard Seger (ehem. Schulleiter des Hannah-Arendt-Gymnasiums) |
| Schatzmeister | Walter Schiel |
| Schriftführer | Michael Blank / Blanck (ehem. Leiter des Seniorenheims Theodor-Friedrich-Haus) |
| Protokollführerin | Jutta Meyer (freie Journalistin der RHEINPFALZ) |
Hinweis: Zum weiteren engeren Gründungs- und Aktivenkreis werden in den Quellen außerdem Michael Blank, Jutta Meyer, Lothar Jensen, Hans Ulrich Ihlenfeld, Eduard Seger und Hans Drewitz genannt. Die Schreibweise des Namens Blank/Blanck variiert zwischen den Quellen.
Das Engagement von Karin Hurrle als erste Vorsitzende
Als erste Vorsitzende übernahm Karin Hurrle (damals Karin Volz) von 1994 bis Anfang 1999 die Leitung des jungen Vereins und prägte die entscheidende Aufbauphase des Senders. Ihre Amtszeit umfasste den Weg von den ersten provisorischen Räumen über die Sanierung der künftigen Sendezentrale bis zur Aufnahme des regulären Sendebetriebs. Schwerpunkte ihres Engagements waren insbesondere:
- Aufbau der Infrastruktur: Der Verein bezog zunächst ein vorläufiges Quartier in der Langgasse 109 mit erster Produktionsausstattung (zwei Kameras vom Typ Panasonic WV-F250). Da die Räume rasch zu klein wurden, wurde das Gebäude der ehemaligen Gemeindekasse in der Leo-Loeb-Straße gewählt, entkernt und – hauptsächlich in ehrenamtlicher Arbeit der Aktiven und mit Unterstützung der Gemeinde – komplett saniert.
- Jugend- und Nachwuchsarbeit: Karin Hurrle förderte die Einbindung junger Menschen in besonderem Maße. Der Kontakt zu den Haßlocher Schulen und zur Jugend führte zur Einrichtung einer Jugendgruppe beim Offenen Kanal; sie legte früh den Grundstein dafür, dass junge Leute im OK mitmachen und mitentscheiden durften. Diese Ausrichtung wirkte über ihre Amtszeit hinaus – der spätere und langjährige Vorsitzende Markus Merkler wird in den Quellen als „Zögling“ dieser Jugendförderung beschrieben.
- Förderung von Frauen im Medium: Sie kündigte die Gründung eines „Frauen-Stammtischs“ an, um gezielt Frauen an die Technik heranzuführen. Kurz darauf begannen viele Frauen ihre eigene „Projektarbeit“.
- Vernetzung der Vereine: Unter ihrer Führung entstand ein Arbeitskreis, der alle Vereine einbinden sollte – ganz im Sinne des ursprünglichen Gründungsgedankens, das Bürgerfernsehen breit im örtlichen Vereinsleben zu verankern.
- Professionalisierung: Später wurde eine medienpädagogische Kraft über das Arbeitsamt Landau finanziert und die erste Ausbildungsstelle beim OK geschaffen – ein Beleg für die Professionalisierung der Vereinsarbeit in dieser Phase.
Der reguläre Sendebetrieb begann in ihrer Amtszeit: Ab Dezember 1996 konnten die ersten Beiträge aus der Haßlocher Sendezentrale ins lokale Kabelnetz ausgestrahlt werden; die offizielle Studioeröffnung mit Schlüsselübergabe erfolgte am 1. Februar 1997. Am 4. Februar 1997 ging der Offene Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim als – nach eigenen Angaben – 50. Offener Kanal in Deutschland auf Sendung. Der erste Sendebeitrag trug den Titel „Die Haßlocher Streuobstwiesen“. Am 22. Februar 1997 besuchte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck den Sender.
Nach eigener Darstellung in regionalen Quellen wurde Karin Hurrle Anfang 1999 – nach erfolgreicher Aufbauarbeit – als erste Vorsitzende abgelöst; die Umstände werden in den Berichten kritisch dargestellt. Ihr Engagement für den Offenen Kanal setzte sich später fort: 2004 gründete sie den „Förderkreis Offener Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim“, über den gemeinsam mit Jugendlichen Projekte umgesetzt wurden – darunter die Benefizaktion „Corina braucht Hilfe“ zugunsten einer an Leukämie erkrankten Polizistin, bei der eine Spende von 3.000 Euro übergeben werden konnte.
Hans-Ulrich Ihlenfeld als Stellvertreter
Zu den Stellvertretern Karin Hurrles im Gründungsvorstand von 1994 gehörte Hans-Ulrich Ihlenfeld. Sein Engagement beim Offenen Kanal fällt damit in die Zeit vor seiner späteren kommunalpolitischen Laufbahn und dokumentiert seine frühe ehrenamtliche Verankerung im Haßlocher Vereinsleben.
Zur Person und zum weiteren Werdegang:
- Herkunft: Geboren am 11. Februar 1963 in Polch (Landkreis Mayen-Koblenz); seit 1964 in Haßloch aufgewachsen.
- Ausbildung: Abitur am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt; Studium der Rechtswissenschaft in Passau und Mannheim; verwaltungswissenschaftliches Aufbaustudium an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. Rechtsreferendariat am Oberlandesgericht Zweibrücken (1988–1991).
- Beruflicher Weg: Zunächst bis 1995 Rechtsanwalt in Landau; anschließend (1995–2004) im sächsischen Staatsdienst tätig, u.a. im Sächsischen Staatsministerium für Kultus in Dresden sowie im Regionalschulamt Bautzen. Mitglied der CDU seit 1984.
- Politische Ämter: 2003 zum Bürgermeister der Gemeinde Haßloch gewählt, Amtsantritt 2004; Wiederwahl 2012. Am 7. April 2013 in einer Stichwahl zum Landrat des Landkreises Bad Dürkheim gewählt (Amtsantritt 17. April 2013) und damit Nachfolger der verstorbenen Sabine Röhl. Bei der Direktwahl am 8. November 2020 mit 58,9 % im Amt bestätigt. Am 6. September 2024 zudem zum Vorsitzenden des Bezirkstags Pfalz gewählt.
Auch nach seiner OK-Zeit blieb die Verbindung zum Sender bestehen: Als amtierender Bürgermeister war Hans-Ulrich Ihlenfeld beispielsweise der erste Gast der im Dezember 2005 wiederaufgenommenen Sendung „Neues aus dem Rathaus“.
Die Entwicklung des Senders nach der Gründungsphase
Die wichtigsten Stationen der weiteren Vereinsgeschichte im Überblick:
| Jahr | Ereignis |
| 1996 | Mitgliederzahl auf 93 fast verdoppelt; Bezug der neuen Räume in der Leo-Loeb-Straße; Gesamtbaukosten rund 300.000 DM, technische Ausstattung im Wert von 250.000 DM durch die LPR. |
| 1997 | Offizielle Studioeröffnung (1. Februar) und Sendestart (4. Februar); 241 Beiträge an 64 Sendetagen, rund 150 Stunden Sendezeit. |
| 1998 | Gründung einer Jugend-Video-AG unter Leitung von Silvio Babe; erste Live-Übertragungen mit dem Kooperationspartner OK Neustadt. |
| 1999 | Neue Live-Sendungen „Haßloch meldet sich“ und „Rathaus-News“; Live-Sendung zu den Europa- und Kommunalwahlen. Anfang 1999 Ablösung Karin Hurrles als Vorsitzende. |
| 2000 | Live-Übertragung des Umzugs zur 1400-Jahr-Feier der Gemeinde Haßloch. |
| 2002 | Ulrich Herrmann übernimmt das Amt des 1. Vorsitzenden. |
| 2004 | 10-jähriges Jubiläum; Gründung des „Förderkreises Offener Kanal“ durch Karin Hurrle. |
| 2005 | Markus Merkler übernimmt die Leitung; Umstellung auf automatische Sendeabwicklung; Gründung der Jugendredaktion „Hasalaha“. |
| 2009 | Das OK-TV-Programm ist ab Juni auch über das Internet zu empfangen. |
| 2024 | 30-jähriges Vereinsjubiläum; der Sender ist heute Teil des OK Weinstraße (Studio Haßloch). |
Einordnung und Würdigung
Das Engagement Karin Hurrles fällt in die entscheidende Gründungs- und Aufbauphase des Haßlocher Bürgerfernsehens. In den rund viereinhalb Jahren ihres Vorsitzes (1994 bis Anfang 1999) entwickelte sich der Offene Kanal von einer Idee mit provisorischer Ausstattung zu einem regulär sendenden Bürgermedium mit eigener Sendezentrale, wachsender Mitgliederzahl und einer ausgeprägten Jugend- und Vereinsarbeit. Ihr besonderes Verdienst wird in den regionalen Quellen vor allem in der Nachwuchs- und Jugendförderung sowie in der Einbindung von Frauen und Vereinen gesehen.
Bemerkenswert ist die spätere Prominenz ihres damaligen Stellvertreters: Hans-Ulrich Ihlenfeld, im Gründungsvorstand von 1994 einer der Stellvertreter, wurde später Bürgermeister von Haßloch und schließlich Landrat des Landkreises Bad Dürkheim. Die Gründungsgeschichte des Offenen Kanals verbindet damit bürgerschaftliches Ehrenamt mit Persönlichkeiten, die die kommunalpolitische Landschaft der Region über Jahrzehnte mitprägen sollten.
Quellen
- OK Weinstraße – Chronik des Studios Haßloch (Trägerverein Offener Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim e.V.), ok-weinstrasse.de/studio-hassloch/verein-hbi/chronik-hassloch/
- OK Weinstraße – „25-jähriges Sendejubiläum Studio Haßloch“ (März 2022), ok-weinstrasse.de
- Nachrichten Regional – „Der Offene Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim feiert sein 25jähriges Sendejubiläum“ (17.03.2022)
- Nachrichten Regional – „Offener Kanal Haßloch-Böhl-Iggelheim: Bald ist es soweit … 30-jähriges Bestehen“ (19.09.2022)
- Wochenblatt-Reporter – Themenseite „Offener Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim“ (u.a. „BriMel trifft Markus Merkler“)
- Satzung des Offener Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim e.V. (gültig ab 27.06.2007), ok-weinstrasse.de
- Vereinsdatenbank „Wir tun was“ des Landes Rheinland-Pfalz – Eintrag Offener Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim e.V.
- Wikipedia / DeWiki – „Hans-Ulrich Ihlenfeld“
- Bezirksverband Pfalz – „Bezirkstagsvorsitzender Hans-Ulrich Ihlenfeld“, bv-pfalz.de
- RHEINPFALZ – „Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld feiert am Samstag 60. Geburtstag“ (2023)
- Speyer-Kurier / Pfalz-Express – Meldungen zu Karin Hurrle (Förderkreis, weitere Vereinsengagements)
Hinweis zur Quellenlage: Der Bericht stützt sich überwiegend auf regionale Medien, Vereins- und Behördenseiten. Einzelne Angaben (etwa Schreibweisen von Namen oder die Darstellung der Ablösung 1999) können quellenabhängig variieren und geben teils die Sicht der beteiligten Personen wieder.











