IT und weitere Technik teilweise irreparabel zerstört – Viele 100 Meter Akten und Teile des Gebäudes massiv beschädigt
Klassischer Weise führen die Antrittsbesuche eines neuen Justizministers ihn zunächst zu den Obergerichten und Generalstaatsanwaltschaften. Nun machte Minister Dr. Helmut Martin eine Ausnahme von dieser traditionellen Abfolge, um sich beim Amtsgericht Bad Neunahr-Ahrweiler bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den großartigen Einsatz während und nach der Flut zu bedanken. Zugleich ging es Minister Dr. Martin darum, sich vor Ort ein eigenes Bild von der Lage fünf Jahre nach der Flut zu machen. Mit der Direktorin des Amtsgerichts Dr. Susanne Dreyer-Mälzer und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Amtsgerichts tauschte er sich über die großen Belastungen aus, die seit der Flutkatastrophe im Juli 2021 zu meistern waren und dazu, inwieweit die Folgen der Flut beim heutigen Arbeitsalltag noch immer spürbar sind.
Gemeinsam mit dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Koblenz Thomas Henrichs, der Vizepräsidentin des Landgerichts Koblenz Dr. Andrea Mannweiler und dem Leiter der Zentralabteilung des Ministeriums, Ministerialdirigent Fabian Scherf wurden außerdem Themen wie die Personal- und Gebäudesituation des Amtsgerichts erörtert. Minister Dr. Martin: „Noch vor dem 5. Jahrestag der Flutkatastrophe hierherzukommen und das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler zu besuchen, war mir ein ganz besonderes Anliegen. Das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler war von der Flutkatastrophe besonders schwer getroffen. Durch den Wassereinbruch wurden die IT und weitere Technik teilweise irreparabel zerstört, viele 100 Meter Akten und Teile des Gebäudes massiv beschädigt“.

Das Gericht verfügte zeitweise über keinen funktionsfähigen Wasser- und Toilettenanschluss und war kaum telefonisch zu erreichen. Was die Gerichtsleitung und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtsgerichts geleistet haben, um allen Widrigkeiten zum Trotz für die Bürgerinnen und Bürger da zu sein, sei wirklich großartig. Mit Gummistiefeln und großem Engagement hätten alle, die das Gericht erreichen konnten, mit angepackt. Der Betrieb sei unter schwersten Bedingungen und teilweise mit nur sechs Personen vor Ort so gut es ging am Laufen gehalten worden, lobte Martin. Da sei mitunter auch Kreativität gefragt gewesen. So seien, um die wichtigen und dringenden Anhörungen in Betreuungsverfahren durchführen zu können, kurzer Hand Fahrräder besorgt worden. Mit Autos seien die Straßen schließlich nicht befahrbar gewesen. Zu den ohnehin erschwerten Arbeitsbedingungen sei hinzu gekommen, dass unmittelbar nach der Flut viele Nachlässe zu regeln und Grundbuchanträge zu bearbeiten gewesen seien. „Für ihren unermüdlichen Einsatz für „ihr“ Amtsgericht und für die Justiz möchte ich mich ganz herzlich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gerichts bedanken. Mein Dank an dieser Stelle gebührt auch allen anderen Helferinnen und Helfern, die bei den Wiederherstellungsarbeiten unterstützt haben“.
Im Anschluss an eine Personalversammlung, im Rahmen derer Minister Dr. Martin allen Mitarbeitenden des Gerichts seine besondere Wertschätzung übermitteln konnte, fand ein Rundgang durch das Gerichtsgebäude statt. Dabei konnte sich der Minister ein Bild machen von den glücklicherweise weitgehend abgeschlossenen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten und der neuen Rollregalanlage in einem der Archivräume. Das Sortieren der bereits gereinigten und wieder an das Gericht zurückgeführten Akten wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Weitere Akten befinden sich derzeit noch in einem Tiefkühllager und werden bei einer Spezialfirma nach und nach aufbereitet.
Information:
Das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler ist als Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit zuständig für erstinstanzliche Zivil-, Straf-, Familien- und Betreuungsverfahren, darüber hinaus für Grundbuch- und Insolvenzsachen. Es ist eines von insgesamt 15 Amtsgerichten im Bezirk des übergeordneten Landgerichts Koblenz. Am Gericht sind derzeit 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, darunter acht Richterinnen und Richter. Direktorin des Amtsgerichts ist Dr. Susanne Dreyer-Mälzer. Von der Flutkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 waren insbesondere das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler und auch die Amtsgerichte Sinzig, Prüm und Daun betroffen.
Quelle: Justizministerium Rheinland-Pfalz
Foto: von l.n.r.: Fabian Scherf, Staatsminister Dr. Helmut Martin, Dr. Susanne Dreyer-Mälzer, Thomas Henrichs, Dr. Andrea Mannweiler, Bernadette Katz und Petra Hürten













