17 | 10 | 2018

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Die AWO Pfalz organisierte für ihre Teams einen Fachtag für Achtsamkeit

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Achtsamkeit beginnt bereits in der Sprache

Neustadt. Jede Fachkraft im Bereich Pflege kennt das: Stress und körperliche Belastung können den Arbeitsalltag erschweren. Dann muss man besonders aufpassen, damit der Umgangston nicht rauer wird. Auch das Miteinander im Team kann darunter leiden. Welche Hilfen gibt es, um damit besser umzugehen? Zu diesem Thema veranstaltete die AWO Pfalz vergangene Woche einen Fachtag. Alle 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren eingeladen, an diesem Fachtag in Neustadt teilzunehmen. Es war ein normaler Arbeitstag, trotzdem schafften es über 400 Beschäftigte, am Vormittag oder Nachmittag dabei zu sein. Die AWO hatte extra zwei identische Halbtags-Veranstaltungen organisiert, um möglichst vielen das Kommen zu ermöglichen. Der Fachtag gehört als Baustein zum Projekt „Achtsamkeit in ambulanten und stationären Einrichtungen im Bereich Altenpflege“, das die AWO Pfalz schon seit rund zwei Jahren voranbringt, mit vielen Teilprojekten in den einzelnen Einrichtungen.  Ein weiterer Baustein: Die AWO Pfalz hat rund 40 Personen zu Achtsamkeitsexperten ausbilden lassen. Sie arbeiten in allen Einrichtungen und sensibilisieren dort ihre Kolleginnen und Kollegen. Für den Fachtag vergangene Woche hatten die Organisatoren vier verschiedene Workshops vorbereitet. Um diese zu leiten, hat die AWO mehrere Expertinnen der Karla Kämmer Unternehmensberatung gewonnen.

Wer den Achtsamkeitstag besuchte, konnte selbst aussuchen, welche Themen sie oder er vertiefen wollte. Klar war auch: Beim Achtsamkeitstag kann man offen sprechen. Mimik-Resonanz war das Thema eines Workshops. Dort erklärte Manuela Hansen, wie viel ein Gesicht über Gefühle verrät. Einen zweiten Workshop leitete Markus Broeckmann, Geschäftsführer der AWO Pfalz: Er hat mit Teilnehmern über die sanfte Rotation diskutiert – – eine Methode, mit der Pflegekräfte nach und nach Einblicke in andere Bereiche ihrer Einrichtung bekommen. In den Workshops von Karla Kämmer und Dagmar Nitsch-Musikant wurde verdeutlicht, dass sich Personen bereits durch vermeintliche Kleinigkeiten vernachlässigt fühlen können. Dies wurde in Rollenspielen erlebbar gemacht. 
 
Wo beginnt Vernachlässigung?
Beim Fachtag wurde immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, Tag für Tag sensibel und achtsam zu sein, so dass man auch jeder Art von Vernachlässigung oder Misshandlung vorbeugen kann. Den Teilnehmenden wurde dies mit Beispielen aus ihrem Pflege-Alltag nahe gebracht: Wenn sich die Pflegekraft mit dem Kollegen unterhält, ohne den zu Pflegenden mit einzubeziehen, kann sich die zu pflegende Person vernachlässigt fühlen: Denn in dieser Konstellation steht nicht mehr der Mensch, sondern die die Pflegesituation im Mittelpunkt des Geschehens. Ein anderes Beispiel: Wird einem Senior püriertes Essen gereicht, obwohl er noch in der Lage wäre, das Besteck zu benutzen, setzt das die Würde des Menschen herab.

Was Mimik und Sprache bewirken
Die Mimik eines Menschen kann darüber Auskunft geben, wie derjenige sich fühlt – auch wenn er es selbst nicht sagen will oder nicht mehr sagen kann. Manuela Hansen ist Expertin auf dem Gebiet der Mimik-Resonanz und hat die Mitarbeiter am Fachtag darin geschult, die in der Mimik gezeigten Gefühle besser zu erkennen. Wie mit einer pflegebedürftigen Person gesprochen wird, ist ebenfalls ein Spiegel der Achtsamkeit. Ein respektvoller und höflicher Umgang zeigt sich beispielsweise darin, vor der Pflege kurz zu erklären, was den Menschen nun erwartet. Dabei hilft es auch, aktiv darum zu bitten, dass der Pflegebedürftige selbst diese Arbeit unterstützt – allerdings sollte man dabei nichts sagen, das wie ein Befehl klingt. Ein weiterer Mosaikstein: Pflegekräfte sollten die ihnen Anvertrauten nicht ohne Einverständnis duzen.

Experten für Achtsamkeit ausgebildet
Schon seit mehr als zwei Jahren arbeitet die AWO Pfalz auf vielen verschiedenen Ebenen am Thema Achtsamkeit. Zu den ersten Projekten gehörten die Achtsamkeitsexperten: Rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden dafür gewonnen, sich zu solchen Experten ausbilden zu lassen. Viele von ihnen arbeiten in Schlüsselpositionen wie der Qualitätssicherung oder als Wohnbereichsleitung. In Schulungen mit einem Umfang von insgesamt 12 Tagen hat man sie zu Experten ausgebildet – damit sie im nächsten Schritt ihrerseits das Wissen an ihre Kollegen weitergeben und beratend tätig sein können. 
 
Mit diesen Schulungen wurden viele nützliche, praxisnahe Inhalte vermittelt: woran man mögliche Gewalttäter oder typische TäterPersönlichkeiten erkennen kann, beispielsweise. Denn es gibt Merkmale und Konstellationen, die als Warnhinweis verstanden werden sollten. Mit diesem Wissen kann man alltägliche Details anders lesen und aufdeckend handeln. 
 
In der Schulung erleben die Teilnehmenden einen Perspektivwechsel: Sie werden selbst zu Gepflegten, dieses Erlebnis vertieft die Empathie. Außerdem ging es darum, wie sich die Gruppendynamik eines Teams entwickeln kann: Bei kleinen Details werden Auskühlung und Verrohung spürbar, man merkt das beispielsweise an Respektlosigkeit oder bestimmten Scherzen. Die Experten lernten, wie man einer solchen Entwicklung gegensteuert und dass Sprache hier eine wichtige Rolle spielt. Es gab auch Übungen dazu, wie man im Team intensiver und professioneller kommunizieren kann. Die Unternehmensberaterin Karla Kämmer berät und begleitet die AWO Pfalz schon seit Jahren. Den Zuhörerinnen und Zuhörern des Fachtags verdeutlichte sie, dass theoretisch in jedem Menschen mögliches Aggressionspotenzial vorhanden ist. Für umso wichtiger hält sie es, sich selbst und eigene Handlungen immer wieder zu reflektieren und zu hinterfragen. „Vernachlässigung kann sich nur dort einen Weg bahnen, wo dies zugelassen wird“, sagte sie. Sobald ein Kollege einen anderen auf sein Fehlverhalten aufmerksam mache und dieses nicht toleriere, könne man wirksam vorbeugen. 

Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Pfalz e. V.
Der AWO-Bezirksverband Pfalz mit Sitz in Neustadt an der Weinstraße ist unabhängig, demokratisch verfasst, überkonfessionell und überparteilich. Er hat rund 3.500 Mitglieder in 5 Kreisverbänden, 5 Stadtkreisverbänden und über 50 Ortsvereinen. Rund 1000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und aktuell 95 Auszubildende sind in 14 Einrichtungen der Seniorenhilfe und -pflege beschäftigt. Unter dem Dach des Bezirksverbands gibt es 16 Betreuungsvereine, deren ehrenamtliche Mitglieder bedürftige Personen in rechtlichen und anderen Angelegenheiten unterstützen. Die AWO bietet zudem Selbsthilfegruppen, Schuldnerberatungsstellen, Migrationsberatungsstellen, Hilfe für arbeitslose Jugendliche und ein Jugendwerk. (red.)

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