Weltweite wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie bis in den Landkreis Bad Dürkheim

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Kategorie: HASSLOCH
Veröffentlicht am Samstag, 25. April 2020 00:12
SPD-Landratskandidat Timo Jordan im Gespräch mit NACHRICHTEN REGIONAL
 
von Karin Hurrle
 
Die Corona-Pandemie stellt derzeit die Politik, Kommunen, Vereine und die Unternehmen vor große Herausforderungen. Man könnte sogar behaupten, die gesamte Welt hält derzeit den Atem an.  Kleinunternehmen stehen vor dem Kollaps, Großunternehmen wissen nicht, wie sie ihr Personal bezahlen sollen, Umsätze gehen verloren, die nicht mehr einzubringen sind. Insbesondere die Gastronomie und der Tourismus sind davon betroffen. Heim-Office, anstatt seine Arbeit am Arbeitsplatz zu verrichten, ist keine Seltenheit. Kein Treffen derzeit mit Freunden, kein Spielen für Kinder auf Spielplätzen. So wird das gesellschaftliche Leben lahm gelegt. Indirekt wird mit den derzeitigen Verordnungen die Bevölkerung entmündigt. Wie lange soll unsere Gesellschaft diesen Stillstand noch aushalten, fragen sich mittlerweile Viele, die in dieser Krise auch das Ansteigen von häuslicher Gewalt vermuten.  Wie Bund, Rheinland-Pfalz und der Landkreis Bad Dürkheim diese Krise überwinden und dem entgegenwirken kann, darüber hat unsere Redaktion mit dem SPD-Landratskandidaten Timo Jordan gesprochen und ihm einige Fragen gestellt. NR hatte den SPD-Kandidaten bereits am 08. April 2020 vorgestellt. 
 
NR: 
Wie sehen Sie das derzeitige Krisen-Management im Landkreis Bad Dürkheim?
 
Timo Jordan:
Es ist immer schwierig unterschiedliche Krisenmanagemente miteinader zu vergleichen. Ausdrücklich möchte ich aber an dieser Stelle das Krisenmanagement von Oberbürgermeister Marc Weigel in Neustadt an der Weinstraße herausheben, welches ich persönlich als vorbildlich bezeichne. Transparent, informativ und vor allem schnell in Entscheidung und Kommunikation. Hier hätte ich mir mehr von der Kreisverwaltung und auch vom Landrat erwartet. Grundsätzlich jedoch gibt es aber in dieser Situation, die in dieser Ausprägung schlichtweg noch nicht da wa, kein Richtig oder Falsch. Aus meiner früheren Erfahrung im Katastrophenschutz und auch jüngst als mitverantwortliche Person im Krisenstab der Stadt Lampertheim lege ich besonders Wert auf eine Aufarbeitung nach der Krise und eine Bewertung, was gut funktioniert hat bzw. was man hätte besser machen können. Wichtig ist, dass man eine saubere Dokumantation hat, die die Aufarbeitung leichter ermöglicht und als Grundlage für eventuell folgende Krisen dient. Während der Krise hat man zu funktionieren und muss seine ganze Energie auf die vielfältigen Umwelteinflüsse konzentrieren, um abzuwägen und kluge Entscheidungen treffen zu können. Es gebietet demnach die Fairness, auch in Wahlkampfzeiten, dass man hier nicht in den Angriffsmodus schaltet, sondern die Personen, die Verantwortung übernehmen mit allen Kräften unterstützt und keine weiteren Störfeuer sendet.        
 
NR:
Warum hat der Landkreis Bad Dürkheim die meisten Corona-Fälle der Pfalz?
 
Timo Jordan:
Diese Frage kann wohl keiner seriös beantworten. Es gab keine großen Veranstaltungen wie beispielsweise die Fastnachtveranstaltung in Heinsberg. Ein erster bestätigter Corona-Fall war sehr früh im Landkreis Bad Dürkheim aufgetreten,weshalb hier zuerst Maßnahmen getroffen und frühzeitig getestet wurde. Und klar ist auch, dass es in den seltensten Fällen bei einer Infektion bleibt, insbesondere wenn man intensiv testet, was ausdrücklich der richtige Weg war. Einzelheiten sind natürlich als Außenstehender sehr schwer zu beurteilen, zumal keine Aussagen getroffen wurden, wie sich die Zahl der Infektionen auf den Kreis verteilt. Die Stadt Lampertheim, in der ich als Leiter der inneren Verwaltung tätig bin, weiß tagesaktuell, wieviele Fälle wir in unserer Stadt haben, ob es entsprechende "Hotspots" gibt. Dies wird auch offensiv vom Kreis Bergstraße und den jeweiligen Kommunen kommuniziert. Diese Transparenz hatten wir von Beginn an nicht im Kreis Bad Dürkheim, was ich mir persönlich gewünscht hätte. Durch diese Art der Bürgerinformation werden viele Gerüchte und Verschwörungstheorien im Keim erstickt.  
 
NR:
Finden Sie es richtig, dass die Spielplätze und die Kindertagesstätten immer noch  geschlossen sind?
 
Timo Jordan:
Auch wenn mir diese Antwort als Familienvater einer vierjährigen Tochter nicht leichtfällt, sind diese Maßnahmen absolut folgerichtig. Die aktuelle Pandemielage stellt nach wie vor eine Gefahr für Gesundheit jedes Einzelnen dar. Es bestehen fortwährend erhebliche Auswirkungen für die individuelle Lebensgestaltung im beruflichen und privaten Umfeld. Wir wünschen uns alle schnellstmöglich eine Rückkehr zur "neuen" Normalität. Aber eine Öffnung der Kitas und das Spielen auf Spielplätzen gerade unserer Kleinsten untereinander wäre sicher Stand heute noch verfrüht. Es bereitet keinem Freude, solche massiven Einschränkungen zu verhängen. Die SPD-geführte Landesregierung macht hier einen sehr guten und umsichtigen Job und versucht die sogenannten "Stop-and-Go-Effekte" mit aller Macht zu vermeiden. Die Ausweitung der Notbetreuung in Kindertagesstätten war jedoch ein richtiges Signal, gleichwohl die Einschränkungen für viele noch absolut spürbar sind und Familien vor tägliche Herausforderungen stellen, gerade wenn mehr und mehr Geschäfte öffnen und dem Beruf nachgegangen werden muss. Ich wünsche mir, dass weitere Lockerungen folgen, da ich es ja persönlich mitbekomme, wie zum Beispiel meine Tochter darunter leidet, nicht mit ihren Freundinnen im Kindergarten zu spielen. Das macht einen Vater schon sehr traurig, gleichwohl wir natürlich auch unsere Familienzeit intensiver nutzen und anders gestalten. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt mit Wasserfarben gemalt und stundenlang gepuzzelt habe. Wir machen das Beste aus der Situation.  
   
NR:
Die Wirtschaft, insbesondere die Gastronomie und der Tourismus ist beinahe fast zum Erliegen gekommen . Obwohl vom Bundesverband eine Senkung der Umsatzsteuer von 19 auf 7 Prozent gefordert wird, wird dies die Verluste der vergangenen Monate nicht auffangen können. Haben Sie eine Idee, wie man diesen Unternehmen helfen oder die Situation verbessern könnte?
 
Timo Jordan:
Diese Branche ist natürlich sehr stark im Landkreis Bad Dürkheim vertreten und wurde auf brutale Art und Weise von der Krise getroffen. Gerade als das Wetter besser wurde und viele Menschen sich unternehmungslustig zeigten, kam der "Lockdown". Ein Unternehmen von jetzt auf eben von 100 auf 0 herunterzufahren, versetzt jeden Betroffenen erstmal in Schockstarre. Ich habe gerade in der letzten Zeit mit vielen Gastronomen in der Region gesprochen. Viele haben aus dem Nichts heraus neue Angebote aus dem Boden gestampft, beispielsweise über Nacht Abholservices eingerichtet oder sehr kreative Lösungen gefunden. Für die vielen Hotel- und allgemeingesprochen Übernachtungsbetriebe im Kreis waren solche "Alternativangebote" leider nicht möglich. Da der Landkreis Bad Dürkheim und insbesondere die Weinstraße absolute Tourismusmagnete sind, haben viele mutige Unternehmer in den letzten Jahren Unsummen in die Attraktivierung ihrer Betriebe investiert und haben nun schlichtweg Existenzängste. Da ist die steuerliche Entlastung durch die Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19% auf 7% sicher ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch nicht mehr als der bekannte Tropfen auf dem heißen Stein. Zumal diese Reduzierung lediglich für ein Jahr gilt und nur auf Speisen. Hier hätte ich mir zumindest auch die Reduzierung auf Getränke gewünscht, um eine weitere spürbare Entlastung zu schaffen. Der Branchenverband DEHOGA hat darüber hinaus sehr kluge und notwendige Unterstützungsbedarfe geäußert, die bewertet und zumindest teilweise umgesetzt werden müssen. Es bleibt vor allem den vielen Familienbetrieben zu wünschen, dass es schnell zu Lockerungen und zur Wiederöffnung der Betriebe kommt und dass dann vielleicht auch Reglementierungen bei Öffnungszeiten etc. angepasst werden, so dass die Betriebe flexibel reagieren können und einen Teil der entgangenen Einnahmen aufholen können. Gerade diese Betriebe können mit den strengen Hygienevorschriften umgehen. Diese Betriebe gehören zum Erscheinungsbild unserer Region. Jeder, der unsere Region liebt und gerne an diesem Fleckchen Erde wohnt, ist aufgefordert, seinen Beitrag im Rahmen seiner Möglichkeit zu leisten. Deshalb der Appell: Kauft regional, unterstützt die Gastronomie in dieser schweren Zeit und werbt auch zum Beispiel über soziale Netzwerke für unsere Gastgeber vor Ort, denn auch der Tages-, Wochenend- oder Urlaubstourismus muss wieder hochgefahren werden. Jetzt steht ganz klar das "WIR" im Vordergrund.   
 
NACHRICHTEN REGIONAL bedankt sich recht herzlich für das geführte Interview und wünscht dem SPD-Kandidaten viel Erfolg bei seinem Wahlkampf um das Landratsamt von Bad Dürkheim.
 
 
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