15 | 10 | 2019
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„Sea-Watch 3“: Haftbefehl wirft Migranten Kidnapping und Folter vor

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Zeugen schildern weitere Gräueltaten - Staatsanwaltschaft in Agrigent wollte sich zu Ermittlungen nicht äußern
 
Die italienischen Behörden erheben in einem Haftbefehl schwere Vorwürfe gegen drei Migranten, die mit dem deutschen Seenotrettungsschiff „Sea-Watch 3“ auf die italienische Insel Lampedusa gekommen sind.  Laut dem Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Agrigent, der dem NDR vorliegt, wird den drei Männern vorgeworfen, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung zu sein. In der libyschen Stadt Zawyia seien sie an Kidnapping, Folter und Misshandlungen anderer Migranten beteiligt gewesen. Ziel sei es gewesen, von deren Verwandten Lösegeld zu erpressen. 
 
Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, in der kriminellen Vereinigung für bestimmte Handlungen verantwortlich gewesen zu sein. Einer der Männer soll veranlasst haben, Migranten zu kidnappen, sie zu foltern und den Kontakt zu Angehörigen aufzunehmen. Ein Zweiter soll gefoltert haben, der Dritte die Folter unterstützt und die Gekidnappten bewacht haben.
 
Die drei Beschuldigten sind nach Recherchen von „Panorama“ mit der „Sea-Watch 3“ nach Lampedusa gelangt. Später wurden sie in ein Aufnahmelager auf Sizilien gebracht. Dort trafen sie auf Geflüchtete, die offenbar früher zu ihren Opfern gehörten und sie identifizierten. 
 
Reporter von „Panorama“ waren während der Fahrt der „Sea-Watch 3“ für eine Reportage mit an Bord. Migranten, die aus dem Mittelmeer gerettet wurden, informierten die Reporter nun, dass die Verhafteten ebenfalls unter den Flüchtlingen waren. Die Namen decken sich mit den Namen im Haftbefehl. Die „Panorama“-Reporter waren mit den Beschuldigten an Bord in Kontakt, konnten aber keine Auffälligkeiten feststellen.
 
Zeugenaussagen schildern weitere Gräueltaten. Die kriminelle Vereinigung habe eine Art Gefangenenlager in Zawyia geführt. Dort sei es auch zu Vergewaltigungen gekommen. Freigelassen wurden die Opfer offenbar erst, wenn Geld von Angehörigen floss. 
 
Der Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Watch e.V. in Deutschland, Ruben Neugebauer, sagte gegenüber „Panorama“, ihre Aufgabe sei die Seenotrettung. „Wir können nicht kontrollieren, wen wir an Bord nehmen. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung.“ Er sagte weiter, dass Sea-Watch keine Kenntnis davon hatte, dass mutmaßliche Folterer an Bord ihres Schiffes waren.
 
Die Staatsanwaltschaft in Agrigent wollte sich auf Nachfrage von „Panorama“ nicht zu den Ermittlungen äußern. (red.)
 

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