22 | 10 | 2019
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SWR Recherche: Datenhändler missbrauchen die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit

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SWR-Reporter kaufen Bewerberdaten - Datenschutzbeauftragter Baden-Württemberg: "Reden nicht mehr nur von Bußgeldern sondern Straftaten" - Auch Rheinland-Pfalz soll davon betroffen sein!!

Nach Recherchen des SWR Magazins „Zur Sache Baden-Württemberg“ verbergen sich hinter tausenden angeblichen Stellenangeboten bei der Bundesagentur für Arbeit in Wirklichkeit große Datensammler. Das hatte der SWR in einer Pressemeldung am 02.05.2019 mitgeteilt und auf die Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" am 02. Mai, 20.15 Uhr verwiesen. Seitdem hat man von den Vorfällen nichts mehr gehört. Laut Pressemeldung des SWR ziele deren Geschäftsmodell darauf ab, mit Bewerberdaten im großen Stil zu handeln. Kunden seien unter anderem Zeitarbeitsfirmen, die auf diesem Weg an Daten von Bewerbern kommen. Dem Rechercheteam des SWR sei es gelungen, mehrere Firmen ausfindig zu machen, die jeden Tag bis zu 3000 neue „Stellenangebote“ in die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit stellen. Die vermeintlichen Jobangebote gibt es für alle Bundesländer und für ganz unterschiedliche Berufe, wie Mechatroniker, IT-Spezialisten oder Bürokaufleute.  Bewerber werden in den Annoncen stets aufgefordert, ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf und Zeugnisse) per E-Mail an eine Berliner Firma zu schicken. Das war Stand vom Mai diesen Jahres. Neues hat NACHRICHTEN REGIONAL seither nicht mehr erfahren.
 
Bewerberdaten werden gehandelt
 
Die SWR-Reporter haben im Rahmen der Recherche mehrere Test-Bewerbungen an die verdächtigen Unternehmen verschickt. Wenige Tage später hätte sich eine Zeitarbeitsfirma aus Stuttgart gemeldet, heißt es in der Pressemeldung. Bei dieser hätten sich die SWR-Reporter nie auf eine Stelle beworben. Die Zeitarbeitsfirma hatte die Bewerberdaten offenbar von den Datenhändlern gekauft. 
 
„Bewerber-Flatrate“ für tausende Datensätze
 
Für ihre Recherchen haben die SWR-Reporter eine Scheinfirma gegründet und den Datenhändler kontaktiert. Die zentrale Figur hinter mehreren Datenhandel-Firmen ist der Berliner Unternehmer Johann S., auf den mindestens fünf verschiedene Firmen registriert sind. S. bot den verdeckten Reportern vollständige Bewerbungsmappen zum Kauf an – für rund 3 Euro pro Datensatz. Im Verkaufs-Gespräch wirbt er sogar mit einer „Bewerber-Flatrate“. „Wir generieren jeden Monat zwischen 3000 und 5000 Datensätze von Bewerbern, auf die Sie dann zugreifen können“, so S. in einem Verkaufsgespräch mit den verdeckten SWR-Reportern. Schon wenige Tage danach erhielten die Journalisten die vollständigen Bewerbungsunterlagen von zahlreichen Jobsuchenden aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Darin enthalten waren sowohl Schul- und Arbeitszeugnisse als auch Lebensläufe samt allen persönlichen Daten der Jobsuchenden.
 
Verbotener Datenhandel
 
Der Landesdatenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Stefan Brink, bewertet den Fall als gravierenden Verstoß gegen Datenschutzgesetze. Die Weitergabe und der Verkauf von Bewerbungsunterlagen seien streng verboten. Vor einer Weitergabe der Daten müssten die Bewerber genau informiert werden und in jedem Einzelfall ihre Zustimmung erteilen. Das sei hier nicht der Fall und daher handle es sich um einen klaren Gesetzesverstoß. „Hier reden wir nicht mehr nur von Bußgeldern, die in so einem Fall bis zu 20 Mio. Euro betragen können, sondern von Straftaten“, so Stefan Brink. Die Datenhändler verstoßen zudem gegen die Richtlinien der Bundesagentur für Arbeit. Denn darin wird ausdrücklich verboten, Stellenangebote zum Zweck des Datensammelns zu veröffentlichen. „Bewerberdaten sind sehr sensible Daten, die gesetzlich besonders geschützt sind, und das zu verletzen muss sehr massive Sanktionen nach sich ziehen“, so Stefan Brink. 
 
Datenhändler bestreitet Vorwürfe
 
Gegenüber dem SWR bestritt der Datenhändler alle Vorwürfe. Für ein Interview sei er aber nicht bereit, da er gerade in Griechenland Urlaub mache, so Johann S.. Dem SWR verbot er zudem, aus seiner schriftlichen Stellungnahme zu zitieren.  
Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit teilte auf Anfrage des SWR mit, dass ihr „keine Erkenntnisse“ zu einem Datenhandel über ihre Jobbörse vorliegen würden. „Bei der Vielzahl an Stellenangeboten könne jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass einzelne Stellenangebote gefälscht oder fingiert sind. In diesem Fall sind Hinweise von Arbeitsuchenden und Arbeitgebern sehr wichtig für die Bundesagentur.“     
 
Experten sind schockiert
 
Der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg sieht auch bei der Bundesagentur für Arbeit eine Mitschuld. „Das muss ganz klar abgestellt werden. Da hat die Bundesagentur eine ganz klare Fürsorgeverpflichtung, der sie nachkommen muss".
Der renommierte Arbeitsmarktexperte Prof. Stefan Sell von der Hochschule Koblenz spricht von einem Daten-Skandal in einer Größenordnung, „die wir uns bisher nicht vorstellen konnten“.
 
Die Arbeitsmarktexpertin der LINKEN, Jessica Tatti, zeigte sich „fassungslos und stinksauer“. „Die Bundesagentur darf sich nicht weiter vor der Verantwortung drücken, was sich auf ihrer Jobbörse abspielt. Sie muss Arbeitsuchende endlich vor betrügerischem Datendiebstahl schützen und dafür Sorge tragen, dass Datenhehler zur Rechenschaft gezogen werden“, so die Bundestagsabgeordnete gegenüber dem SWR.
 
Über diesen Datenskandal hatte das SWR-Fersehen „Zur Sache Baden-Württemberg“ im SWR-Fernsehen in seiner Sendung vom 02. Mai 2019 berichtet. (red.)
 

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