22 | 08 | 2019
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Plagiat: Hamburgs Ex-Innensenator Neumann verliert Doktortitel

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Die Hochschule will dazu keine Stellungnahme abgeben
 
Der ehemalige Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) hat seinen Doktortitel verloren. Die Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw), an der Neumann 2017 zum Doktor der Politikwissenschaften promoviert worden war, hat ihm den Titel aberkannt. Das hat das NDR Politikmagazin „Panorama 3“ aus internen Kreisen erfahren. Eine offizielle Bestätigung für die Aberkennung war von der HSU/UniBw nicht zu erhalten. Die Hochschule bleibe bei ihrer Position, „keine Stellungnahme abzugeben“, teilte ein Sprecher auf Anfrage des NDR mit.  Im Juli 2018 hatte „Panorama 3“ enthüllt, dass der SPD-Politiker seine Doktorarbeit in Teilen abgeschrieben und Quellen seines Textes falsch angegeben haben könnte. In dem öffentlich zugänglichen PDF-Dokument der Promotionsarbeit lässt sich etwa nachvollziehen, dass Neumann einige Passagen aus dem Internet, etwa dem Online-Lexikon „Wikipedia“, kopiert hat, ohne die Quellen zu kennzeichnen. 
 
Der Jurist Prof. Gerhard Dannemann von der Berliner Humboldt-Universität, Mitgründer der Plattform „VroniPlag“, hatte damals auf Anfrage von „Panorama 3“ die Arbeit geprüft und Dutzende Plagiate festgestellt. „VroniPlag“ ist auf das Aufspüren von Plagiaten in angeblich wissenschaftlichen Arbeiten spezialisiert. Bei dem Verfasser scheine es sich um jemanden zu handeln, „der sich gern bei fremden Texten bedient“, sagte Dannemann. 
 
Ähnliche Erkenntnisse hat nun offenbar ein Prüfungsausschuss der Bundeswehr-Universität gewonnen. Wie der NDR erfuhr, gehen die Befunde der hauseigenen Prüfer sogar deutlich über die ursprünglichen Verdachtsmomente hinaus. Demnach soll Neumann umfänglich aus zwei anderen Doktorarbeiten abgeschrieben haben, ohne seine Quellen anzugeben. 
 
Nach den NDR Recherchen hatte der damalige Präsident der HSU/UniBw nach Aufkommen der ersten Verdachtsmomente der eigentlich zuständigen sozialwissenschaftlichen Fakultät den Fall entzogen und das Gremium zur Überprüfung wissenschaftlichen Fehlverhaltens unter der Leitung der Juraprofessorin Margarete Schuler-Harms mit der Prüfung betraut. Dieses Gremium kam auch nach Monaten zu keiner Entscheidung. Schließlich scheint sich dann doch wieder die zuständige Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit Neumanns Arbeit befasst zu haben. Und dort kam man offenbar zu dem Ergebnis, dass der Doktortitel abzuerkennen ist. 
 
Michael Neumann, Jahrgang 1970, amtierte von 2011 bis 2016 als Hamburger Senator für Inneres und Sport. Damit war er unter anderem oberster Dienstherr von Polizei und Verfassungsschutz. Nach seinem überraschenden Rücktritt strebte Neumann, der auch den militärischen Rang eines Oberstleutnants bekleidet, eine Karriere an der HSU/UniBw an. Er legte eine 274-seitige Doktorarbeit mit dem Titel „Länderneugliederung im deutschen Föderalismus am Beispiel des Nordstaates“ vor. Darin wägt er das Für und Wider einer Zusammenlegung der norddeutschen Bundesländer ab.
 
Obwohl Neumann als Plagiator aufgeflogen ist, beschäftigt ihn die Bundeswehr-Universität weiterhin als wissenschaftlichen Mitarbeiter im Range eines Bundesbeamten. Wie aus der Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz (Die Linke) hervorgeht, wurde er im Januar 2019 - noch während seine Doktorarbeit geprüft wurde - mit der Bearbeitung eines Forschungsprojektes beauftragt. Nach „Panorama 3“-Informationen hält er sich deshalb mittlerweile im Auftrag der Bundeswehr-Uni in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Zur Erledigung dieses Projekts sei ein Doktortitel nicht zwingend erforderlich, teilte das Ministerium mit. Ein Diplom in Politikwissenschaft reiche dafür aus. Michael Neumann reagierte auf Anfragen nicht. (red.)
 
„Panorama 3“: immer dienstags um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen
 
 
 

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