Hassloch: Ist ein Engagement für Kolokani (Mali) und für Afrika noch sinnvoll? – Vor Einsreise in dieses Kriegsgebiet wird schon lange gewarnt

NACHRICHTEN REGIONAL hat bei Landrat Ihlenfeld nachgefragt – Doch bisher keine Antwort erhalten

NR hat eine Umfrage in der Bevölkerung durchgeführt, ob das Engagement für Kolokani (Mali) und andere afrikanische Vereine in Haßloch noch sinnvoll erscheint. Auch Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld erhielt eine diesbezügliche Presseanfrage, die bisher unbeantwortet blieb. Immerhin ist Mali seit Jahren Kriegsgebiet. Und der Haßlocher Förderverein Kolokani e.V., der sich dort schon jahrelang in den Bereichen Bildung und Gesundheit engagiert, hat aufgrund der Umstände und der dortigen Kriegswirren vorerst beschlossen, keine weiteren neuen Projekte in Mali zu beginnen. Die politische Situation in diesem Lande hat sich auch nicht geändert, vielmehr verschärft. Durch den kürzlichen Tod des Schatzmeisters des Kolokani-Vereins, Hans Reimer, wird von Insidern vermutet, dass der Förderverein demnächst aufgelöst wird. Zumindest wurde unserer Redaktion berichtet, dass wegen des Militär-Putschs in Mali keine ehrenamtliche Arbeit dort mehr möglich ist.

Bereits im Jahre 2019 hat der Haßlocher Gemeinderat die hohen Flugkosten nach Mali kritisiert, der Förderverein wird durch die Gemeinde Haßloch bezuschusst. Die Kritik an den Flugkosten des Fördervereins Kolokani entstammt im Wesentlichen einer intensiven Debatte im Haßlocher Gemeinderat. Anlass war ein Antrag des Vereins auf Reisekostenzuschüsse, um die eigenen Hilfsprojekte in der Region Kolokani (Mali) regelmäßig begutachten und planen zu können. Im Jahre 2023 kommt es zum Vertrauensbruch zwischen dem Förderverein Kolokani und dem afrikanischen Deutschlehrer in Mali. Das berichteten der Vorsitzende Gerold Mehrmann und sein Stellvertreter, Landrat Ihlenfeld, der örtlichen RHEINPFALZ, die am 22. Dezember 2023 ausführlich über den Sachverhalt berichtete.

Auch der Haßlocher Förderverein „Ruanda, Land der tausend Hügel e.V.“ ist mit Schwester Anastasie Murekeyisoni nicht mehr aktiv. Der Verein, der viele Jahre lang Aids-Waisenkinder und Hilfszentren in Ruanda unterstützte, hat die Zusammenarbeit mit ihr beendet. Schwester Anastasie vom Orden Soeurs de Sainte Marie de Namur war die langjährige und direkte Projektpartnerin des Vereins vor Ort. Die Kooperation wurde eingestellt, weshalb auch die Spendensammlung für ihre spezifischen Projekte (wie zuletzt das „Haus der Barmherzigkeit“) endete. Die Hilfs- und Projektarbeit vor Ort wird vom Verein mittlerweile in anderen Konstellationen weitergeführt, während Schwester Anastasie durch ihren Orden mittlerweile neuen Aufgaben zugewiesen wurde.

Vertrauensbruch: Malischer Deutschlehrer Boniface Traoré missbraucht Gastfreundschaft des Fördervereins Kolokani?

Der Förderverein Kolokani hat also nicht nur wegen eines „Vertrauensbruchs“ sein Engagement eingestellt, sondern auch wegen „gewaltigen politischen und sicherheitstechnischen Problemen“ aufgegeben. Durch dschihadistische und fundamentalistische Gruppen ist das Land stark destabilisiert, was auch für Helfer vor Ort mit großen Risiken verbunden ist. NACHRICHTEN REGIONAL hat sich im Großdorf Haßloch umgehört und nachgefragt, „Gibt es noch Zukunftsperspektiven für die Mission in Mali? “NEIN“, haben wir von vielen Haßlocher Bürgerinnen und Bürgern erfahren. „Durch die Kriegsereignisse auf der ganzen Welt und insbesondere durch den UKRAINE-Krieg, wo Deutschland direkt betroffen ist, sollte sich auch Haßloch mit ihren Aktivitäten in Afrika zurückziehen“, war von der Haßlocher Bevölkerung zu hören.

Nach Unzufriedenheit und politischen Krisen in Mali putschte sich das Militär im Jahre 2020 an die Macht. Die Militärregierung unter Junta-Chef Assimi Goïta beendete 2023 die Zusammenarbeit mit den internationalen Partnern. Frankreich und die Vereinten Nationen zogen ihre Truppen ab. Seitdem arbeitet die Regierung militärisch mit Russland und der Wagner-Gruppe zusammen. Grund genug, dass der Förderverein Kolokani ebenfalls sein Engagement in Kolokani einstellt und den Förderverein auflöst? Die Geschichte über MALI ist auch auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung nachzulesen https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/175842/mali/. General Assimi Goita kam nach einem Militätputsch an die Macht, hat im Mai 2021 als Übergangspräsident im Mai 2021 das Land übernommen und wurde im Jahr 2025 durch ein neues Gesetz ermächtigt, das Land mindestens bis im Jahr 2030 weiter zu regieren.

Berichtet wird wie folgt: „Die nördlichen Regionen Malis sind seit der Unabhängigkeit (1960) nie vollständig vom Staat kontrolliert worden. Außerhalb der Hauptstadt und in den Provinzhauptstädten ist der Staat nur bedingt präsent. Die staatlichen Institutionen können bis heute in vielen Landesteilen nicht die Grundversorgung in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wasser und Strom gewährleisten. Die verbreitete Frustration angesichts des Versagens des Staates auf allen Ebenen begünstigte die Ausbreitung bewaffneter Gruppen, die u.a. mit Schmuggel sowie Drogen- und Waffenhandel Einkommen generieren.

Mali kündigte zudem im Januar 2024 das 2015 das „Friedensabkommen von Algier“ zwischen Rebellengruppen der Bewegungen Azawad und dem malischen Staat auf. Nach dem Abzug von MINUSMA waren die Kämpfe zwischen den Vertragsparteien wieder aufgeflammt, weshalb die Regierung das Abkommen als faktisch gescheitert bezeichnete. Schließlich kündigte sie fast zeitgleich mit den Nachbarstaaten Burkina Faso und Niger den Austritt aus der regionalen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS an. Dies könnte sowohl Auswirkungen auf die Visafreiheit in der Region als auch auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu den ECOWAS-Staaten haben. Die drei Sahel-Staaten hatten bereits im September 2023 und zuletzt auf ihrem ersten Gipfeltreffen im Juli 2024 im Rahmen der neugegründeten „Allianz der Sahelstaaten“ eine stärkere Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Terrorismusbekämpfung sowie Wirtschaft und Kultur beschlossen. Haßloch kann und wird auch keine weiteren Projekte mehr in Mali durchführen und unterstützen können, darüber hat auch die RHEINPFLALZ am 22. Dezember 2023 berichtet:

Das Engagement für MALI in der Partnerschaftsstadt Viroflay – Die katholische Pfarrei von Viroflay – Und wie alles begann!

Die katholische Pfarrei von Viroflay hat mit der Kirche in Kolokani (Mali) eine Partnerschaft. Die dortige Kirchengemeinde, zu der das Kirchengebäude Notre-Dame du Chêne gehört, unterstützte über die Initiative Groupe Mali verschiedene Hilfsprojekte. Dazu gehörten u.a. auch Spendenaktionen und Quests, beispielsweise für den Wiederaufbau der Küsterwohnung in Kolokani nach Unwettern.

Im März 2009 wurde ein Kooperationsabkommen zwischen dem Kolokani-Kreis und den Gemeinden Viroflay und Haßloch unterzeichnet. Dieses Abkommen stellt keinen neuen Partnerschaftsvertrag für die Gemeinde dar; es dient der Festigung der Beziehungen zwischen den Partnerstädten und der Stärkung der erfolgreichen Zusammenarbeit der drei Gemeinden. Das ursprüngliche Abkommen vom März 2003 war ausgelaufen und musste aktualisiert werden. Gemäß den neuen Bestimmungen sind die Gemeinden aufgefordert, sich an geförderten Projekten zu beteiligen, stets mit dem Ziel, die Eigenständigkeit zu stärken. Priorität des neuen Kooperationsabkommens ist die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für Projekte in Kolokani. Da sich die Landesstruktur in Mali durch den Demokratisierungs- und Dezentralisierungsprozess verändert hatte, war ein Wiederaufbau der Verwaltungsorganisation notwendig. Das deutsch-französische Partnerschaftskomitee möchte seine afrikanischen Partner unterstützen, indem es seine Erfahrungen teilt und sie bei der Anpassung an ihre neue Verwaltungsstruktur begleitet, wobei deren jeweilige Vorgehensweise respektiert wird.

Die Zusammenarbeit zwischen den Partnern verfolgt zwei Ziele: zum einen die Unterstützung der Bevölkerung von Kolokani bei ihren Entwicklungs- und Dezentralisierungsbemühungen, die vor etwa zehn Jahren begonnen wurden – und zwar in strikter Übereinstimmung mit der Politik Malis – und zum anderen eine Städtepartnerschaft und ein Austausch im sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich. Grundsätzlich wird das Hilfsprogramm auf Grundlage von Vorschlägen der Gemeinden innerhalb des Cercle entwickelt und anschließend vom Kolokani-Partnerschaftskomitee bestätigt. Diese Vorschläge werden in den Mali-Gruppen von Viroflay und Haßloch diskutiert. Diese Gruppen wählen die im Laufe des Jahres durchzuführenden Projekte aus, die sich an den festgelegten Finanzrahmen halten müssen.

Die Organisation „Volunteers for Progress“ (heute „France Volontaires“) in Frankreich bietet Studierenden nach ihrem Abschluss die Möglichkeit, sich zwei Jahre lang in der Entwicklungszusammenarbeit zu engagieren. Die von unserer „Mali-Gruppe“ rekrutierten Freiwilligen verbringen diese zwei Jahre in Kolokani, wo sie als Verbindungsperson und Vermittler zwischen den drei Partnerschaftskomitees fungieren. Die Städtepartnerschaft und Zusammenarbeit zwischen Viroflay, Haßloch und Kolokani (Mali) begann 1981. Mit der Umsetzung der ersten Phase der Dezentralisierung in Mali und der Gründung von Gemeinden wurde 2003 ein Kooperationsabkommen zwischen der Stadt Viroflay, der Gemeinde Haßloch und dem Bezirksrat von Kolokani unterzeichnet, der die zehn Gemeinden des Bezirks sowie die Zivilgesellschaft vertritt. Dieses Abkommen wurde 2009 formalisiert und 2015 um jeweils sechs Jahre verlängert. In Kolokani (AJK) wurde eine Städtepartnerschaftsvereinigung gegründet, die unter dem Vorsitz des Präsidenten des Kreisrats Entwicklungsmaßnahmen koordinieren soll. https://haskovi.org/nous-connaitre-v2/groupe-mali-viroflay/

Doch was passiert mit dem Geld auf dem Konto des Fördervereins Kolokani bei einer Auflösung?

Das zumindest wollte NR von Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld wissen, der stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Kolokani ist und die politischen „Geschicke“ mit der französischen Partnerschaft Viroflay koordiniert? In einer Presseanfrage an ihn haben wir folgendes nachgefragt: 1.) Stimmt es, dass der der Förderverein Kolokani aufgelöst wird? 2.) Ist die Partnergemeinde Viroflay in die Auflösung des Vereins involviert? 3.) Wer bekommt das Geld des Vereins, wenn er aufgelöst wird? 4.) Was geschieht mit den angefangenen Projekten, wie dem Gesundheitszentrum und der Geburtenstation in Kolokani? Seit mehr als drei Wochen wartet NR auf Antwort, unsere Presseanfrage wurde bisher nicht von Ihlenfeld beantwortet. Vielleicht kommt noch eine Antwort?

Im RHEINPFALZ-Bericht vom 22.12.2023 konnten wir folgendes nachlesen: „Wir müssen aber auch grundsätzlich die Arbeit des Fördervereins und den Sinn, weitere Projekte in Mali zu unterstützen, hinterfragen, findet Ihlenfeld. Mehrmann und er sagen das auch vor dem Hintergrund, dass der Förderverein vor der Abwicklung von Projekten auf malischer Seite mitunter ausreichende Transparenz vermisst. Brunnen oder Gesundheitsstation dienten dazu, den Menschen dort zu helfen, wo sie leben, auch damit sie sich nicht auf den Weg nach Europa machen, betont Ihlenfeld. Voraussetzung sei aber ein offener und ehrlicher Umgang miteinander. Angesichts der jüngsten Ereignisse sei es notwendig, ein „Zeichen zu setzen“. Deshalb habe der Förderverein vorerst alle weiteren Projekte – angedacht war laut Mehrmann zum Beispiel eine Aufforstung – auf Eis gelegt. Davon nicht betroffen seien Vorhaben, für die es bereits Zusagen aus Haßloch gebe, wie für das Projekt „Gemüsegarten“.

NR bleibt auch hier am Ball und wird seine Leserinnen und Leser auf dem Laufenden halten.

Foto: Mousssa NIAKATE (Wikipedia)
Bildbeschreibung: Route Nationale 1 reliant Bamako-Kayes passant Kolokani