Warum auch KISS keine Therapieplätze ersetzen kann – Können Selbsthilfegruppen ein Ausgleich für fehlende Therapieplätze sein?
„Durch die Gesundheitsreform dürften gesetzlich Versicherte mit psychischen Problemen es demnächst noch schwerer haben, eine Therapie zu bekommen. Die Anfang Juli verabschiedete Gesundheitsreform enthält zahlreiche neue Regelungen für die Psychotherapie“. Das teilt Stiftung Warentest in einer Pressemeldung am 21.07.2026 mit, https://www.test.de/Gesundheitsreform-2026-Was-die-Kuerzungen-in-der-Psychotherapie-fuer-Patienten-bedeuten-6322932-0/?fbclid=IwdGRjcATNaH5jbGNrBM1oCmV4dG4DYWVtAjExAHNydGMGYXBwX2lkDDM1MDY4NTUzMTcyOAABHlTfpsgQjx6uC_Nae5uGpFHwfgnfPg1wVIo3GZsO0b-Ev4ya0tJRlHsXEGqk_aem_RdOQaHTad9spihnimwKowg
So unterliegen die Honorare der Therapeutinnen und Therapeuten künftig einem festen Budget, anstatt nach dem tatsächlichen Bedarf bezahlt zu werden. Zusätzlich fallen mehrere Zuschläge sowie die rechtliche Absicherung der Honorare weg. All das werde sich negativ auf die Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen auswirken, mahnen Fach- und Berufsverbände. Klar sei: Für Versicherte würden die genannten Entwicklungen vor allem bedeuten, dass sie weniger psychotherapeutische Angebote in ihrer Umgebung finden, noch größere Probleme haben, überhaupt an einen Psychotherapieplatz zu kommen, und auch längere Wartezeiten als derzeit in Kauf nehmen müssten.
Gefahr von Kapazitätsplätzen
Durch geplante Honorarkürzungen, striktere Budgetierungen und Umverteilungen warnen Fachverbände davor, dass Praxen weniger Kapazitäten anbieten können oder die Versorgung vor allem im ländlichen Raum schwieriger wird. In einer Pressemitteilung vom 31.03.2026 weist der GKV-Spitzenverband auf einige Neuerungen hin, https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/pressemitteilungen_und_statements/pressemitteilung_2235584.jsp?hl=de-DE#:~:text=Eine%20zentrale%20Herausforderung%20f%C3%BCr%20die%20Zukunft%20besteht,vorhanden%2C%20der%20Zugang%20ist%20jedoch%20zu%20schwer. Die Sorge um die therapeutische Versorgung und die Bürokratie bei den Krankenkassen ist verständlich – die Suche nach einem Therapieplatz kann extrem kräftezehrend sein.
Können Selbsthilfegruppen ein Ausgleich für fehlende Therapieplätze sein?
Eine Selbsthilfegruppe ist ein wichtiger Pfeiler, aber kein gleichwertiger Ersatz für eine medizinisch-psychotherapeutische Behandlung. Was Selbsthilfe leisten kann: Sie bietet Halt, Verständnis von Gleichgesinnten, bricht die Isolation auf und hilft, Strategien für den Alltag mit Depressionen zu teilen. Wo die Grenzen liegen: Eine Selbsthilfegruppe kann keine tiefergehende Diagnostik, Krisenintervention bei akuten Depressionen/Suizidalität oder gezielte Richtlinienpsychotherapie ersetzen. Kombination als Übergang: Selbsthilfe eignet sich hervorragend als Ergänzung oder als Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz.
Warum KISS Pfalz keine Therapieplätze ersetzen kann
Aufgabe der KISS Pfalz ist Infrastruktur und Vermittlung: Die KISS Pfalz (unter der Trägerschaft des Paritätischen) ist eine reine Beratungs- und Koordinierungsstelle für die Selbsthilfe. Die Fachkräfte dort unterstützen bei der Gründung von Selbsthilfegruppen, vermitteln Betroffene in bestehende Gruppen und bieten Schulungen für Ehrenamtliche an. Sie bieten jedoch keine Behandlungen, Therapien oder medizinische Diagnostik an. Kritikpunkte der Abgrenzung: In der Gesundheitspolitik wird strikt darauf geachtet, dass Selbsthilfe ein ergänzendes, laienbasiertes Angebot bleibt. Selbsthilfegruppen arbeiten nach dem Prinzip „Betroffene helfen Betroffenen“ auf Augenhöhe. Sie stehen außerhalb des professionellen Behandlungssystems. Rechtliche Verantwortung liegt beim Staat und den Kassen: Für die Bereitstellung ausreichender Therapieplätze und qualifizierten Personals sind gesetzlich die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und die Krankenkassen zuständig. Würde man die Lücken der regulären Gesundheitsversorgung auf die Selbsthilfe oder Anlaufstellen wie die KISS abwälzen, würde das dem Versorgungsauftrag nach dem Sozialgesetzbuch (SGB V) widersprechen.
Welche Rolle KISS Pfalz bei Versorgungslücken tatsächlich einnimmt
Fazit: Die KISS Pfalz bleibt ein wichtiger Partner für die Selbsthilfe, ersetzt aber keinesfalls therapeutisches Fachpersonal oder reguläre Therapieplätze. Möglicherweise kann dies allerdings der Paritätische übernehmen da KISS ja im Selbsthilfebereich komplett vom Paritätischen übernommen wurde Dass die KISS Pfalz in der Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes liegt (genauer: Selbsthilfe des Paritätischen Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.), ändert an dieser rechtlichen und strukturellen Grenze nichts. Auch der Paritätische als Wohlfahrtsverband kann und darf die Lücke bei den Therapieplätzen nicht mit eigenem Therapeutenpersonal schießen. Dafür gibt es grundlegende rechtliche, finanzielle und organisatorische Gründe.
Foto: Selbsthilfegruppenraum WIKIPEDIA (Own work)









