Man nennt ENGEL den Sanierer – Bürgermeister Tobias Meyer hüllt sich in Schweigen – Welche Rolle spielt der Gesellschafter Thüga?
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, im Haßlocher Rathaus ist „Dampf unterm Kessel“. Erst kündigt die Leiterin der Musikschule, dann verabschiedet sich die Klimaschutzmanagerin und geht. Am 22. Dezember 2025 tritt der ehrenamtliche Beigeordnete Wirdemann (CDU) auf Druck von Bürgermeister Meyer unfreiwillig zurück. Nun hat NACHRICHTEN REGIONAL durch ein anonymes Schreiben vor ein paar Tagen erfahren, dass dem Geschäftsführer der Gemeindewerke, Udo Engel, vom Bürgermeister ebenfalls gekündigt worden sei. Was ist los im Haßlocher Rathaus, fragen sich viele Insider? Von Misswirtschaft wird im Großdorf gesprochen. Einige Sagen, der Bürgermeister habe den Überblick verloren. Doch welche Rolle spielt bei der Entlassung von Engel der Gesellschafter Thüga? Engel ist erst am 01.01.2023 von den Stadtwerken Bad Säckingen nach Haßloch gewechselt.
Vor einer Woche hat unsere Redaktion eine diesbezügliche Presseanfrage an Bürgermeister Meyer gestellt, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeindewerke ist. Gefragt wurde er von NR, ob die Kündigung der Klimaschutzmanagerin etwas mit der Geschäftsführung von Engel zu tun hat. Doch wie so oft: der Bürgermeister hüllt sich wieder einmal in Schweigen. Eine Antwort liegt uns bis heute nicht vor. Gerüchten zufolge soll – wie so viele andere Stadt- und Gemeindewerke – auch die Haßlocher Werke, möglicherweise in eine finanzielle Schieflage geraten sein? Doch nicht erst seit kurzem, sondern schon seit einiger Zeit. Udo Engel gilt als Sanierer, das sei auch dem Aufsichtsrat der Gemeindewerke Haßloch bekannt gewesen, hat NR durch intensive Recherchearbeit erfahren. Engel wechselte am 01.01.2023 direkt von den angeschlagenen Stadtwerken Bad Säckingen zu den Haßlocher Werken, wo er gerade mal zwei Jahre tätig war. Dort verabschiedete er sich wegen eines Streites mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Bürgermeister der Stadt Alexander Guhl (SPD). Der habe den Weggang seinerzeit von Engel bedauert, schreibt der badische SÜDKURIER am 12.08.2022. Der Wechsel sei zur Unzeit gekommen, heißt es weiter. Die Stadtwerke Bad Säckingen sind seinerzeit im Zuge der Energiekrise in ein schwieriges Fahrwasser geraten. Noch im gleichen Sommer habe die Insolvenz gedroht, weil von den beiden Gesellschaftern (73,7 %) und dem Energiedienst (26,3 %) die Finanzspritze von 15 Millionen Euro ausblieb, um das Eigenkapital des Unternehmens zu erhöhen und die Liquidität sicherzustellen, schreibt der SÜDKURIER weiter.
Nun wieder zu den Haßlocher Gemeindewerken, die als Partner die Thüga AG mit 25,1 Prozent Minderheitsbeteiligung von 74,9 Prozent der GWH im Boot hat. Thüga ist der strategische Partner der Kommune und bindet die Gemeindewerke in ein deutschlandweites Netzwerk kommunaler Energieversorger ein. Die Zusammenarbeit zielt auf den Austausch von Fachwissen, Markteinschätzungen und die Unterstützung bei unternehmerischen Zielen unter Berücksichtigung kommunaler Aufgaben ab. Die Gemeindewerke sind zudem an der Thüga Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG beteiligt, um gemeinsam in nachhaltige Projekte zu investieren. Von den Gemeindewerken Haßloch selbst haben wir erfahren, dass die Nachfolge von Geschäftsführer Engel die ehemaligen Prokuristen Andreas Spiegel und Sabine Hauck angetreten haben, was dem anhängenden Organigramm zu entnehmen ist.

Foto: Auszug aus Nortdata (https://www.northdata.de/Gemeindewerke%20Ha%C3%9Floch%20GmbH,%20Ha%C3%9Floch/Amtsgericht%20Ludwigshafen%20a.Rhein%20HRB%2042491)
Um die Maßnahmen eines Klimaschutzkonzeptes der Gemeindewerke Haßloch umzusetzen, unterstützt der vom Gemeinderat gewählte Klimaschutzbeirat durch sein Engagement die Umsetzung des beschlossenen Energie- und Klimakonzepts samt angeschlossenem Maßnahmenkatalog. Dem Klimaschutzbeirat steht die Klimaschutzmanagerin vor. Gemeinsam wird ein Konzept entwickelt, diskutiert und bewertet. Örtliche Maßnahmen zum Schutz der Erdatmosphäre und des Klimas unter Berücksichtigung von umwelt-, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Aspekten (Fortschreibung des Maßnahmenkatalogs) sind zu berücksichtigen. Der Klimaschutzbeirat prüft, ob die Gemeinde sich auf dem Zielerreichungspfad für das beschlossene CO2-Minderungsziel befindet. Dem LINK kann entnommen werden, wer alles Mitglied im Klimaschutzbeirat ist.

Wie das künftige Klimaschutzkonzept aussieht und welche erneuerbare Energien darin festgeschrieben sind, wird sich noch zeigen. Dass die „umstrittene“ Geothermie immer noch Thema in Haßloch ist, ist Fakt, wird auch der Gesellschafter Thüga AG mitzuentscheiden haben. Der Haßlocher Klimaschutzbeirat steht laut einem Bericht von Antenne Landau vom 22.08.2022 dem Vorhaben, südwestlich der Gemeinde eine Geothermie-Anlage zu errichten, positiv gegenüber. So auch die lokale Tagespresse. Das Risiko für Erdbeben habe der Beirat als sehr gering erteilt. Die Anlage soll Lithiumchlorid, Wärme und Strom aus der Thermalsole gewinnen. Bei der Bohrung sollen Tiefen von drei bis vier Kilometern erreicht werden.
Die wichtigste Frage sollte von Bürgermeister Tobias Meyer schnellstmöglichst beantwortet werden, nämlich: Droht auch den Gemeindewerken Haßloch die Insolvenz, weil eine mögliche Finanzspritze ausblieb? Und von wem sollte diese Finanzspritze kommen? Sobald der Bürgermeister eine Antwort auf unsere Presseanfrage erteilt, wird unsere Redaktion darüber berichten.












