Eine Transkranielle Magnetstimulation soll das Gehirn stärken
Unter der Leitung von Professor Dr. Martin Walter am Universitätsklinikum Jena steht aktuell ein bedeutendes Forschungsprojekt für Menschen mit schweren und therapieresistenten Depressionen im Fokus. Dabei geht es vor allem um eine innovative Kombinationstherapie aus Ketamin und einer speziellen Psychotherapie (CBASP). Rund 130 Millionen Euro investieren Bund und Land in den nächsten Jahren dafür allein in Mitteldeutschland – geleitet werden die Forschungen von der Uniklinik in Jena.
Der Ansatz: Ketamin kann bei schweren Depressionen oft sehr schnell (innerhalb von Stunden) eine antidepressive Wirkung entfalten. In Jena wird in einer großen klinischen Studie untersucht, wie dieser schnelle Effekt optimal durch eine begleitende psychotherapeutische Behandlung langfristig gefestigt und verbessert werden kann. Ziel der Studie ist, herauszufinden, ob Betroffene von dieser kombinierten Methode (auch „augmentierte“ Psychotherapie genannt) nachhaltiger profitieren als von herkömmlichen Behandlungen.Es geht um „Magnettherapie“, die in der modernen Psychiatrie unter dem Fachbegriff Repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) bekannt ist. Das ist ein anerkanntes, wissenschaftlich fundiertes Verfahren, das tatsächlich genau dann zum Einsatz kommt, wenn herkömmliche Behandlungen und Medikamente nicht mehr ausreichend helfen (therapieresistente Depression). Dieses Projekt der Uni Leipzig wird mit Fördergeldern vom Bund und Land unterstützt.
Wie funktioniert die Magnetstimulation (rTMS)?
Wenn Antidepressiva nicht wirken, setzt man bei der rTMS auf physikalische statt auf chemische Reize. Das Prinzip: Dem Patienten wird eine Magnetspule an den Kopf angelegt. Diese erzeugt schmerzfreie, stark gebündelte Magnetpulse. Die Wirkung: Die Pulse dringen durch die Schädeldecke und stimulieren gezielt bestimmte Regionen im Gehirn (vor allem den präfrontalen Kortex), die bei einer Depression nachweislich eine verringerte Aktivität zeigen. Durch die wiederholten Impulse werden die Nervenzellen quasi wieder „wachgerüttelt“ und die neuronale Aktivität normalisiert sich. Der Ablauf: Die Behandlung erfolgt meist über mehrere Wochen hinweg in täglichen, kurzen Sitzungen (ca. 20–30 Minuten). Der Patient ist dabei voll bei Bewusstsein, es ist keine Narkose nötig.
Die Rolle der Universität Jena & die Fördergelder
Professor Walter und sein Team am Universitätsklinikum Jena nutzen diese Magnetstimulation intensiv – und zwar in Kombination mit modernster Hirnforschung. Jena hat erhebliche Fördergelder erhalten (unter anderem als Teil des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit). Kürzlich wurde dort ein extrem leistungsstarkes 7-Tesla-Magnetresonanztomografiegerät (MRT) eingeweiht. Das Besondere in Jena: Die Forscher nutzen dieses hochentwickelte MRT (Bildgebung), um das Gehirn der Patienten vor und während der Therapie ganz exakt zu kartografieren. Dadurch können sie genau sehen, welche Gehirnareale blockiert sind. Das Ziel ist es, die Magnetstimulation (rTMS) oder auch andere Behandlungen wie die Ketamin-Therapie maßzuschneidern – also exakt auf die Anatomie des einzelnen Patienten abzustimmen.
Zusammenfassung
Die Magnetstimulation ist neben Ketamin eine der wichtigsten Säulen in Jena, wenn Medikamente versagen. Die Fördergelder fließen vor allem in die Forschung, wie man diese Therapien durch modernste Hirn-Scans noch präziser und erfolgreicher machen kann.
Das Universitätsklinik Jena (UKJ) hat im August 2024 einen neuen 7-Tesla-MRT-Scanner eingeweiht. Das mit 10,1 Millionen Euro aus EFRE- und REACT-EU-Mitteln finanzierte Gerät steht im Werner-Kaiser-Forschungszentrum und ermöglicht der Psychiatrie ultrafeine Einblicke in die Hirnstruktur. Das 7-Tesla-MRT bietet im Vergleich zu herkömmlichen 3-Tesla-Geräten mehr als die doppelte Magnetfeldstärke. Diese Ultrahochfeld-Technologie ermöglicht es, anatomische Strukturen, Stoffwechselprozesse und Funktionen des menschlichen Gehirns unterhalb der Millimetergrenze darzustellen https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/jena-wird-zentrum-fuer-neurobildgebung-mdr-100.html
Foto: WIKIPEDIA (FbrG)









