Die „Königin der Countrymusik“ im Alter von 80 Jahren gestorben – Nachruf auf die Ikone, die mit „Jolene“ und „I Will Always Love You“ zwei der größten Songs des 20. Jahrhunderts schrieb
NASHVILLE – Dolly Parton, die von vielen als „Königin der Countrymusik“ verehrte Ikone, ist am Dienstag im Alter von 80 Jahren friedlich in Nashville, Tennessee, verstorben. Ihr Tod wurde von ihrem Neffen Bryan Seaver in einem Video auf dem Instagram-Kanal der Familie bekanntgegeben. Eine offizielle Todesursache nannte die Familie nicht (CNN, Fox News).
„Die Trauer liegt bei uns, nicht bei Dolly. Dolly hat im Licht gelebt und ist in den Armen Jesu“, sagte Seaver – der Sohn von Partons Schwester Cassie und über zwei Jahrzehnte Sicherheitschef der Familie – in dem Abschiedsvideo. Die Familie fügte eine Erklärung hinzu: „Ein Leben im Strassglanz, das hell genug leuchtete, damit die Welt es sehen konnte – Dolly wird für immer eine Inspiration bleiben, nicht nur durch ihre zeitlose Musik und ihr reiches Songwriting, sondern auch durch ihren Witz, ihre Wärme und ihre Freundlichkeit, die uns alle wie Familie fühlen ließen.“
Auf ihren ausdrücklichen Wunsch soll die Trauerfeier klein und privat im engsten Familienkreis stattfinden; einen Termin nannte die Familie nicht. Freunde und Fans in aller Welt wurden eingeladen, ihr in den sozialen Medien oder auf ihrer Website zu gedenken. Anstelle von Blumen bittet die Familie um Spenden für die Imagination Library, das von Parton 1995 gegründete Programm, das Kindern monatlich ein kostenloses Buch ins Haus liefert (stern.de, Knoxville News Sentinel).
Die Umstände ihres Todes sind zunächst ungeklärt. Nach Berichten der Zeitschrift „People“ war Parton erst vier Tage vor ihrem Tod, am 21. August, in ein Krankenhaus eingeliefert worden. In den Monaten davor hatte sie mehrere gesundheitliche Rückschläge verkraftet: Im September 2025 hatte sie wegen eines Nierensteins die Vorstellung der neuen Dollywood-Attraktion „Nightflight Expedition“ versäumt, später sagte sie ihre geplante erste Las-Vegas-Residenz seit über 30 Jahren wegen „Gesundheitsproblemen“ ab (Los Angeles Times, Knoxville News Sentinel).
Dolly Rebecca Parton wurde am 19. Januar 1946 in Locust Ridge, einem abgeschiedenen Ort im Sevier County der Great Smoky Mountains, geboren. Sie war das vierte von zwölf Kindern; der Vater Robert war Tabakarbeiter und Bauernhelfer, die Mutter Avie Lee füllte das ärmliche Familienhäuschen mit Hymnen, Folklore und Bergmusik. Partons erste „Gitarre“ bestand aus einem Mandolinenkörper mit Bassgitarrensaiten; erst mit acht Jahren erhielt sie ein richtiges Instrument. Mit zehn war sie im lokalen Fernsehen zu sehen, mit dreizehn nahm sie ihre erste Platte auf und trat im Grand Ole Opry auf – vorgestellt von Johnny Cash (The Guardian, NPR).
1964, am Tag nach ihrem Schulabschluss, stieg sie in den Bus nach Nashville – und verdiente anfangs ihr Geld als Texterin, nicht als Interpretin. 1967 erschien ihr Debütalbum „Hello, I’m Dolly“, und in der Porter-Wagoner-Show wurde sie vom Duett- zum Solostar. 1971 erreichte sie mit „Joshua“ erstmals Platz eins der Countrycharts. 1973 kam „Jolene“ heraus – die brennende Ballade um eine blonde Verführerin. So begabt war die Songschreiberin, wie es in einem Nachruf heißt, dass sie zwei der größten Songs des 20. Jahrhunderts an einem einzigen Tag schrieb: „Jolene“ und „I Will Always Love You“. Letzteren widmete sie Porter Wagoner als Abschied; er wurde 1974 ein Country-Hit, 1992 in der Fassung von Whitney Houston („Bodyguard“) zum meistverkauften Solo-Song einer Frau in der Musikgeschichte (The Guardian, NPR).
In den späten 1970ern brach Parton über die Country-Grenzen hinaus: „Here You Come Again“ (1977) wurde ihre erste Millionenscheibe und der Grund für ihren ersten Grammy. 1980 erreichte „9 to 5“ Platz eins der US-Charts – Titelsong ihres Films mit Jane Fonda und Lily Tomlin, für den sie für den besten Songsong für einen Oscar nominiert wurde. Es folgten Kinorolle um Kinorolle: „The Best Little Whorehouse in Texas“ (1982), „Rhinestone“ (1984) und „Steel Magnolias“ (1989, neben Julia Roberts und Sally Field). Mit Kenny Rogers landete sie 1983 mit „Islands in the Stream“ einen Pop-Nummer-eins-Hit (The Guardian).
Die Bilanz ihrer fast sechs Jahrzehnte im Rampenlicht ist ungewöhnlich: 25 Nummer-eins-Hits in den Billboard-Countrycharts – so viele wie keine andere Frau – , über 160 Millionen verkaufte Alben und damit der Status als meistverkaufte Countrysängerin der Geschichte, 10 Grammys, 2 Oscar-Nominierungen, ein Primetime Emmy und 10 CMA Awards. 1999 wurde sie in die Country Music Hall of Fame aufgenommen; 2025 ehrte die US-Filmakademie sie mit dem Jean-Hersholt-Humanitarian-Award. Die Kreativität ließ nie nach: Ihr Album „Rockstar“ (2023) erreichte Platz eins, ihr letzter Grammy war 2021 (für „There Was Jesus“), und 2026 war sie für die Hörbuch-Version ihres Memoirenbandes „Behind the Seams“ erneut nominiert (Newsweek, Los Angeles Times, Knoxville News Sentinel, Variety).
Jenseits der Bühne war Parton eine der größten Wohltäterinnen Amerikas. Ihre Imagination Library hat seit 1995 mehr als 150 Millionen Bücher an Kinder verschenkt, und ihr Freizeitpark Dollywood in Pigeon Forge, 1986 eröffnet, zählt rund 2,5 Millionen Besucher pro Jahr: Er ist der größte Arbeitgeber im Sevier County, beschäftigt mehr als 23.000 Menschen und generiert nach Schätzungen rund 1,8 Milliarden Dollar jährlichen Wirtschaftseffekt für den Bundesstaat (The Guardian, Knoxville News Sentinel).
Privat blieb Parton vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Mit ihrem Mann Carl Dean war sie rund 59 Jahre verheiratet; sie hatten keine gemeinsamen Kinder. Dean starb im März 2025 im Alter von 82 Jahren – ein Verlust, den Parton öffentlich betrauerte: „Ich werde ihn immer lieben, und ich vermisse ihn“, sagte sie wenige Wochen später in Dollywood. Zum Gedenken an ihren Mann veröffentlichte sie den Song „If You Hadn’t Been There“ (CNN, Knoxville News Sentinel).
Die Reaktionen kamen aus allen Lagern der Branche – und darüber hinaus: „Wenn es wirklich Engel auf der Erde gibt, dann haben wir gerade einen verloren“, schrieb „Steel Magnolias“-Darstellerin Sally Field; auch ihre Filmkollegin Julia Roberts trauerte. Reba McEntire verabschiedete ihre „buddy Dolly“ mit den Worten: „Ich werde dich immer lieben, Reba.“ Auch Barbra Streisand („eine wahre Naturgewalt“), George Strait, Blake Shelton und Seth MacFarlane drückten ihre Anteilnahme aus. US-Präsident Donald Trump ordnete eine Woche lang Halbmast für die amerikanische Flagge an (Fox News, Newsweek).
Dolly Parton selbst hatte 1998 in Dollywood gesagt: „Wenn ich sterbe, hoffe ich, dass ich einfach eines Abends einschlafe, im Traum von Showbusiness, und nie wieder aufwache.“ Jetzt hat sie Abschied genommen – von den Pailletten, vom Rampenlicht, von der Welt, die sie ein gutes Stück heller gemacht hat. Die Lieder, die sie schrieb, bleiben.
Quellen
1. Fox News: „Dolly Parton dead at 80 months after battling unknown health issue“ (Live-Bericht, 25.08.2026) – https://www.foxnews.com/live-news/country-legend-dolly-parton-dead-80
2. The Guardian: „Dolly Parton, country star, actor and philanthropist, dies aged 80“ (25.08.2026) – https://www.theguardian.com/music/2026/aug/25/dolly-parton-country-singer-dead
3. CNN: „Dolly Parton, queen of country music and humanitarian hero, dead at 80“ (25.08.2026) – https://www.cnn.com/2026/08/25/entertainment/dolly-parton-death
4. Los Angeles Times: „Dolly Parton, country music legend who became a national treasure, dies at 80“ (25.08.2026) – https://www.latimes.com/entertainment-arts/music/story/2026-08-25/dolly-parton-dead-at-80
5. Knoxville News Sentinel: „Dolly Parton, queen of country music and Tennessee hero, has died“ (Nachruf, 25.08.2026) – https://www.knoxnews.com/story/entertainment/music/2026/08/25/dolly-parton-dies-queen-of-country-music-tennessee-hero-dollywood-founder-obituary/72595026007/
6. Variety: „Dolly Parton, Queen of Country Music, Dies at 80“ (25.08.2026) – https://variety.com/2026/music/news/dolly-parton-dead-dies-country-music-1236842727/
7. Newsweek: „Dolly Parton Death Latest: Reba McEntire, Trump Honor Country Music Icon“ (25.08.2026) – https://www.newsweek.com/dolly-parton-death-country-music-icon-legacy-remembered-12366011
8. NPR (über cpr.org): „Dolly Parton, one of country music’s most singular performers, has died at age 80“ (25.08.2026) – https://www.cpr.org/2026/08/25/dolly-parton-obituary/
9. stern.de: „Dolly Parton: Sie wünschte sich eine private Trauerfeier“ (25.08.2026) – https://www.stern.de/lifestyle/leute/dolly-parton–sie-wuenschte-sich-eine-private-trauerfeier-38159142.html
10. t-online.de: „Familie bestätigt: Countrystar Dolly Parton ist tot“ (25.08.2026) – https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_101405092/familie-bestaetigt-countrystar-dolly-parton-ist-tot.html
Redaktioneller Hinweis: Dieser Nachruf stützt sich auf die am Tag des Todes (Dienstag, 25. August 2026) veröffentlichten Online-Berichte; die Quellen sind am Ende aufgeführt. Eine offizielle Todesursache wurde von der Familie nicht veröffentlicht. Die Angabe zur Krankenhauseinlieferung vier Tage vor dem Tod beruht auf Berichten der Zeitschrift „People“, wie sie von Fox News und stern.de zitiert wurden
Foto Curtis Hilbun (Wikipedia) https://de.wikipedia.org/wiki/Dolly_Parton
| r | Curtis Hilbun |
.











