Mit Mut und Euphorie mit dem Handbike quer durch Europa unterwegs
Ein halbes Jahr lang war Robin Kaltenbach mit seinem Behinderten-Handbike quer durch Osteuropa unterwegs, 3.500 Kilometer legte er zurück. Wer glaubt, dass so etwas als Behinderter nicht möglich ist, der konnte sich bei seinem Vortrag am 12. Oktober 2025 im Haßlocher Kulturviereck vom Gegenteil überzeugen. Eingeladen hatte der Behindertenbeirat zu diesem Vortrag über eine aussergewöhnliche Reise von Robin Kaltenbach, die nicht interessanter und zum Teil gefährlicher hätte sein können, hätte man die Fotos und Videobeiträge nicht selbst gesehen. Die anwesenden Teilnehmer kamen auf jeden Fall alle auf ihre Kosten, mit seinem Handbike nahm er die Anwesenden auf seine große Reise mit.
Beginnend in Steinfeld nach Passau und an der Donau entlang über Österreich, Ungarn bis nach Rumänien, kurzer STOP in Bulgarien, ging es weiter nach Griechenland. Oft ging es über „Stock und Stein“, was man in einigen Video-Beiträgen sehen konnte. Manchmal zitterten selbst die Anwesenden mit, wenn Robin Kaltenbachs Biker-Tour ihn an seine Grenzen brachte. Und doch verrät der „mutige“ Biker-Fahrer, dass eine nächste große Reise bereits geplant sei. Sein Handbiker musste Robin Kaltenbach jedoch in Tesaloniki wegen dem beginnenden Spätherbst und der kalten Witterung zurücklassen. Den Rückweg trat er dann mit der Bahn an, immerhin war es mittlerweile schon Dezember, zu kalt, den gesamten Rückweg wieder über die Berge anzutreten.
Über viele Highlights berichtete der reiselustige Biker-Fahrer, nicht immer war die Reise ungefährlich. Alleine auf weiter Flur war er unterwegs, oft waren die Wege beschwerlich, Rast wurde am Tagesende in einem einfachen Ein-Mann-Zelt gemacht, viele Herausforderungen mussten überwunden werden, alles ohne Hilfe und alleine, keine Unvorhersehbarkeiten oder ein Unfall hätten passieren dürfen. Man hätte ihn vermutlich auf solchen Wegstrecken nicht gefunden.
Auf seiner Reise erlebte Robin Kaltenbach nicht nur beeindruckende Landschaften und Tierbegegnungen, sondern auch viele herzliche Begegnungen mit Menschen entlang der Strecke und vor allem mit Einheimischen, die zu seinen Freunden geworden sind. Die Fahrten waren oft sehr beschwerlich, das Abenteuer hat Robin Kaltenbach dennoch stark gemacht. Sein Ziel hat er oft mit großen Anstrengungen überwunden. Und der Kampfgeist Neues und Interessantes zu erleben, halten ihn auch mit seinem Handbike ständig auf Trapp.
Der Kampfgeist war schon als Kind bei ihm vorhanden
Sein Kampfgeist wurde Robin Kaltenbach bereits in die Wiege gelegt und er hat ihn auch bis heute nie verloren. Denn bereits als 5-Jähriger ist er an einem bösartigen Nierentumor erkrankt. Eine komplizierte Operation an der Kinderkrebsklinik der Uniklinik Heidelberg erfolgte, danach die Chemotherapie und Bestrahlung. Ein halbes Jahr später war er querschnittsgelähmt, weil auch sein Rückenmark von Metastasen befallen war. Und wieder musste operiert werden. Die gesamte Bewegungsfähigkeit der Beine war nach der OP komplett weg. Erst nach einem Jahr kam das Gefühl in die Beine langsam zurück. Eine lange Behandlungsprozedur hatte begonnen. Viel Kraft tanken konnte damals der kleine Robin im Garten des elterlichen Wohnhauses in Steinfeld, so dass ihm dort die Natur ein neues Lebensgefühl gab und auch zur Genesung beitrug.
Das Interesse an der Natur hat Robin Kaltenbach bis heute geprägt. Er absolvierte ein Studium der Umweltwissenschaften in Landau in der Pfalz. Naturwissenschaften sei schon damals sein großes Interesse gewesen, erzählt er unserer Redakteurin. Auch während des Studiums habe er schon die Lust zu Reisen verspürt, deshalb auch sein erlerntes Wissen bereits anwenden können. Aus diesem Grunde habe er zum Beispiel ein fünfmonatiges Praktikum bei einer Umweltorganisation in Kamerun absolviert. Er schrieb eine Diplomarbeit in der Grundlagen-Forschungsarbeit der Bodenkunde. Das sei ein spannendes Thema gewesen erzählt uns der quirlige Biker- und Rollstuhlfahrer, so dass er noch zwei Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter dort weitermachte. Danach sei es zum Berufswechsel gekommen und er sei zur NaturStiftung Südpfalz (NVS) gewechselt, wo er u.a. für die praktische Umsetzung von Naturschutzprojekten und die Biotoppflege auf Stiftungsflächen verantwortlich war.
Sein persönliches Interesse an Natur und Umwelt von Robin Kaltenbach findet sich überall in seinem Leben wieder. Beim Reisen und Urlaub beobachtet er gerne die Natur und ist Entdecker von neuen Landschaften und Lebensweisen von Menschen in ihrer Umgebung. Manchmal gönnt er sich zu Hause auch eine Auszeit. Dann gärtnert er gerne zur Selbstversorgung. Frisches Gemüse und Kräuter stehen auf seinem täglichen Speiseplan. „Ein Alltag ohne Tiere und Pflazen ist für mich kaum vorstellbar“, verrät uns der lebensfrohe Handbiker, der schon seine nächste Reise in Planung hat. Dann soll es vermutlich – wenn es die Kräfte zulassen – in die Türkei gehen, um auch dort Land und Leute kennenzulernen.
Foto: von li.n.re. Robert Fath, stv. Vorsitzender des Behindertenbeirates, Robin Kaltenbach, Jürgen Hess, Vorsitzender des Behindertenbeirates












