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Startseite Politik

Der Schlächter von Srebrenica ist tot

by Redaktion
27.08.2026
in Politik
Lesezeit: 13 mins read
Der Schlächter von Srebrenica ist tot
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Ratko Mladic vom UN-Gericht als Kriegsverbrecher verurteilt – Ein Gastbeitrag von Walter Flammuth

Analyse einer Geschichte die bis heute fassungslos macht

Wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg war er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nun ist der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic in einem Gefängnis der UN in Den Haag gestorben. Vor seinem Tod hatte Mladic Medienberichten zufolge mehrere Schlaganfälle erlitten. Serbische Behörden und Mladics Familie hatten sich deshalb zuletzt für seine Verlegung in ein serbisches Militärkrankenhaus eingesetzt. Das Den Haager Gericht lehnte das aber ab. Nach UN-Angaben wurde er 83 Jahre alt. Er starb als wegen Völkermords verurteilter Kriegsverbrecher – ohne Reue und ohne Schuldeingeständnis. Sein Leben führt vor, wie aus Nachbarn Mörder gemacht wurden.

Er befehligte die längste Belagerung einer Hauptstadt im 20. Jahrhundert und den einzigen Völkermord, den Europa seit 1945 erlebt hat: Ratko Mladić, ehemaliger General der bosnisch-serbischen Armee und als „Schlächter von Srebrenica“ berüchtigt, ist tot. Nach Angaben von UN-Beamten starb der 84-Jährige am Donnerstag in einem Gefängniskrankenhaus der Vereinten Nationen in Den Haag, wo er eine lebenslange Haftstrafe verbüßte. [1,2]

Ein Tod unter Bewachung

Zuerst hatte der serbische Staatssender RTS den Tod gemeldet; im Tagesverlauf bestätigten ihn UN-Stellen, die Nachrichtenagentur AP und Mladićs Anwalt Dragan Ivetić. Ein Familienmitglied sagte der AP, Mladićs Sohn Darko sei auf dem Weg nach Den Haag; auch die serbische Staatssekretärin für Menschenrechte, Lidija Pavićević, bestätigte den Tod unter Berufung auf die Familie. Als vorläufige Todesursache galten die Folgen schwerer Schlaganfälle, die Mladić in seinen letzten Lebensjahren erlitten hatte. [3,4,6,7]

Sein Ende kündigte sich seit Monaten an. Bereits im Mai und erneut am 20. August 2026 hatten seine Verteidiger per Eilantrag seine vorzeitige Entlassung oder Überstellung nach Serbien gefordert – zuletzt unter Verweis auf die Ärzte der Haftanstalt, denen zufolge sich Mladićs Allgemeinzustand „rapide verschlechtert“ habe und sein Tod „jederzeit“ eintreten könne. Die Richter des Internationalen Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe (IRMCT) wiesen die Anträge ab: Die Schwere der Verbrechen wiege schwer, die medizinische Versorgung in der UN-Haft sei ausreichend. [3,4,8]

Insgesamt verbrachte Mladić mehr als fünfzehn Jahre in Gewahrsam – in der UN-Haftanstalt im Haager Vorort Scheveningen. Der Staat, in dem er die lebenslange Strafe letztlich verbüßen sollte, war nie bestimmt worden. Nun ist er genau dort gestorben, wo seine Verfahren geführt wurden. [4,10]. In Srebrenica reagierten die Überlebenden mit Genugtuung und Bitterkeit zugleich. „Heute ist ein großer Kriegsverbrecher gestorben, der Verbrecher des Balkans“, sagte Munira Subašić von der Vereinigung der Mütter von Srebrenica. [1]

Vom Berufsoffizier zum Kriegsfürsten

Ratko Mladić wurde am 12. März 1942 im Bergdorf Božinovići südlich von Sarajevo geboren, in eine Welt, deren Grausamkeit ihn prägte: Sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg kroatischen Faschisten der Ustascha zum Opfer. Wie andere Protagonisten des späteren Jugoslawien-Konflikts zog auch Mladić aus dem Familienschicksal einen Nationalismus, den er ein halbes Jahrhundert später militärisch in die Tat umsetzen sollte. Er wurde Berufsoffizier der Jugoslawischen Volksarmee und galt als fähig und ehrgeizig. Als der Vielvölkerstaat zerbrach, stellte er sich 1991 an die Spitze des serbischen Aufstands in Kroatien; im Mai 1992 übernahm er den Oberbefehl über die neu formierte Armee der selbstausgerufenen Republika Srpska (VRS) – bewaffnet und gestützt von Belgrad und dem serbischen Präsidenten Slobodan Milošević. [1,2]

Der Krieg in Bosnien-Herzegowina dauerte von 1992 bis 1995, kostete mehr als 100.000 Menschen das Leben und trieb rund zwei Millionen in die Flucht. Mladićs Truppen besetzten große Teile des Landes, errichteten Lager für nichtserbische Zivilisten – die Berichte aus Omarska und Trnopolje erschütterten 1992 die Weltöffentlichkeit – und ermordeten Gefangene systematisch. Zwei Verbrechen wurden zum Inbegriff seiner Kriegsführung. [1,17]

Terror als Methode: 1.425 Tage Sarajevo

Das erste war die Belagerung Sarajevos. Vom Frühjahr 1992 bis zum Februar 1996 hielten Mladićs Verbände die bosnische Hauptstadt eingeschlossen – 1.425 Tage, die längste Belagerung einer Hauptstadt im 20. Jahrhundert. Im Durchschnitt schlugen täglich 329 Granaten in der Stadt ein, an einem einzigen Tag waren es 3.777. Scharfschützen der VRS jagten gezielt Zivilisten, die über die „Sniper-Allee“ liefen, Wasser holten oder in Schlangen vor Bäckereien standen. Insgesamt wurden 11.541 Tote identifiziert, darunter rund 1.600 Kinder. [13]

Das Tribunal in Den Haag befand später, die Granaten- und Scharfschützenangriffe auf Sarajevo bildeten eine Kampagne gegen die Zivilbevölkerung, die erkennbar auch darauf angelegt war, Terror zu verbreiten. Mladićs Handschrift ist in abgefangenen Funksprüchen überliefert: „Dreht auf Velešići, dort sind keine Serben“, ordnete er den Beschuss eines Stadtviertels an. [1,2,11] „Versengt ihre Gehirne.“ — Mladićs Befehl an seine Truppen, Sarajevo 1992

Der General gab sich unbesiegbar und größenwahnsinnig. Seinen Soldaten sagte er: „Wenn ich Garantien gebe, ist das, als gäbe sie Gott.“ Beim Fluglotsen meldete er sich mit den Worten: „Hier spricht Ratko Mladić, der serbische Gott.“ Im Mai und Juni 1995, unter dem Druck bevorstehender NATO-Luftangriffe, ließ seine Armee mehr als 200 Blauhelmsoldaten der UNO gefangen nehmen und an Brücken, Funktürmen und Munitionslagern festketten – als menschliche Schutzschilde. [1,2,11,18]

Srebrenica: Der Völermord vom Juli 1995

Das zweite Verbrechen gab dem Jahrhundert einen neuen Maßstab des Grauens. Srebrenica, ein Kurort in den Wäldern Ostbosniens, war vor dem Krieg eine Idylle des Zusammenlebens: Serben und Bosniaken lebten Tür an Tür. Seit April 1993 war die mehrheitlich bosniakische Enklave per UN-Resolution „Schutzzone“, bewacht von einem nur leicht bewaffneten niederländischen Bataillon, das in einer ehemaligen Autobatteriefabrik in Potočari stationiert war. Am 11. Juli 1995 fiel der Ort. Vor laufenden Kameras verkündete Mladić, die Stadt gehöre nun den Serben – und prahlte von Rache an den „Türken“, wie er die Bosniaken verächtlich nannte, für 500 Jahre osmanische Herrschaft. [1,2,14,15]

Was folgte, war industrialisierter Mord. Auf dem Platz vor der Fabrik verteilte Mladić den Kameras Süßigkeiten an Kinder, tätschelte ihnen die Köpfe und versicherte, alles werde gut. Stunden später begann die Selektion: Männer und Jungen wurden von den Frauen, Kindern und Alten getrennt, die Frauen und Kinder in Bussen aus der Enklave deportiert. In den Folgetagen ermordeten Mladićs Soldaten und Hilfstruppen rund 8.000 Männer und Jungen; namentlich erfasst sind bis heute mehr als 8.300 Opfer. Die Leichen wälzten Bulldozer in Massengräber; viele wurden später ausgehoben und an anderen Stellen erneut verscharrt, um die Spuren zu verwischen. [1,2,16]

Der Richter Fouad Riad vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) beschrieb die Vorgänge bei der Anklageerhebung 1995 als „unvorstellbare Barbarei“. Seither gilt Srebrenica als das schwerste Verbrechen auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – der einzige Völkermord in Europa seit 1945. Die Vereinten Nationen haben 2025 den 11. Juli zum internationalen Gedenktag für die Opfer erklärt. [1,3,4]

Fast sechzehn Jahre auf der Flucht

Die Anklage des ICTY vom November 1995 bedeutete das Ende von Mladićs öffentlichem Leben – fast sechzehn Jahre lang blieb er untergetaucht, geschützt zunächst von den Sicherheitsapparaten Serbiens und der Republika Srpska. Die ersten Fluchtjahre verbrachte er im Bunkerkomplex von Han Pijesak in den Wäldern Ostbosniens, hütete Bienen und Ziegen; seine 23 Ziegen, so berichteten spätere Zeugen, trugen die Namen westlicher Staatsmänner, die er verachtete – darunter „Madeleine Albright“. In Belgrad führte er unter Milošević ein halböffentliches Leben mit Villa, Restaurants und Stadionbesuchen; erst nach Miloševićs Sturz im Oktober 2000 zog er sich zurück, 2002 tauchte er endgültig unter. Für Hinweise auf seinen Aufenthalt setzten Belgrad und Washington Belohnungen in Millionenhöhe aus. [1,2,18]

Am Morgen des 26. Mai 2011 schlug die Stunde der Festnahme: Im Dorf Lazarevo nördlich von Belgrad, im bescheidenen Haus eines Verwandten, fanden Beamte einer serbischen Sondereinheit einen grauhaarigen Mann, der sich als „Milorad Komadić“ ausgab und zwei Pistolen bei sich trug. Ratko Mladić gab seine wahre Identität zu; fünf Tage später wurde er nach Den Haag ausgeliefert. Die Festnahme galt als entscheidende Voraussetzung dafür, dass Serbien der Status eines EU-Beitrittskandidaten zugesprochen wurde. In Belgrad gingen danach Tausende Ultranationalisten auf die Straße; ihnen galt Mladić als Held. [1,2,18,19]

Der Prozess: Gerechtigkeit mit langer Verzögerung

Am 16. Mai 2012 begann vor dem ICTY der Prozess gegen Ratko Mladić – der letzte große Kriegsverbrecherprozess des Tribunals, gewissermaßen sein Schlussstein. Die Beweisaufnahme dauerte über vier Jahre und mehr als 500 Verhandlungstage; Hunderte Zeugen sagten aus, unter ihnen Überlebende der Massaker, Mütter von Srebrenica, Forensiker und ehemalige Blauhelmsoldaten. Am 22. November 2017 sprachen die Richter Mladić in zehn von elf Anklagepunkten schuldig: Völkermord und Verfolgung, Auslöschung, Mord, Deportation und weitere unmenschliche Handlungen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Mord, Terror, rechtswidrige Angriffe auf Zivilisten und Geiselnahme als Verletzungen der Kriegsgesetze. Einziger Freispruch: der Vorwurf eines weiteren Völkermords an Bosniaken und Kroaten in den Gemeinden des Jahres 1992. Das Strafmaß: lebenslange Freiheitsstrafe. [2,4,9,11,12] Das Gericht sah als erwiesen an, dass Mladić das militärische Rückgrat eines „gemeinsamen kriminellen Unternehmens“ bildete, dessen Ziel die dauerhafte Vertreibung aller Nicht-Serben aus großen Teilen Bosniens war. Der alte Mann im Gerichtssaal blieb bis zuletzt unbelehrbar: Als die Vorsitzende Richterin das Urteil verlas, beschimpfte er das Gericht – „Alles, was Sie gesagt haben, sind reine Lügen. Schämen Sie sich!“ – und wurde aus dem Saal geführt. [12,19]

Am 8. Juni 2021 bestätigte die Berufungskammer des IRMCT Schuldspruch und Strafe; die Berufungen von Anklage und Verteidigung wurden vollständig zurückgewiesen. Ein bemerkenswerter Dissens blieb: Die vorsitzende Berufungsrichterin Prisca Nyambe hätte die Verurteilung in weiten Teilen aufgehoben und lediglich zwanzig Jahre Haft verhängt. Mit Mladić endete die Arbeit des 1993 gegründeten ICTY, dessen Urteile den Zerfall Jugoslawiens gerichtsfest dokumentieren: Sein politisches Gegenstück Radovan Karadžić wurde in zweiter Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt; Milošević starb 2006, mitten in seinem eigenen Prozess, in UN-Haft. Human Rights Watch nannte das Mladić-Urteil den Beleg dafür, dass selbst die Verantwortlichsten schrecklichster Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden können – auch wenn es gut zwei Jahrzehnte dauerte. [4,9,10,11,20]

Wie Nachbarn zu Mördern wurden

Der Bosnienkrieg wird oft als „ethnischer Bürgerkrieg“ beschrieben, als wäre er aus altem, über Generationen schwelendem Hass aufgeflammt. Das Gegenteil ist der Fall – und genau das macht ihn so verstörend. In Srebrenica wie in Sarajevo, in Prijedor wie in Foča waren Serben, Bosniaken und Kroaten Nachbarn, Kollegen, verschwägert und befreundet; gemischte Ehen und gemeinsame Feste gehörten zum normalen Leben. Dass aus diesem Zusammenleben innerhalb weniger Monate ein Vernichtungskrieg werden konnte, war kein Naturereignis. Es war das Ergebnis einer Maschinerie, die Männer wie Mladić mit Umsicht und Skrupellosigkeit in Gang setzten – in mehreren, gut dokumentierten Schritten. [14,15,17]

Der erste Baustein war Angst. Nach dem Tod Josip Broz Titos 1980 und im ökonomischen Niedergang des Landes entdeckten politische Unternehmer – allen voran Milošević – den Nationalismus als Ersatzlegitimation. Über Zeitungen und das staatliche Fernsehen wurde eine Stimmung herbeigeschrieben, in der ein neuer Völkermord an den Serben unabwendbar schien: Hetzkampagnen malten an die Wand, die Bosniaken planten einen islamistischen Staat; das Narrativ lautete, nur in einem eigenen Großstaat könne das serbische Volk überleben. Wer Angst hat, folgt dem, der Schutz verspricht. [15]

Der zweite Baustein war Geschichte. Die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs – vor allem die Massaker der kroatisch-faschistischen Ustascha an Serben – wurden zu einem dauerhaften Drohbild umgedeutet. Mladić selbst, Sohn eines von Ustascha getöteten Vaters, feierte alljährlich den Vidovdan, den Gedenktag der Schlacht auf dem Amselfeld von 1389, und verstand den Krieg ausdrücklich als Revanche für die „Türkenherrschaft“. Wer die Nachbarn von gestern zu „Türken“ erklärt, hat sie entmenschlicht – und wer entmenschlicht hat, kann alles mit ihnen tun. [1,2,15]

Der dritte Baustein war die Drohung. Schon im Oktober 1991, in der Parlamentsdebatte über Bosniens Unabhängigkeit, warnte Karadžić öffentlich, die Bosniaken führten mit diesem Schritt das Land „in die Hölle“ – und das muslimische Volk womöglich in die Vernichtung. Es war die Ankündigung dessen, was dann geschah. [15]

Der vierte Baustein war Organisation. Der Krieg wurde von oben geplant und von unten ausgeführt: Die Parteigremien der Serbischen Demokratischen Partei übernahmen im Frühjahr 1992 Gemeinde für Gemeinde die Kontrolle, die Waffenbestände der Jugoslawischen Volksarmee flossen in serbische Einheiten, binnen Wochen entstanden Lager wie Omarska, Keraterm und Trnopolje. Was den Zeitgenossen als Chaos erschien, war in weiten Teilen eine Verwaltung des Terrors. [15,17]

Der fünfte Baustein schließlich war die Bereitschaft ganz normaler Menschen, mitzumachen. Die Vertreibungsmaschinerie brauchte Schreiber, Fahrer, Denunzianten, Wachleute und Schützen – vielfach Männer aus denselben Orten wie ihre Opfer, die sie vom Markt, von der Schule, vom Nachbartisch her kannten. [14,16] „Meine serbischen Nachbarn waren vor dem Krieg nicht böse, sie wurden böse und fanatisch gemacht und halfen uns nicht mehr.“— Eine Überlebende aus Srebrenica, im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, 2020

Ohne diese Mitläufer hätte selbst ein Mladić nicht in diesem Ausmaß morden können; er lieferte den Rahmen, die Rhetorik und die Befehle. Das Tribunal hat diese Arbeitsteiligkeit juristisch präzisiert – im Begriff des „gemeinsamen kriminellen Unternehmens“. [11,16]

Dass Gerechtigkeit in Den Haag den Hass nicht beendet hat, gehört zur traurigen Bilanz. In Serbien und der Republika Srpska wird Mladić von einem bedeutenden Teil der Bevölkerung bis heute als Held verehrt; Wandbilder und Graffiti preisen den „serbischen Helden“. Die UN-Sonderberaterin für Völkermordprävention, Alice Wairimu Nderitu, warnte 2021 anlässlich der Urteilsbestätigung, Genozid-Leugnung und die Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher wie Mladić nähmen in der Region nicht ab, sondern zu. Für die Massaker in Gemeinden wie Prijedor, Sanski Most, Kotor Varoš, Foča und Vlasenica gab es im Mladić-Verfahren übrigens keine Verurteilungen. [5,11]

Ein Ende ohne Umkehr

Ratko Mladić ist gestorben, wie er gelebt hat: überzeugt von der eigenen Rechtmäßigkeit, ohne Reue, ohne Geständnis. Seine Schuld ist in tausenden Seiten von Urteilen dokumentiert und rechtskräftig; an den Fakten besteht kein vernünftiger Zweifel. Was ein Tribunal nicht kann, ist die Toten zurückgeben. „Es tut mir leid, dass er gestorben ist und nicht noch ein Weilchen länger gelitten hat, dass er nicht von den Augen unserer Kinder träumen musste“, sagte Munira Subašić. [1]

In Potočari liegen auf dem Friedhof neben der ehemaligen Batteriefabrik tausende schlichte weiße Grabsteine; jeden 11. Juli werden dort neuerlich identifizierte Opfer beigesetzt, die Suche nach den letzten Massengräbern dauert an. Der Tod des Generals beendet diese Geschichte nicht. Er erinnert an ihre eigentliche Frage – die Frage, wie Nachbarn zu Mördern werden können. Sie zu beantworten, ist nicht mehr Aufgabe der Richter, sondern der Gesellschaften, in deren Namen Mladić tötete. [3]

QUELLEN UND BELEGE

Die hochgestellten Ziffern im Text verweisen auf folgendes Verzeichnis. Zugriffsdatum aller Online-Quellen: 27. August 2026.

[1]  Associated Press (AP): „Ratko Mladic, ex-Bosnian Serb warlord who oversaw atrocities, dies in prison at 84“, 27.08.2026.  https://apnews.com/article/ratko-mladic-obit-03abf53803bef360978882d89024c475

[2]  NPR / The Associated Press: „Ratko Mladic, ex-Bosnian Serb warlord, dies in prison at 84“, 27.08.2026.  https://www.npr.org/2026/08/27/nx-s1-5946375/ratko-mladic-dead

[3]  ZEIT ONLINE (Eric Voigt): „Massaker von Srebrenica: Bosnisch-serbischer Kriegsverbrecher Ratko Mladić ist tot“, 27.08.2026.  https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-08/bosnisch-serbischer-kriegsverbrecher-ratko-mladi-ist-tot-gxe

[4]  CNN (Ivana Kottasová): „Ratko Mladić, Bosnian-Serb general dubbed the ‚Butcher of Bosnia‘, dies aged 84“, 27.08.2026.  https://us.cnn.com/2026/08/27/europe/ratko-mladic-bosnian-serb-dead-intl

[5]  ORF: „1942–2026: Ratko Mladic ist tot“, 27.08.2026.  https://orf.at/stories/3285348/

[6]  WELT: „‚Schlächter von Srebrenica‘: Bosnisch-serbischer Kriegsverbrecher Ratko Mladić ist tot“, 27.08.2026.  https://welt.de/politik/ausland/article6a90316b0c649aabd9715b10/schlaechter-von-srebrenica-bosnisch-serbischer-kriegsverbrecher-ratko-mladic-ist-tot.html

[7]  FOCUS Online: „Bosnisch-serbischer Kriegsverbrecher Ratko Mladić ist tot“, 27.08.2026.  https://www.focus.de/politik/ausland/bosnisch-serbischer-kriegsverbrecher-ratko-mladic-ist-tot_62044a09-6c1a-49fd-b42d-eb9f1caea181.html

[8]  ZEIT ONLINE: „Ratko Mladić: Gericht lehnt vorläufige Freilassung von Kriegsverbrecher Mladić ab“, 15.05.2026.  https://www.zeit.de/gesellschaft/2026-05/ratko-mladic-kriegsverbrecher-haftentlassung-irmct-den-haag-gxe

[9]  Human Rights Watch: „ICTY/Bosnien: Ratko Mladic wegen Völkermord verurteilt“, 22.11.2017.  https://www.hrw.org/de/news/2017/11/22/icty/bosnien-ratko-mladic-wegen-voelkermord-verurteilt

[10]  Reuters (Anthony Deutsch, Stephanie van den Berg): „Genocide conviction upheld against former Bosnian Serb military chief Mladic“, 08.06.2021.  https://www.reuters.com/world/europe/bosnian-serb-military-leader-mladic-will-hear-final-verdict-genocide-case-2021-06-08/

[11]  Jurist News: „UN court confirms Ratko Mladić convictions and life sentence“, 09.06.2021.  https://www.jurist.org/news/2021/06/un-court-confirms-ratko-mladic-convictions-and-life-sentence/

[12]  SRF: „Schuldig wegen Völkermords – Die wichtigsten Fakten zum Mladic-Prozess“, 22.11.2017.  https://www.srf.ch/news/international/schuldig-wegen-voelkermords-die-wichtigsten-fakten-zum-mladic-prozess

[13]  Westfälische Nachrichten: „Erinnerung an den Krieg: Sarajevos ‚Tunnel des Lebens‘“ (Zahlen zur Belagerung Sarajevos), 22.08.2017.  https://www.wn.de/freizeit/ratgeber/reise/erinnerung-an-den-krieg-sarajevos-tunnel-des-lebens-1436088

[14]  Deutschlandfunk Kultur (Weltzeit): „Im Schatten von Srebrenica“, 30.01.2020.  https://www.deutschlandfunkkultur.de/20-jahre-nach-dem-bosnien-krieg-im-schatten-von-srebrenica-100.html

[15]  Genocide Alert e. V.: „Hintergrund: Der Völkermord in Srebrenica 1995“, 09.07.2015.  https://www.genocide-alert.de/hintergrund-der-voelkermord-in-srebrenica-1995/

[16]  Gesellschaft für bedrohte Völker (Interview mit Hatidža Mehmedović): „Eine Überlebende des Völkermordes von Srebrenica berichtet“, 13.07.2013.  https://www.gfbv.de/de/news/eine-ueberlebende-des-voelkermordes-von-srebrenica-berichtet-2417/

[17]  taz, die tageszeitung: „Beginn des Bosnienkriegs vor 30 Jahren: Hilflos, unklar und teils vergessen“, 06.04.2022.  https://taz.de/Beginn-des-Bosnienkriegs-vor-30-Jahren/!5843289/

[18]  Wikipedia (englischsprachige Ausgabe): „Ratko Mladić“ – Angaben zur Festnahme in Lazarevo (Stand: 27.08.2026).  https://en.wikipedia.org/wiki/Ratko_Mladi%C4%87

[19]  Wikipedia (deutschsprachige Ausgabe): „Ratko Mladić“ – Angaben zu Flucht, Prozess und Urteil (Stand: 27.08.2026).  https://de.wikipedia.org/wiki/Ratko_Mladi%C4%87

[20]  Queen’s University, Faculty of Law (Global Justice Journal): „Mladić’s conviction and sentence upheld on appeal“, 16.06.2021.  https://globaljustice.queenslaw.ca/news/mladics-conviction-and-sentence-upheld-on-appeal

Foto: Evstafiev Mikhail (Wikipedia 1993)

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