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Startseite Politik

Das Bellevue-Paradoxon: Wer soll nächster Bundespräsident werden?

by Redaktion
09.08.2026
in Politik
Lesezeit: 12 mins read
Die „Reichsbürger“ breiten sich aus wie eine Krake – Szene im Raum Neustadt, Lambrechter Tal und der Südlichen Weistrasse aktiv
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Politischer Fachbericht & Demoskopie-Report – Erarbeitet vom Recherche-Team von NACHRICHTEN REGIONAL

Umfassende Meta-Analyse aller aktuellen Umfragen zur Steinmeier-Nachfolge 2027: Warum Angela Merkel führt, Prominente die Polit-Elite distanzieren und die Wähler bei der Geschlechterfrage völlig anders ticken als Berlin.

Die Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier neigt sich ihrem verfassungsrechtlichen Ende zu: Im Frühjahr 2027 tritt die 17. Bundesversammlung zusammen, um das höchste Amt im deutschen Staat neu zu besetzen. Da Steinmeier gemäß Art. 54 Abs. 2 Grundgesetz nach zwei fünfjährigen Amtsperioden nicht erneut kandidieren darf, ist das Rennen um Schloss Bellevue voll entbrannt. Eine synoptische Auswertung aller vorliegenden demoskopischen Erhebungen – von Forsa über YouGov und Civey bis hin zu INSA – zeichnet ein faszinierendes und teils paradoxes Bild der öffentlichen Meinung: Während der Berliner Politikbetrieb intensiv über Frauenquoten, Proporz und Parteibücher verhandelt, wünscht sich die Bevölkerung vor allem eines:

Persönliche Integrität, parteiübergreifende Ausgleichskraft, Generationenwechsel – und zeigt sich gegenüber ideologischen Vorgaben demonstrativ pragmatisch

EXECUTIVE SUMMARY: DIE 5 KERNBEFUNDE DER META-ANALYSE

1. Merkel führt, polarisiert aber maximal: 47 % halten die Altkanzlerin für geeignet – Platz 1 im Ranking. Zugleich halten 48 % sie für ungeeignet. Merkel selbst schließt eine Kandidatur kategorisch aus.
2. Quereinsteiger deklassieren Polit-Elite: TV-Größen wie Günther Jauch (25 %) und Hape Kerkeling (24 %) erzielen höhere Eignungswerte als Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (20 %) oder Ministerpräsident Boris Rhein (11 %).
3. Demoskopischer Pragmatismus statt Geschlechterdebatte: Zwischen 59 % und 74 % der Bürger ist das Geschlecht des Staatsoberhaupts egal. Nur 15 bis 21 % insistieren auf einer Frau.
4. Drang zur Verjüngung: 63 % fordern einen Bundespräsidenten unter 60 Jahren – was etablierte Favoriten vor enorme Hürden stellt.
5. Regionale Bruchlinie: Während bundesweit 58 % die Herkunft egal ist, pochen 43 % der Ostdeutschen auf ein Staatsoberhaupt mit ostdeutscher Biografie.

Die demoskopische Rangliste: Wer führt im Rennen ums Schloss Bellevue?

Die detaillierteste Erhebung zur Eignung konkreter Persönlichkeiten legte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im August 2026 (im Auftrag von RTL und ntv) vor. Dabei wurde eine repräsentative Stichprobe von 1.000 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern nach ihrer Einschätzung zur Bundespräsidentschafts-Eignung von neun prominenten Akteuren aus Politik, Kultur und Medien befragt.

Die Ergebnisse verdeutlichen eine beispiellose Spreizung:

• Angela Merkel (CDU): Mit 47 Prozent Eignungszuspruch distanziert die Altkanzlerin das gesamte Feld um über zwanzig Prozentpunkte. Gleichzeitig attestieren ihr jedoch 48 Prozent mangelnde Eignung (5 Prozent unentschieden/weiß nicht). Merkel ist die einzige Person im Feld mit einer nahezu 100-prozentigen Bekanntheit, bündelt aber auch die stärkste Lagerpolarisierung im Land.
• Ilse Aigner (CSU): Die amtierende bayerische Landtagspräsidentin, die von Parteichef Markus Söder forciert wird, erreicht mit 26 Prozent den zweiten Platz. Ihr Problem ist jedoch kein hohes Maß an aktiver Ablehnung (38 Prozent), sondern ein dramatisches Bekanntheitsdefizit: 36 Prozent der Bundesbürger kennen sie nicht oder können sie nicht einschätzen.
• Günther Jauch & Hape Kerkeling (Parteilos): Mit 25 bzw. 24 Prozent Eignungszuspruch folgen zwei der profiliertesten Medienpersönlichkeiten des Landes unmittelbar auf Aigner und lassen fast das gesamte aktive Bundeskabinett hinter sich.
• Das etablierte Politiker-Mittelfeld: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) kommt auf 20 Prozent Eignung, sieht sich aber mit 63 Prozent Nichteignung der mit Abstand höchsten Ablehnungsquote aller Kandidaten ausgesetzt. Die frühere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erreicht 19 Prozent, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) 18 Prozent.
• Das Sichtbarkeitsproblem der Landespolitiker: Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), der in CDU-Kreisen als potenzieller Kompromisskandidat ventiliert wird, kommt auf nur 11 Prozent Eignung – 62 Prozent der Deutschen kennen ihn schlichtweg nicht. Karin Prien (CDU), Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, erreicht 7 Prozent Eignung bei 54 Prozent Unbekanntheit.

Das Phänomen Merkel und die Sehnsucht nach Quereinsteigern

Die demoskopische Auswertung der Parteianhängerschaften offenbart ein bemerkenswertes politisches Phänomen: Angela Merkel zieht ihre stärkste Unterstützung ausgerechnet aus dem progressiven Mitte-Links-Lager, das einst in scharfer Opposition zu ihrer Politik stand. Bei den Anhängern von Bündnis 90/Die Grünen halten sagenhafte 75 Prozent Merkel für eine geeignete Bundespräsidentin; unter den Wählern der Linkspartei sind es 70 Prozent. Im Lager der Union (CDU/CSU) und bei der SPD votieren jeweils 55 Prozent für Merkel. Selbst im Lager der AfD, die über Jahre hinweg ‚Merkel muss weg‘ zum zentralen Kampagnenslogan erhob, attestieren ihr noch 23 Prozent die staatsmännische Eignung.

Diese breite Zuneigung ist Ausdruck einer tiefen bürgerlichen Sehnsucht nach Verlässlichkeit, internationaler Statur und unaufgeregter Amtsführung. Doch politisch ist dieser Spitzenwert eine Schimäre: Die Altkanzlerin hat jede Ambition auf das Amt mehrfach und entschieden zurückgewiesen. Beim WDR-Europaforum formulierte Merkel prägnant: ‚Ich war 16 Jahre lang Bundeskanzlerin. Dieses Amt braucht jemand, der mehr Kraft hat.‘ Merkel steht damit als demoskopische Messlatte im Raum, an der sich künftige Kandidaten messen lassen müssen, scheidet als reale Bewerberin jedoch aus.

Das Phänomen Kerkeling & Jauch: Zivilgesellschaft deklassiert Berufspolitik

Dass Günther Jauch (25 Prozent) und Hape Kerkeling (24 Prozent) in der Gunst der Wähler vor Spitzenpolitikerinnen wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (20 Prozent) liegen, ist kein bloßer Unterhaltungs-Reflex, sondern transportiert eine fundamentale Botschaft über das Repräsentationsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger.

Im Fall von Hape Kerkeling resultiert der Zuspruch nicht primär aus seiner humoristischen Vergangenheit, sondern aus seinem geschichtspolitischen Auftritt im April 2026: Anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald hielt Kerkeling eine Gedenkrede von herausragender moralischer Klarheit, intellektueller Schärfe und parteipolitischer Unabhängigkeit. Diese Rede verschaffte ihm in Rekordzeit parteiübergreifenden Respekt – insbesondere im links-ökologischen Spektrum, wo ihn laut Forsa 47 Prozent der Linken-Wähler für das Bundespräsidialamt geeignet halten.

Dieses Ergebnis spiegelt die generelle Präferenz wider: 31 Prozent aller Bundesbürger wünschen sich ausdrücklich eine Person von außerhalb des klassischen Politikbetriebs. Bei Anhängern der Linken (43 Prozent) und der AfD (40 Prozent) übersteigt dieser Wunsch sogar die Nachfrage nach politischer Routine. Zwar fordern 46 Prozent bundesweit weiterhin aktive politische Erfahrung (angeführt von 70 Prozent der SPD- und 54 Prozent der Unions-Wähler), doch die Offenheit für ein ‚Modell Gauck‘ – eine moralische Leitfigur der Zivilgesellschaft – ist demoskopisch so lebendig wie selten zuvor.

Die Geschlechterfrage: Politischer Elitendiskurs vs. demoskopischer Pragmatismus

In keinem Bereich ist die Kluft zwischen dem Berliner Politikbetrieb und der breiten Bevölkerung so augenfällig wie bei der Geschlechterfrage. In den Parteizentralen von SPD, Grünen und Teilen der Union galt es in den vergangenen Monaten nahezu als Dogma, dass die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier nach zwölf männlichen Bundespräsidenten zwingend eine Frau sein müsse. Doch eine systematische Synopse über vier unabhängige Demoskopie-Institute (Forsa, YouGov, Civey und INSA) belegt: Die Bürgerinnen und Bürger teilen diesen Fixpunkt der Parteistrategen nicht.

Abbildung 2: Geschlechterpräferenz für das Amt des Bundespräsidenten im Institutsvergleich. Quellen: Forsa (Aug. 2026), YouGov (Aug. 2026), Civey (Aug. 2026), INSA (Feb. 2026).

Die demoskopischen Befunde im Detail:

1. Forsa (RTL/ntv, August 2026): Für 74 Prozent der Deutschen ist das Geschlecht des nächsten Staatsoberhaupts vollkommen egal. Nur 19 Prozent wünschen sich gezielt eine Frau, lediglich 5 Prozent einen Mann.

2. YouGov (Welt am Sonntag, August 2026): 72 Prozent erklären, das Geschlecht spiele keine Rolle. 15 Prozent bevorzugen eine Frau, 8 Prozent einen Mann.

3. Civey (Web.de, August 2026, n ≈ 5.000): 59 Prozent stufen das Geschlecht als unwichtig ein. Nur 21 Prozent finden eine Frau an der Staatsspitze wichtig; 20 Prozent sind unentschieden.

4. INSA (The European, Februar 2026): 52 Prozent sagen ‚egal‘, 25 Prozent wünschen sich eine Frau, 16 Prozent einen Mann (im September 2025: 51 % egal, 34 % Frau wichtig).

Frauen fordern keine Quote – Grüne und Linke bilden Ausnahme

Auch die soziodemografische Differenzierung stützt die These des nüchternen Wählerpragmatismus: Selbst Frauen sprechen sich mit überwältigender Mehrheit gegen eine geschlechtsbezogene Festlegung aus. Laut Forsa sagen 68 Prozent der Frauen, das Geschlecht sei ihnen egal; nur 27 Prozent fordern eine Frau (Männer: 81 Prozent egal, 11 Prozent Frau). Laut Civey halten 51 Prozent der Frauen die Geschlechterfrage für unwichtig und lediglich 25 Prozent für wichtig (Männer: 65 Prozent unwichtig, 17 Prozent wichtig).

Eine mehrheitliche Bevorzugung einer weiblichen Kandidatin lässt sich demoskopisch einzig im grünen und linken Parteimilieu nachweisen. Laut Civey halten 55 Prozent der Grünen-Anhänger eine Frau für wichtig. Bei der SPD-Anhängerschaft hält sich das Bild die Waage (40 Prozent wichtig vs. 38 Prozent unwichtig). Im Unions-Lager (81 Prozent egal) und bei der AfD (80 Prozent egal) dominiert vollkommene Indifferenz.

Die demoskopische Botschaft ist unmissverständlich: Die Wählerschaft honoriert Format, Überparteilichkeit und Eignung, straft aber Versuche ab, das Amt über Identitätspolitik zu besetzen. Eine Kandidatin wie Ilse Aigner punktet beim Bürger durch ihre Amtsführung und Ausstrahlung, nicht qua Geschlecht.

Das ideale Anforderungsprofil: Jung, zentristisch und repräsentativ

Welche Attribute muss das ideale Staatsoberhaupt mitbringen? Jenseits von Namen und Geschlecht zeichnen die Tiefenbefragungen von INSA und Forsa ein präzises Profil der gesellschaftlichen Erwartungen in drei Dimensionen:

Abbildung 3: Anforderungsprofil der Bevölkerung an das Staatsoberhaupt (Quellen: Forsa & INSA 2026).

1. Das Alters-Dilemma: Sehnsucht nach einem Bundespräsidenten unter 60

Historisch galt das Bundespräsidialamt als krönender Abschluss langer politischer Lebenswerke für Persönlichkeiten jenseits des 60. Lebensjahres (Steinmeier 71, Gauck 77, von Weizsäcker 74 bei Ausscheiden). Die INSA-Studie vom Februar 2026 zeigt jedoch, dass die Bevölkerung mit dieser Tradition brechen möchte: Fast zwei Drittel der Bürger (63 Prozent) fordern einen Bundespräsidenten, der jünger als 60 Jahre ist.

Im Detail wünschen sich 29 Prozent eine Persönlichkeit im Alter von 40 bis 49 Jahren und 34 Prozent im Alter von 50 bis 59 Jahren. Lediglich 14 Prozent präferieren ein Staatsoberhaupt über 60 Jahre (18 Prozent ist das Alter egal). Unter den unter 50-jährigen Wählern votiert sogar die absolute Mehrheit für einen Kandidaten unter 50. Dies stellt etablierte Wunschkandidaten wie Merkel (72), Jauch (70) oder Söder (60) vor eine demoskopische Hürde, während Akteure wie Julia Klöckner (53) oder Boris Rhein (54) dem Altersprofil entsprechen.

2. Politische Mitte als oberstes Gebot

Bei der ideologischen Ausrichtung fordert eine überwältigende Mehrheit der Wähler über fast alle Parteigrenzen hinweg eine Verankerung in der politischen Mitte. Das Staatsoberhaupt soll Brücken bauen, den gesellschaftlichen Diskurs entgiften und nicht als verlängerter Arm von Regierungsmehrheiten agieren. Nur unter AfD-Anhängern wünscht sich eine relative Mehrheit (42 Prozent) einen dezidiert rechts-konservativen Amtsinhaber.

3. Das Ost-West-Gefälle bei der Repräsentanz

Auf Bundesebene geben 58 Prozent an, dass ihnen die regionale Herkunft des Bundespräsidenten gleichgültig ist (22 Prozent bevorzugen Westdeutschland, 14 Prozent Ostdeutschland). Hinter diesem scheinbar harmonischen Wert verbirgt sich jedoch ein brisantes Regionalgefälle: In den ostdeutschen Bundesländern halten es 43 Prozent für wichtig, dass der nächste Bundespräsident aus dem Osten stammt (im Westen verlangen nur 25 Prozent einen Westdeutschen). Dass unter den derzeit im Bund debattierten Favoriten kaum ostdeutsche Stimmen präsent sind, birgt das Risiko neuer Entfremdungsgefühle.

Das Spannungsfeld zwischen Bürgerwille und Bundesversammlung

Die demoskopische Auswertung steht in einem permanenten Spannungsverhältnis zur verfassungsrechtlichen Realität der Bundesrepublik Deutschland. Gemäß Artikel 54 des Grundgesetzes obliegt die Wahl des Staatsoberhaupts nicht dem Volk, sondern der Bundesversammlung. Dieses Verfassungsorgan – das größte parlamentarische Gremium Deutschlands – tritt alle fünf Jahre ausschließlich zu diesem Zweck zusammen.

DER VERFASSUNGSRECHTLICHE RAHMEN DER BUNDESPRÄSIDENTENWAHL
VERFASSUNGSRECHTLICHE REGELUNGEN GEMÄSS ART. 54 GG:
• Zusammensetzung: Die Bundesversammlung besteht aus allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie einer gleichen Anzahl von Delegierten, die von den 16 Landesparlamenten gewählt werden.
• Quorum: In den ersten beiden Wahlgängen ist die absolute Mehrheit der Stimmen (Kanzlermehrheit) erforderlich. Erst ab dem dritten Wahlgang genügt die einfache Mehrheit.
• Unvereinbarkeiten (Art. 55 GG): Der Bundespräsident darf weder der Regierung noch einer gesetzgebenden Körperschaft angehören und kein anderes besoldetes Amt ausüben.

Diese Wahlordnung führt dazu, dass Umfrage-Favoriten und parlamentarische Mehrheiten regelmäßig divergieren. In der Bundesversammlung zählen keine demoskopischen Beliebtheitswerte, sondern die strikte Fraktionsdisziplin und Koalitionsabkommen. Nach den jüngsten politischen Verschiebungen verfügt kein Lager über eine eigene absolute Mehrheit. Die Wahl im Frühjahr 2027 wird daher ein Verhandlungsergebnis zwischen den großen demokratischen Fraktionen – vor allem CDU/CSU, SPD und Grünen – sein.

Vier reale Szenarien für die 17. Bundesversammlung 2027

Aus dem Zusammenspiel von Demoskopie und parlamentarischer Arithmetik lassen sich vier maßgebliche Szenarien ableiten:

1. Das bayerisch-konservative Szenario (Ilse Aigner / CSU): Als Landtagspräsidentin steht Aigner für parlamentarische Würde und bürgerliche Solidität. Sie hat den Rückhalt von Markus Söder und erfüllt den Wunsch nach der ersten Bundespräsidentin, ohne ideologisch polarisierend zu wirken. Ihre Herausforderung: Sie muss die Unions-Delegierten aus den nördlichen und östlichen Ländern hinter sich einen und die SPD als Koalitionspartner überzeugen.

2. Das hessische Integrations-Szenario (Boris Rhein / CDU): Hessens Regierungschef wird in Unionskreisen als staatsmännischer Kompromisskandidat gehandelt. Rhein führt in Wiesbaden eine geräuschlose Regierung und ist im Bundesrat hervorragend vernetzt. Nachteil: Sein bundesweiter Eignungswert von nur 11 Prozent und seine Bekanntheitslücke (62 Prozent) erfordern massive Überzeugungsarbeit in der Öffentlichkeit.

3. Das Fraktions- und Partei-Szenario (Julia Klöckner / CDU):
Als Bundestagspräsidentin besetzt Klöckner bereits das zweithöchste Staatsamt und verfügt über ein exzellentes Netzwerk im Parlament. Demoskopisch ist sie jedoch durch eine extrem hohe Ablehnung (63 Prozent Nichteignung) belastet, was ihre Wahl zur Zerreißprobe für das überparteiliche Ansehen des Amtes machen könnte.

4. Das zivilgesellschaftliche Konsens-Szenario (Modell Gauck / Bundesverfassungsgericht):
Sollten sich die Parteien im parteitaktischen Proporz blockieren, könnte der Weg frei werden für eine überparteiliche Persönlichkeit aus der Justiz (z. B. ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts), der Diplomatie oder Wissenschaft. Ein solcher Schritt würde den Wunsch von 31 Prozent der Bürger nach einem unabhängigen Staatsoberhaupt aufgreifen.

Fazit und journalistische Gesamtschau

Die Meta-Analyse aller Umfragen zum Thema ‚Wer soll nächster Bundespräsident werden‘ zeichnet das Bild einer demoskopisch gereiften, erstaunlich unaufgeregten Wählerschaft. Die Bürgerinnen und Bürger verweigern sich den symbolpolitischen Verengungen des Berliner Politikbetriebs. Weder lassen sie sich auf eine künstliche Geschlechterdebatte reduzieren, noch verharren sie in starren Parteimustern.

Die hohe Zustimmung für Angela Merkel dokumentiert die Sehnsucht nach einem ruhenden Pol und souveräner Krisenfestigkeit in einer zerrissenen Welt. Dass gleichzeitig TV-Moderatoren wie Günther Jauch und geschichtsbewusste Künstler wie Hape Kerkeling etablierte Spitzenpolitiker in der Eignung übertreffen, ist ein unüberhörbares Alarmsignal an den Politikbetrieb: Wer das Schloss Bellevue betritt, muss über den Tellerrand parteitaktischer Sprechblasen hinaus blicken können.

Für die Delegierten der 17. Bundesversammlung im Frühjahr 2027 liegt die Messlatte hoch. Sie sind gut beraten, bei der Kür des 13. Bundespräsidenten nicht bloß Posten zu verschieben, sondern eine Persönlichkeit zu nominieren, die das Vertrauen der Mitte rechtfertigt, den Generationenwechsel verkörpert und die Zerrissenheit des Landes heilen hilft.

Detaillierte Quellennachweise und methodische Dokumentation

Die vorliegende Analyse stützt sich auf eine vollständige Synthese der öffentlich verfügbaren, repräsentativen Umfragen namhafter Demoskopie-Institute sowie auf amtliche Primärquellen:

Institut / MediumErhebungszeitraumStichprobe / MethodeZentrale Fragestellung
Forsa Politik- und Sozialforschung
(Auftrag: RTL / ntv)
5. – 6. August 2026n = 1.000 Befragte
Repräsentativ, CATI/Online
Fehlertoleranz ±3,0 %
Eignung von 9 Kandidaten, Geschlechterpräferenz, Politische Vorerfahrung.
YouGov Deutschland
(Auftrag: Welt am Sonntag)
August 2026n ≈ 2.000 Befragte
Repräsentativ, Online-Panel
Geschlechterpräferenz und Bedeutung einer Frau im Bundespräsidialamt.
Civey Meinungsforschung
(Auftrag: Web.de / 1&1)
5. – 7. August 2026n ≈ 5.000 Befragte
Repräsentativ, Online-Panel
Fehlertoleranz ±2,5 %
Wichtigkeit einer Bundespräsidentin (Frau vs. Mann vs. Unwichtig).
INSA-Consulere / H. Binkert
(Auftrag: The European)
Februar 2026n = 1.000+ Befragte
Repräsentativ, Online/Telefon
Anforderungsprofil: Wunsch-Alter, Ost/West-Herkunft, Parteiausrichtung.
INSA-Consulere / H. Binkert
(Auftrag: The European)
September 2025n = 1.000+ Befragte
Repräsentativ, Online/Telefon
Bedeutung einer Frau im Amt des Bundespräsidenten.

Verfassungsrechtliche Primärquellen und Referenzen

1. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG), Art. 54 (Wahl des Bundespräsidenten) und Art. 55 (Inkompatibilitäten).
2. Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung (BPräsWahlG) vom 25. April 1959 (BGBl. I S. 230), in der jeweils gültigen Fassung.
3. Dokumentation des Deutschen Bundestages zur Zusammensetzung der Bundesversammlung und den Mehrheitsverhältnissen.
4. Offizielle Verlautbarungen des Bundespräsidialamtes zur Beendigung der zweiten Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (18. März 2027).

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Schlagworte: Das Bellevue-Paradoxum: Wer soll nächster Bundespräsident werden?
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