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CityBus SüdWest kündigt Hasslocher Ruftaxi

by Karin Hurrle
13.09.2026
in Hassloch
Lesezeit: 15 mins read
CityBus SüdWest kündigt Hasslocher Ruftaxi
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Fahrdienst endet wohl Ende Dezember – Reaktion der Gemeinde steht noch aus

Nach 24 Jahren kündigt der Betreiber den Vertrag – aber niemand im Ort hat die Abschaffung beschlossen. Eine Spurensuche zwischen Fahrgastzahlen, Förderlogik und einem Land, das auf App-Bestellung umstellt.

Seit 2002 fährt durch Haßloch ein Fahrzeug, das nur rollt, wenn es jemand anruft. 31 Haltestellen, Halbstundentakt an fünf Werktagen, zwei Euro zwanzig pro Fahrt, für Inhaberinnen und Inhaber von Zeitkarten kostenlos: Das Ruftaxi der Linie 5916 war ein Versprechen auf Mobilität im „größten Dorf Deutschlands“, wie die Gemeinde mit rund 20.400 Einwohnern oft genannt wird. Genau dieses Versprechen wackelt. Wie die RHEINPFALZ am 7. September 2026 berichtete, hat die CityBus SüdWest GmbH, die den Verkehr betreibt, den Vertrag mit der Gemeinde Anfang Juli „fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ gekündigt. Ein letzter Fahrtag ist – Stand 13. September 2026 – nirgends offiziell veröffentlicht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob das Ruftaxi verschwindet. Sondern: Wer nimmt den Bürgern diese Möglichkeit – und mit welcher Begründung? Die Recherche in Beschlüssen, Fahrplänen, Förderregularien und der Statistik vergleichbarer Kommunen zeigt: Es war kein Votum des Gemeinderats gegen das Ruftaxi. Es war die Kalkulation eines Unternehmens. Und dahinter ein System, das in der ganzen Region unter Druck steht.

Was gesichert ist – und was nicht

Die Faktenlage ist schmal, weil die Gemeinde sich bislang nicht erklärt hat. Belegbar ist Folgendes:

  • Der Betreiber hat gekündigt. Nach Angaben der RHEINPFALZ (07.09.2026) beförderte die CityBus SüdWest GmbH im vergangenen Jahr 3.841 Fahrgäste auf 2.554 Fahrten und löste Anfang Juli 2026 den Vertrag mit der Gemeinde zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf.
  • Die Gemeinde bestätigt das Ende bislang nicht. Auf www.hassloch.de wird das Ruftaxi am 13.09.2026 weiterhin als laufendes Angebot beschrieben – mit Bestellnummer, Haltestellenplan und einem Fahrplan-Download aus dem Fahrplanjahr 2026, in dem die Linie ganz normal ausgewiesen ist. Ein Hinweis auf eine Einstellung fehlt.
  • Im Netzplan ist die Linie noch drin. In den VRN-Fahrplandaten, die Drittportale am 13.09.2026 ausspielten, wird Haßloch weiterhin mit den Ruftaxi-/ALT-Linien 5916 und 5917 geführt; auch der VRN nennt Haßloch nach wie vor als Ort mit digitaler Ruftaxi-Buchung.
  • Der Gemeinderat hat nicht abgewählt. Die öffentliche Tagesordnung des Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschusses vom 16. September 2026 nennt vier Tagesordnungspunkte – kein einziger zum Ruftaxi. Ein Beschluss über das Ende existiert in den öffentlich einsehbaren Sitzungsunterlagen nicht.
  • Ein Datum fehlt. Welcher Tag der letzte sein soll, ist aus keiner öffentlichen Quelle ableitbar. Die RHEINPFALZ formuliert entsprechend vage: „Damit ist in dieser Form bald Schluss.“

Einordnung: Was die Formulierungen bedeuten

Eine fristgerechte Kündigung eines Verkehrsvertrags durch das Unternehmen ist keine politische Entscheidung der Gemeinde – sie entzieht dem Angebot aber die Betriebsgrundlage. Ohne Betreiber kann die Gemeinde das Ruftaxi nicht fahren lassen. Solange kein Nachfolger beauftragt ist, läuft der Vertrag bis zu seinem Ende weiter. Erst mit einem Übergangsbetrieb, einer Neuausschreibung oder einem anderen System entscheidet sich, ob und wie es weitergeht. Wer also fragt, warum „den Bürgern diese Möglichkeit genommen“ wird, muss die Frage zuerst an den Markt richten: An die Wirtschaftlichkeit eines Angebots, das fast keine Erlöse erzeugt.

Das Rechenbeispiel: ein Bus auf Bestellung, der sich selbst nicht füllt

3.841 Fahrgäste, verteilt auf 2.554 Fahrten – das sind im Schnitt 1,5 Personen pro Fahrt. Bei rund 250 Werktagen im Jahr ergeben sich etwa 15 beförderte Menschen pro Tag in einer Gemeinde mit 20.400 Einwohnern (eigene Berechnung auf Basis der RHEINPFALZ-Zahlen; die Zählweise für „Fahrt“ – Umlauf oder Einzelfahrauftrag – ist nicht dokumentiert). Auf dem Papier heißt das: Auf den neun Sitzen des Fahrzeugs blieben pro Fahrt im Schnitt siebeneinhalb Plätze frei – und weil fast nichts eingenommen wird, hängt praktisch das ganze Defizit an der Gemeindekasse.

Die Schwäche ist alt und wohldokumentiert. 2017 berichtete die RHEINPFALZ von rund 50 Fahrgästen pro Tag; 2018 warb der Seniorenbeirat mit durchschnittlich 25 Fahrgästen und gestand offen ein, dass „die Kapazität noch längst nicht ausgeschöpft“ sei. Die Gemeinde ließ Flyer drucken, gründete einen Arbeitskreis Ruftaxi, warb im Seniorenkalender. 2026 sind es nach den jetzt bekanntgewordenen Zahlen rechnerisch rund 15. Die Kurve zeigt nach unten – ob sie es ausschließlich täte, wäre ohne Vergleichbarkeit der Zählweisen redlich nicht zu sagen.

Hinzu kommt ein Tarif-Paradox. Das Ruftaxi ist offiziell ein „besonderer Tarif“: 2,20 Euro pro Fahrt, aber kostenlos für alle mit Deutschlandticket, VRN-Jahreskarte, MAXX-Ticket, Karte ab 60 oder Jobticket. Die wichtigste Nutzergruppe – ältere Menschen mit Zeitkarte – fährt also gratis, die Mitnahmeregelung der Zeitkarten gilt im Ruftaxi nicht. Das ergibt eine hohe Akzeptanz im Alltag, aber praktisch keine Einnahmen. Und ohne Einnahmen hängt jeder Euro Defizit an der Kasse der Gemeinde.

Eckdaten des Systems (Stand: 13.09.2026)

Linie 5916, seit 2002 in Betrieb, Bestellung unter 0621 1077077 oder 0171 6556517, 31 Haltestellen im gesamten Ortsgebiet, erkennbar an braunen Ruftaxi-Schildern, Montag bis Freitag nach festem Fahrplan, annähernd Halbstundentakt; samstags, sonntags und an Feiertagen kein Betrieb, Vorbestellung spätestens 60 Minuten vor Abfahrt; maximal 9 Plätze; Rollatoren und Einkaufstrolleys möglich, Fahrpreis 2,20 Euro; frei u. a. mit Deutschlandticket, VRN-Jahreskarte, MAXX-Ticket, Karte ab 60, Job-Ticket. Finanzierung: Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und Gemeinde Haßloch tragen die Kosten.

Kein Haßlocher Sonderfall: warum andernorts Betreiber kündigen

Der Blick in die Region zeigt, dass die Kündigung von CityBus SüdWest einem Muster folgt – und dass es für das Muster drei Treiber gibt: Personalkosten, Energiekosten, fehlende Fahrer.

Beispiel Neckargemünd im Rhein-Neckar-Kreis: Dort kündigte der Taxiunternehmer Beckenbach zum 8. Mai 2026 den Betrieb und begründete das offen mit mangelnder Wirtschaftlichkeit – zu wenige zahlende Nutzer bei zu hohen Personal- und Energiekosten. Die Stadt zahlte zuletzt 42.551 Euro Eigenanteil pro Jahr, weil der VRN nur bis zu 45 Prozent der nicht gedeckten Betriebskosten zuschieß. Bürgermeister Jan Peter Seidel beschrieb die Zwickmühle so: „Wir müssen eine Abwägung treffen zwischen einem wichtigen Angebot für verhältnismäßig wenige Nutzer (…) und der Grunderschließung durch die Buslinien für die gesamte Bürgerschaft.“ Nach einer Übergangslösung auf zwei Wochentage beschloss der Gemeinderat am 28. Juli 2026 die Neuausschreibung – mit ausdrücklich verändertem Zuschnitt: künftig täglich 21 bis 24 Uhr, also genau in jener Lücke, in der kein Bus mehr fährt.

Beispiel Verbandsgemeinde Wachenheim, direkt nebenan: Hier standen die Rufe im Sommer 2026 ebenfalls auf Aus. Der beauftragte Taxiunternehmer hatte seine Lizenzen verkauft; zwischen Februar und Oktober 2024 nutzten 14 Fahrgäste das Angebot. Der Rat entschied sich für deutlich höhere Preise statt für die Streichung.

Beispiel Germersheim: Dort endete das Ruftaxi zum Beginn der 2020er-Jahre, nachdem der Betreiber gekündigt hatte und keine andere Firma übernahm – die Taxiunternehmen sagten der Stadt, sie fänden keine Fahrer mehr, obwohl sie mehr Geld bot. Und im Rhein-Pfalz-Kreis wurde die Ruftaxi-Linie 4960 über Jahre ausgedünnt, weil die kommunalen Anteile von 2.500 auf 7.500 Euro pro Gemeinde und Jahr stiegen.

Der Musterfall Haßloch liegt auf einer Linie – mit einer lokalen Verschärfung. Erst im Februar 2024 hatte das Traditionsunternehmen Taxi Braun, das 2019 übernommen worden war, Insolvenz angemeldet; der Fahrdienst Zander kaufte drei Konzessionen und suchte monatelang vergeblich Fahrerinnen und Fahrer. Ein Ort, in dem der Taximarkt selbst um Personal ringt, kann kein Ruftaxi-System tragen, das auf dieselben Fahrer angewiesen ist.

Die Förderlogik: warum das System „freiwillige Leistung“ heißt

Um die Frage nach den Gründen zu beantworten, hilft ein Blick in die Rechtslage. Seit der Novelle des rheinland-pfälzischen Nahverkehrsgesetzes 2021 ist der ÖPNV zwar Pflichtaufgabe der Kommunen – allerdings ausdrücklich „in den Grenzen der finanziellen Leistungsfähigkeit“. Aufgabenträger für den Busverkehr sind die Landkreise, organisiert im Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV Süd), ausgeführt durch die Verbünde. Der Nahverkehrsplan des Landkreises Bad Dürkheim von 2019, auf den auch das Haßlocher Mobilitätskonzept verweist, definiert für Haßloch das Angebot aus Schienen-, Regional- und Stadtbusverkehr – plus „ergänzende Mobilitätsangebote wie Ruftaxis“.

Ein Ruftaxi ist also kein Rechtsanspruch, sondern ein zubestelltes Add-on. Der VRN beschreibt es selbst als Angebot „vor allem auf Strecken in ländlichen Gebieten oder abgelegenen Stadtteilen, in denen am Abend oder am Wochenende wegen geringer Nachfrage keine Buslinie angeboten werden kann“ – bedarfsorientiert, „in der Regel von den Gemeinden bestellt“. Für die bestellende Kommune heißt das: Sie trägt den Rest, den weder Fahrgeldeinnahmen noch der Verbundzuschuss von bis zu 45 Prozent decken. Steigt das Defizit, wird sie es politisch begründen müssen.

Genau hier kollidiert das Design in Haßloch mit seinem Zweck. Ein Verkehrsmittel für Randzeiten ist das 5916 faktisch nicht: Es fährt werktags nach Aushangfahrplan, aber – explizit – nicht abends, nicht samstags, nicht sonntags und nicht an Feiertagen. Es ergänzt damit tagsüber die Buslinien 510, 571 und 574, die im 60-Minuten-Takt fahren, sowie die S-Bahnen S1 und S2. Wer morgens zum Arzt oder mit Einkaufstüten zum Bahnhof will, findet darin eine echte Erleichterung – für die Wirtschaftlichkeit des Systems ist diese Rolle aber zu klein.

Zugleich wurde das Starre besser: Seit August 2025 fahren auf den Hauptlinien des Rhein-Pfalz-Kreises – darunter die 571 über Haßloch – E-Busse mit deutlich verbessertem Standard, weil der Zweckverband ÖPNV Süd die Gesamtkosten des Linienbündels übernimmt. Jede Taktverdichtung der Busse macht ein Zusatzangebot, das auf Abruf fährt, ein Stück entbehrlicher – aus Sicht der Kalkulation, nicht aus Sicht der Älteren, die auf Hilfe beim Einsteigen angewiesen sind.

Der Strategiewechsel: App statt Anruf

Das dritte Element der Erklärung steht in einem 113 Seiten starken Dokument, das am 21. Januar 2026 im Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss lag und am 11. Februar dem Gemeinderat präsentiert wurde: das integrierte Mobilitätskonzept der Gemeinde, erarbeitet vom Büro VAR+ (Darmstadt). Es beschreibt das Ruftaxi nüchtern in der Bestandsaufnahme (31 Haltestellen, Halbstundentakt, Vorbestellung am Telefon, neun Plätze) – und es nimmt die Bürgerkritik ernst: Vor allem die Verbindungen innerorts, die Anbindung an den Bahnhof und „die Taktung des Busses bzw. Ruftaxis“ wurden in der Beteiligung als schlecht bewertet, Umstiege ebenfalls.

In den Maßnahmenkatalog für den ÖPNV hat es das Ruftaxi trotzdem nicht geschafft. Zehn Maßnahmen listet Tabelle 10 des Konzepts auf – Mobilitätsstation am Bahnhof, Fahrrad-Mietsystem, Busverbindung zum Freizeitpark, Anbindung des Gewerbegebiets Süd, umsteigefreie Linie nach Bad Dürkheim. Für den bedarfsorientierten Verkehr steht dort die Maßnahme ÖM-007: „On-Demand-Verkehr“, beziffert mit „keine Angabe“ zu den Kosten. Gemeint ist die Verstetigung und der Ausbau eines Systems, das es in Haßloch längst gibt: „Mobility on Demand“, seit 2024 im Einsatz, gebucht per App oder Telefon, ohne festen Takt, mit Haltepunkten in maximal 450 Metern Abstand und gemeinsamer Auslastung gleichgerichteter Fahrgäste.

Der Kontrast ist kein Zufall, sondern ein Trend. Speyer hat sein starres Anruf-Sammel-Taxi durch ein „VRNruftaxi“ ersetzt – mit normalem Bustarif und ohne Aufpreis für Zeitkarteninhaber, organisiert vom Verbund statt von der Stadt. Andernorts wurden starre AST-Systeme durch flexiblere Buchungsmodelle ersetzt oder die Tarife angepasst, wie in der VG Wachenheim. Überall gilt dieselbe Logik: Ein fahrplanstarres Telefon-Taxi mit 31 festen Haltepunkten ist teuer und starr; ein flexibles Software-System kann dünne Nachfrage billiger absammeln.

Für die Haßlocher Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das zweierlei. Erstens: Der Verlust des Ruftaxis ist in der Sache der Versuch, Mobilität in einem bezahlbaren Format zu retten, nicht, sie abzuschaffen. Zweitens: Ein App-basierter On-Demand-Verkehr ist nicht automatisch besser. Wer ohne Smartphone, ohne Karte und ohne Leselicht unterwegs ist – also genau die Seniorinnen und Senioren, für die das Ruftaxi laut Gemeinde „eine komfortable Möglichkeit“ war –, für den kann ein digitales System eine höhere Hürde sein als ein Anruf beim Taxirufzentrum. Diese Barriere taucht in der Haßlocher Debatte bisher nicht auf.

Offene Punkte, die die Gemeinde beantworten müsste

Aus der Recherche ergeben sich mindestens sechs Fragen, die öffentlich noch nicht beantwortet sind. Ihre Beantwortung entscheidet darüber, ob das Aus schlüssig begründet ist:

  • Zahlen: Wie hoch ist das Defizit des Ruftaxis pro Jahr konkret – und wie verteilt es sich zwischen Gemeinde und VRN? Vergleiche liegen bei rund 42.000 Euro kommunalem Eigenanteil, ein Wert, der für Haßloch nirgends belegt ist.
  • Datum und Bestandsschutz: An welchem Tag fährt das Ruftaxi letztmals? Bleibt bis dahin der volle Fahrplan erhalten, oder wird vorher ausgedünnt?
  • Nachfolge: Wird neu ausgeschrieben? Mit welchem Zeitplan, welchem Umfang und welchem Betriebskostenrahmen? Ein Verfahren wie in Neckargemünd dauert nach dortiger Einschätzung mindestens bis Jahresende.
  • Übergang: Plant die Gemeinde – wie Neckargemünd – einen Übergangsbetrieb, damit nicht ein Teil der Bevölkerung von einem Tag auf den anderen ohne Angebot dasteht?
  • Barrierefreiheit: Wenn das Ruftaxi durch ein App-System ersetzt oder in „Mobility on Demand“ überführt wird, bleibt dann eine telefonische Bestellung mit Assistanz verbindlich garantiert – und für Menschen mit Rollator die Mitnahme von Hilfsmitteln?
  • Beteiligung: Der Seniorenbeirat hatte 2018 einen Arbeitskreis Ruftaxi ins Leben gerufen. Tagt dieser wieder – und wird er gehört, bevor entschieden wird?

Bislang fehlt zu allen Punkten eine öffentliche Stellungnahme; die RHEINPFALZ-Redaktion veröffentlichte die Kündigung am 7. September, die Gemeinde schwieg seither. Dieser Beitrag steht deshalb ausdrücklich auf dem Boden des Belegbaren: Was nicht dokumentiert ist, wird hier nicht behauptet.

Was Nutzerinnen und Nutzer jetzt tun können

  • Wer das Ruftaxi braucht, fährt es weiter wie bisher: Bestellung unter 0621 1077077, spätestens 60 Minuten vor Abfahrt. Ein Einstellen des Betriebs ist öffentlich nicht angekündigt.
  • Wer politisch Einfluss nehmen will, nutzt den öffentlichen Teil der Ausschusssitzungen (Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss am 16. September 2026, 18.30 Uhr, Ratssaal; Tagesordnungen im Bürgerinformationssystem unter www.hassloch.de/buergerinfo) oder wendet sich an den Seniorenbeirat.
  • Wer das Angebot verlieren würde, hat als Rückfang die Buslinien 510 (Neustadt–Haßloch), 571 (Ludwigshafen–Meckenheim–Haßloch), 574 (Haßloch–Deidesheim/Forst), Schulverkehr 573, Freizeitlinie 518 zum Park sowie S1/S2 ab Bahnhof in 9 Minuten nach Neustadt, in 23 Minuten nach Mannheim.
  • Wichtig für die Debatte: Der Wegfall des Ruftaxis trifft tagsüber vor allem Menschen ohne Auto. Die Abend- und Wochenendlücken, für die Ruftaxi-Systeme erfunden wurden, bestehen in Haßloch auch weiterhin.

Die Geschichte des Haßlocher Ruftaxis endet damit vermutlich nicht als Skandal, sondern als Bilanz: Ein Angebot, das 24 Jahre lang verlässlich fuhr, dessen Verlust aber vor allem die trifft, die ohne Auto und ohne Smartphone unterwegs sind. Ob das ein Argument gegen die Einstellung ist oder das stärkste dafür – das ist die politische Frage der kommenden Monate. Beantwortet haben sie Gemeinde, Kreis und Verband bislang nicht.

Quellenverzeichnis

Alle Internetquellen abgerufen am 13. September 2026. Bei RHEINPFALZ-Beiträgen wurden Vorspann, Bildunterschrift und Metadaten ausgewertet; die Volltexte hinter der Zahlschranke sind nicht öffentlich zugänglich.

[1] Kernmeldung: Lara Kauffmann: „Ruftaxi vor dem Aus: Betreiber kündigt überraschend Vertrag“, Die Rheinpfalz, Lokalteil Neustadt, 07.09.2026, 17:11 Uhr. https://www.rheinpfalz.de/lokal/neustadt_artikel,-ruftaxi-vor-dem-aus-betreiber-k%C3%BCndigt-%C3%BCberraschend-vertrag-_arid,5927017.html

[2] Amtliche Angaben zum Betrieb: Gemeindeverwaltung Haßloch: „Ruftaxi“, Leben in Haßloch, Stand 01.02.2025 (abgerufen 13.09.2026). https://www.hassloch.de/gv_hassloch/Leben%20in%20Ha%C3%9Floch/Ruftaxi/

[3] Fahrplan: VRN/Gemeinde Haßloch: Linienfahrplan 5916 „Haßloch Süd–Mitte–West–Bahnhof–Ost–Mitte–Süd“, Download-Fahrplan des Fahrplanjahres 2026 auf hassloch.de (PDF, Zeitstempel 19.01.2026): Montag–Freitag, „An Samstagen, Sonn- und Feiertagen wird diese Linie nicht bedient“, Vorbestellung 60 Minuten, Tel. 0621/1077077, „Besonderer Tarif … Mitnahmeregelung gilt nicht“, „Begrenztes Platzangebot“. https://www.hassloch.de/gv_hassloch/Leben%20in%20Ha%DFloch/Ruftaxi/TTB_vrn_62516_%20_H_j26_1.pdf (Vorgängerfahrplan gültig ab 01.02.2025, gleiche URL-Struktur).

[4] Werbung und Nachfrage 2018: Gemeindeverwaltung Haßloch (Archiv): „Ruftaxi-Angebot in Haßloch“, 2018/2019 (25 Fahrgäste pro Tag, BVB Verkehrsgesellschaft, 2,10 Euro). https://www.hassloch.de/gv_hassloch/Aktuelles/Rathaus/Archiv/2018%20und%202019/Ruftaxi-Angebot%20in%20Ha%C3%9Floch/

[5] Debatte Bürgerbus 2017: Jutta Meyer: „Weiter Ruftaxi statt Bürgerbus“, Die Rheinpfalz, 29./30.12.2017 (rund 50 Fahrgäste pro Tag, „Linienbus auf Bestellung“, wegfallende Landes-Zuschüsse für Bürgerbusse). https://www.rheinpfalz.de/lokal/neustadt/artikel/weiter-ruftaxi-statt-buergerbus/

[6] Tarif-Debatte 2019: Die Rheinpfalz: „Haßloch: Ruftaxi soll attraktiver werden“, 15.01.2019 (Vorschlag des Arbeitskreises, das Ruftaxi in den VRN-Tarif zu integrieren). https://www.rheinpfalz.de/lokal/neustadt_artikel,-ha%C3%9Floch-ruftaxi-soll-attraktiver-werden-_arid,1357527.html

[7] Umstellung Rufnummer 2025: Wochenblatt Reporter: „Neue Rufnummer und Änderungen beim Ruftaxi in Haßloch“, 07.02.2025; dazu Die Rheinpfalz, 10.02.2025. https://www.wochenblatt-reporter.de/hassloch/c-lokales/neue-rufnummer-und-aenderungen-beim-ruftaxi-in-hassloch_a624560

[8] Verbundsystematik: Zweckverband Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN): „Ruftaxi“ (Definition, Bestellfristen, Digitale Buchung u. a. für Haßloch). https://www.vrn.de/mobilitaet/bedarfsverkehre/ruftaxi/index.html

[9] Netzdaten zum Fahrplanjahr 2026: VRN, Fahrplandaten Haltestelle Haßloch Bahnhof, Linie AST/Ruftaxi 5916 und 5917 (Stand 13.09.2026), aggregiert z. B. über fahrplan.guru: https://www.fahrplan.guru/en/stop/germany/rhineland-palatinate/hassloch/hassloch-station

[10] Fall Neckargemünd: Kündigung: Stadt Neckargemünd: „Übergangsbetrieb für Ruftaxi ab 8. Mai 2026 nur freitags und samstags“ (Begründung des Betreibers, Zitat Bürgermeister Seidel). https://www.neckargemuend.de/start/nah+am+buerger/ruftaxi+uebergangsbetrieb.html

[11] Fall Neckargemünd: Kosten und Förderquote: Nussbaum Medien (Süddeutsche/Wochenblatt-Netz): „Wie geht es mit den Ruftaxi-Linien in Neckargemünd weiter?“, 04.03.2026 (42.551 Euro städtischer Eigenanteil, VRN-Zuschuss bis zu 45 Prozent der nicht gedeckten Betriebskosten). https://www.nussbaum.de/entdecken/news/wie-geht-es-mit-den-ruftaxi-linien-in-neckargemuend-weiter-3288251

[12] Fall Neckargemünd: Neuausschreibung: Stadt Neckargemünd: „Gemeinderat beschließt Ausschreibung für Ruftaxi“, Beschluss vom 28.07.2026 (künftig täglich 21–24 Uhr). https://www.neckargemuend.de/start/nah+am+buerger/ruftaxi+ausschreibung.html

[13] Fall VG Wachenheim: Die Rheinpfalz: „Zu teuer, zu selten genutzt: Hier steht das Ruftaxi auf der Kippe“, Lokalteil Bad Dürkheim, 01.09.2026 (14 Fahrgäste Februar bis Oktober 2024, verkaufte Lizenzen, Preiserhöhung). https://www.rheinpfalz.de/lokal/bad-duerkheim_artikel,-zu-teuer-zu-selten-genutzt-hier-steht-das-ruftaxi-auf-der-kippe-_arid,5925015.html

[14] Fall Germersheim: Pfalz-Express: „Germersheim: Ruftaxi wird ab 2022 eingestellt“, 08.12.2021 (Kündigung des Betreibers, keine Nachfolger, Fahrermangel). https://www.pfalz-express.de/germersheim-ruftaxi-wird-ab-2022-eingestellt/

[15] Fall Rhein-Pfalz-Kreis: Die Rheinpfalz: „Das Ruftaxi ist auf dem Prüfstand“, Rhein-Pfalz-Kreis, 31.08.2016 (Kostensprünge von 2.500 auf 7.500 Euro pro Gemeinde und Jahr, Rückzug von Kommunen aus der Linie 4960). https://www.rheinpfalz.de/lokal/rhein-pfalz-kreis_artikel,-das-ruftaxi-ist-auf-dem-pr%C3%BCfstand-_arid,680281.html

[16] Rechtsrahmen: Nahverkehrsgesetz Rheinland-Pfalz (2021): ÖPNV als Pflichtaufgabe innerhalb der finanziellen Leistungsfähigkeit, Zweckverbände ÖPNV Nord/Süd, Aufgabenträgerschaft der Landkreise – zusammengfasst u. a. bei NahverkehrsPraxis (05.05.2020/28.01.2021) und lok-report (29.01.2021). https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/item/22859-rheinland-pfalz-neues-nahverkehrsgesetz-ist-basis-fuer-attraktiveren-oepnv.html

[17] Mobilitätskonzept Haßloch: Gemeinde Haßloch / Planungsbüro VAR+ (Darmstadt): „Integriertes Mobilitätskonzept der Gemeinde Haßloch – finale Fassung“, vorgestellt am 21.01.2026 im Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss, 113 S.; Ruftaxi-Bestand S. 15, ÖPNV-Netz S. 21 f., Bürgerbeteiligung S. 59, Maßnahme ÖM-007 „On-Demand-Verkehr“ S. 84. https://www.hassloch.de/gv_hassloch/Wirtschaften,%20Bauen,%20Wohnen%20&%20Umwelt/Umwelt/Klimamanagement%20&%20Klimastrategie/Klimaschutz/Mobilit%C3%A4t%20&%20Verkehr/Mobilitaetskonzept_finale_Fassung.pdf

[18] Taxi-Markt in Haßloch: Die Rheinpfalz: „Taxi Braun gibt es nicht mehr“ (Insolvenz, Verkauf von drei Konzessionen an den Fahrdienst Zander), arid 5642283; dazu: „Warum es gar nicht so einfach ist, einen Taxi-Betrieb aufrechtzuerhalten“, Interview mit Remo Zander, 04.05.2024, arid 5643829. https://www.rheinpfalz.de/lokal/neustadt_artikel,-warum-es-gar-nicht-so-einfach-ist-einen-taxi-betrieb-aufrechtzuerhalten-_arid,5643829.html

[19] Betreiber und Vorgeschichte: Palatina Bus: Verkaufsstellen-Übersicht mit Eintrag „Haßloch: CityBus SüdWest GmbH (ehem. Blesinger)“, Gottlieb-Duttenhöfer-Straße 55, 67454 Haßloch. https://www.palatinabus.de/de/tickets/verkaufsstellen · CityBus SüdWest GmbH, Unternehmensdarstellung: https://www.citybus-suedwest.de/home.html

[20] Ausbau des Busangebots: Rhein-Pfalz-Kreis/VRN: „Meilenstein für klimafreundliche Mobilität im Rhein-Pfalz-Kreis: E-Busse ergänzen ab August das Angebot“, Pressemitteilung 15.06.2025 (Linienbündel, Kostenübernahme durch den ZÖPNV Süd; Ausnahme Streckenabschnitt Haßloch–Dannstadt). https://www.rhein-pfalz-kreis.de/verwaltung-region/aktuelles/nachrichten/meilenstein-fuer-klimafreundliche-mobilitaet-im-rhein-pfalz-kreis/ · VRN-Fahrplanheft „Da fährt was! Starke Verbindungen in der Rhein-Pfalz“, 2025/2026, https://www.vrn.de/mam/service/downloads/linienbuendel/dokumente/2025-fpb_rhein_pfalz_kreis_bf.pdf

[21] Modell für die Zukunft: On-Demand statt Ruftaxi: Stadt Speyer: „VRNruftaxi für Speyer: Flexibler ÖPNV auf Bestellung“, 15.11.2024 (Ersatz des AST durch Verbundsystem mit Bustarif). https://www.speyer.de/de/rathaus/medieninformationen/archiv-2024/vrnruftaxi-fuer-speyer/ · Ergänzend Die Rheinpfalz: „Mobility on Demand: Demnächst auch in Haßloch?“, arid 5638630 · Daten zu Gemeinde und Linien: Wikipedia-Artikel „Haßloch“ (20.395 Einwohner zum 31.12.2025, Mittelzentrum, größte Gemeinde des Landkreises) und Listeneintrag „Liste der größten Städte in Rheinland-Pfalz“.

Redaktioneller Hinweis

Dieser Beitrag wurde auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen recherchiert: der Kernmeldung der RHEINPFALZ vom 7. September 2026, der Website der Gemeinde Haßloch, dem vollständig einsehbaren Mobilitätskonzept der Gemeinde, den Fahrplan- und Verbunddaten des VRN sowie der Berichterstattung über vergleichbare Ruftaxi-Verfahren. Es wurden keine Aussagen erfunden, keine Zitate konstruiert und keine Zahlen geschätzt, die nicht als eigene Berechnung ausgewiesen sind. Zwei Kernlücken der Dokumentation sind im Text gekennzeichnet: Es existiert kein öffentliches Datum für den letzten Fahrtag, und es existiert keine veröffentlichte Kostenaufstellung des Haßlocher Ruftaxis. Sollte die Gemeindeverwaltung diese Zahlen vorlegen, müsste die Bewertung an einigen Stellen ergänzt werden. Eine redaktionelle Nutzung vor Ort empfiehlt eine kurze Nachfrage bei Pressestelle der Gemeinde Haßloch (Rathausplatz 1, 67454 Haßloch), beim ZÖPNV Süd und beim VRN sowie beim Betreiber, bevor der Text veröffentlicht wird.

Foto: Gemeindeverwaltung Haßloch

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Schlagworte: CityBus SüdWest kündigt Hasslocher RuftaxiFahrdienst endet Ende Dezember -Reaktion der Gemeinde steht noch aus
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13. Oktober 2026
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VGR: Frankfurter Verein erhält vom Nachlassgericht Bremervörde Beschluss über die Ausstellung des Erbschaftsscheins

13. Oktober 2026
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13. Oktober 2026
Sprache und NS-Verbrechen – Gesprächsabend im Casimirianum Neustadt

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„Mobbing“ – Wenn Dauerstress auf den Bauch schlägt

12. Oktober 2026

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