Größtes Weinfest der Welt öffnet am 11.September seine Pforten – Weinschorle in „de Schubkärchle“ oder „de Heiselcher“ kann man in vollen Zügen genießen
Am 11. September ist es wieder so weit. Der Wurstmarkt in Bad Dürkheim öffnet an diesem Wochenende seine Toren. Seit über 600 Jahren wird in Bad Dürkheim das größte Weinfest der Welt – mit Herz, Glas und Geschichte, gefeiert. Der Wurstmarkt 2026 findet vom 11. bis 14. September und 18. bis 21. September 2026 statt! Das Fest wird auch dieses Jahr wieder viele Touristen anlocken. Die Veranstalter rechen über die 9 Festtage mit rund 600.000 bis 700.000 Besucherinnen und Besuchern. Die Mischung aus pfälzischer Brauchtumspflege, wie dem literarischen Frühschoppen am ersten Montag, darf nicht fehlen. Durch die Weinvielfalt aus über 300 Gewächsen und moderner Volksfestatmosphäre, u.a. angeboten in „de Heiselcher“ oder „de Schubkärchle“ kann das ein besonderer Genuss sein. Und da darf auch das traditionelle Dubbeglas bzw. Schoppenglas nicht fehlen.
Fünf Mark, sechs Euro – Was die Wurstmarkt-Schorle über die gefühlte Inflation verrät – Eine Datenanalyse der Wirtschaftsredaktion · Bad Dürkheim/Wiesbaden
Am Bad Dürkheimer Wurstmarkt kostet der halbe Liter Rieslingschorle in diesem Jahr sechs Euro – im Jahr 2001 waren es fünf D-Mark. Ein Abgleich mit dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts zeigt: Der Schoppen verteuert sich fast doppelt so schnell wie der amtliche Warenkorb. Ein Lehrstück über gefühlte und gemessene Inflation – und über die Ökonomie des größten Weinfests der Welt.
Den Preis den alle kennen
Bad Dürkheim im September: rund 600.000 Besucherinnen und Besucher, 36 Schubkarchstände, das Weindorf, die Zelte – und die Frage, die vor jedem Festwochenende so zuverlässig gestellt wird wie die nach dem Feuerwerk: Was kostet die Schorle? Der Preis für den halben Liter Rieslingschorle im Dubbeglas ist am größten Weinfest der Welt – das 2026 vom 11. bis 15. und vom 18. bis 21. September gefeiert wird – längst ein Politikum, ein Stimmungsbarometer und ein pfälzischer Volkssport zugleich.
Im Jahr 2001 kostete der halbe Liter Rieslingschorle am Wurstmarkt fünf D-Mark. Nach dem amtlichen Umrechnungskurs von 1,95583 D-Mark je Euro entspricht das 2,56 Euro. Ein Vierteljahrhundert später liegt der Preis je nach Stand zwischen 5,50 und 7,00 Euro; im Weindorf, wo sich die Winzer bereits 2025 auf eine gemeinsame Linie verständigt haben, gehen sechs Euro über den Tresen – der Referenzwert für 2026. Wer den heutigen Preis in die alte Währung zurückrechnet, landet bei 11,73 D-Mark: Aus fünf Mark sind fast zwölf geworden.
Der Weg dorthin verlief in Schüben, nicht als gleichmäßiger Anstieg. 2016 kostete die Schorle 4,00 bis 4,50 Euro, 2018 stieg der Preis auf 4,50 Euro. Nach der Corona-Zwangspause verlangten die meisten Stände 2022 fünf Euro, 2023 dann 5,50 Euro. 2024 meldete der SWR eine Spanne von 5,50 bis 6,00 Euro. Im vergangenen Jahr hielt das Weindorf die Sechs-Euro-Marke für angemessen, die meisten Schubkärchler blieben bei 5,50 Euro – und im Hamel-Zelt kostete der Schoppen sieben Euro (siehe Tabelle 1).
Die Rechnung; ein Startpreis von 2,56 Euro
Nominal ist die Rieslingschorle am Wurstmarkt binnen 25 Jahren um 134,7 Prozent teurer geworden – das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrate von 3,5 Prozent. Hätte sie sich exakt wie der amtliche Warenkorb entwickelt, sähe die Rechnung deutlich anders aus: Der Verbraucherpreisindex (VPI) des Statistischen Bundesamts stieg von 77,0 Punkten im Jahresdurchschnitt 2001 auf 121,9 Punkte im Jahr 2025 – ein Plus von 58,3 Prozent in 24 Jahren. Rechnet man die zuletzt veröffentlichten Monatsraten fort (Juli 2026: plus 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat), dürfte das Indexniveau Mitte 2026 bei etwa 124,5 bis 125,5 Punkten liegen – rund 62 Prozent über dem Niveau von 2001.
Die offizielle Teuerung hätte aus den 2,56 Euro von 2001 also einen Schorlepreis von rund 4,15 Euro gemacht. Tatsächlich kostet der Schoppen heute sechs Euro – etwa 45 Prozent mehr, als es der statistische Warenkorb nahelegt. Anders ausgedrückt: Der Wurstmarkt-Preis steigt mit gut 3,5 Prozent im Jahr, die allgemeine Teuerung im selben Zeitraum mit knapp 1,9 bis 2,0 Prozent. Der Schoppen legt fast doppelt so schnell zu wie die amtliche Inflationsrate (siehe Abbildung 1).
Die Zahlen auf einen Blick
- 2001: 0,5 Liter Rieslingschorle = 5,00 DM = 2,56 Euro
- 2026: 6,00 Euro (= 11,73 DM) – nominal ein Plus von 134,7 Prozent
- Offizielle Teuerung 2001 bis 2026 (VPI): rund 62 Prozent (Schätzung für 2026)
- Inflationsbereinigt dürfte die Schorle 2026 rund 4,15 Euro kosten
- Reale Differenz zum amtlichen Preispfad: rund 45 Prozent bzw. rund 1,85 Euro
- Jahresraten im Schnitt: Schorle plus 3,5 Prozent, Verbraucherpreise plus 1,9 bis 2,0 Prozent
Warum der Festpreis dem Warenkorb davonläuft
Der Vergleich ist methodisch nicht ganz fair – und genau darin liegt die Pointe. Der Verbraucherpreisindex misst, was Haushalte für einen festen Warenkorb im Supermarkt, im Restaurant oder an der Tankstelle bezahlen; die Preise eines Volksfests tauchen in dieser Statistik nicht auf. Und die Schorle im Dubbeglas ist ein anderes Produkt als die Flasche Riesling im Regal: In den sechs Euro stecken Standmiete, Personal- und Energiekosten, GEMA-Gebühren, Sicherheit, Logistik sowie Auf- und Abbau für ein Fest, das im Wesentlichen an neun Tagen Umsatz erwirtschaften muss. Auch der Grundwein ist teurer geworden; die Winzer verweisen auf gestiegene Kosten für Glas, Flaschen und Lohn – der Mindestlohn ist seit seiner Einführung 2015 von 8,50 auf zuletzt 12,82 Euro gestiegen. Hinzu kommt: Auf Volksfesten gibt es keine Preiskämpfe wie im Supermarktregal. Festpreise sind träge – und wenn sie steigen, dann in 50-Cent-Schritten, die kein Statistiker glättet.
Gefühlte Inflation, gemessene Inflation
Der Schoppen ist ein Paradebeispiel für die Kluft zwischen gefühlter und gemessener Inflation. In einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft schätzten Verbraucherinnen und Verbraucher die Teuerung für 2024 im Schnitt auf 15,3 Prozent – tatsächlich lag sie bei 2,2 Prozent. Schon 2023 hatte eine Analyse von Allianz Trade die gefühlte Inflation in Deutschland auf 18 Prozent taxiert, fast dreimal so hoch wie den amtlichen Wert. Die Forschung erklärt die Verzerrung damit, dass Menschen Preisänderungen bei häufig gekauften Genussmitteln überproportional wahrnehmen. Der VPI dagegen mittelt über einen breiten Korb, in dem Alkohol nur einen kleinen Anteil hat und in dem Preissenkungen – etwa bei Elektronik – die
Ausreißer nach oben ausgleichen.
Und dann ist da noch die D-Mark. Wer sechs Euro im Kopf grob mit zwei multipliziert, landet bei zwölf Mark – mehr als das Doppelte der fünf Mark von 2001. Genau so fühlt sich der Schoppenpreis für viele Stammgäste an, auch wenn die gemessene Teuerung seit 2001 „nur“ rund 62 Prozent beträgt. Der Wurstmarkt-Schoppen ist damit so etwas wie der persönliche Teuro-Moment der Pfalz – Jahr für Jahr neu erlebbar.
Fazit: Der Schoppen-Index
25 Jahre, fünf D-Mark, sechs Euro: Der Bad Dürkheimer Schoppen hat sich mit durchschnittlich 3,5 Prozent pro Jahr verteuert – fast doppelt so stark wie die amtliche Inflationsrate von rund 1,9 bis 2,0 Prozent. Hätte die Schorle nur die offizielle Teuerung mitgemacht, kostete sie heute etwa 4,15 Euro; der Aufschlag von rund 1,85 Euro ist der Preis für Festbetrieb, Service und Erlebnis – plus ein gutes Stück gefühlter Inflation, die sich in den Warenkorb des Statistischen Bundesamts nicht hineinrechnen lässt. Sicher ist: Der Schoppen-Index von Bad Dürkheim wird auch in den kommenden Jahren verlässlicher steigen als jeder amtliche Preisindex – und am ersten Septemberwochenende wird wieder alle Welt über ihn reden.
Tabelle 1: Meilensteine der Schorle-Preisentwicklung am Bad Dürkheimer Wurstmarkt
Jahr Preis 0,5 l Rieslingschorle VPI (2020 = 100) Inflationsbereinigter Preis¹
| Jahr | Preis 0,5 l Rieslingschorle | VPI (2020 = 100) | Inflationsbereinigter Preis¹ |
| 2001 | 5,00 DM (2,56 €) | 77,0 | 2,56 € |
| 2016 | 4,00–4,50 € | 95,0 | 3,15 € |
| 2018 | 4,50 € | 98,1 | 3,26 € |
| 2019 | 4,50 € | 99,5 | 3,30 € |
| 2022 | 5,00 € | 110,2 | 3,66 € |
| 2023 | 5,50 € | 116,7 | 3,87 € |
| 2024 | 5,50–6,00 € | 119,3 | 3,96 € |
| 2025 | 5,50–7,00 € | 121,9 | 4,05 € |
| 2026 | 6,00 € (Referenzwert) | ≈ 124,5–125,5 (Schätzung) | ≈ 4,13–4,17 € |
Tabelle 1: Meilensteine der Schorle-Preisentwicklung am Bad Dürkheimer Wurstmarkt

Abbildung 1: Schorlepreis am Bad Dürkheimer Wurstmarkt und inflationsbereinigter Referenzpreis, 2001–2026. Quellen: RHEINPFALZ, Mannheimer Morgen, SWR (Festpreise); Destatis/Statista (VPI, 2020 = 100); eigene Berechnung. 2026: VPI-Wert geschätzt.
Quellen (zuletzt abgerufen am 16. August 2026)
1. Statistisches Bundesamt (Destatis): „Inflationsrate im Juli 2026 bei +2,8 %“, Pressemitteilung Nr. 283 vom 12. August 2026. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_283_611.html
2. Statistisches Bundesamt (Destatis), zitiert nach Statista: „Verbraucherpreisindex in Deutschland von 1991 bis 2025“ (Basisjahr 2020 = 100). https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2550/umfrage/entwicklung-des-verbraucherpreisindex/
3. Die Rheinpfalz, 27. August 2025: „Fair und bezahlbar? Was die Schorle auf dem Wurstmarkt kostet“ (Weindorf 6,00 €, Schubkärchler 5,50 €, Hamel-Zelt 7,00 €). https://www.rheinpfalz.de/lokal/bad-duerkheim_artikel,-fair-und-bezahlbar-was-die-schorle-auf-dem-wurstmarkt-kostet-_arid,5802156.html
4. Die Rheinpfalz, 7. August 2026: „Wurstmarkt Bad Dürkheim 2026: Besucher-Infos vorab“ (Termine; 2026er-Preise bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht). https://www.rheinpfalz.de/lokal/bad-duerkheim_artikel,-wurstmarktbad-d%C3%BCrkheim-2026besucher-infos-vorab-_arid,5513190.html
5. Die Rheinpfalz, 11. August 2022: „Wurstmarkt: Wie sich der Schorle-Preis verteuert“ (5,00 € bei den meisten Ständen; 2019: 4,50 €). https://www.rheinpfalz.de/lokal/pfalz-ticker_artikel,-wurstmarkt-wie-sich-der-schorle-preis-verteuert-_arid,5391941.html
6. Die Rheinpfalz, 7. September 2018: „Wurstmarkt: Schorle-Preis steigt auf 4,50 Euro“. https://www.rheinpfalz.de/lokal/artikel/wurstmarkt-schorle-preis-steigt-auf-450-euro/
7. Die Rheinpfalz, 18. August 2016: „Fünfzig Cent Gefälle beim Schorle“ (Schorle 4,00–4,50 €). https://www.rheinpfalz.de/lokal/bad-duerkheim_artikel,-f%C3%BCnfzig-cent-gef%C3%A4lle-beim-schorle-_arid,670725.html
8. Mannheimer Morgen, 23. August 2023: „Dürkheimer Wurstmarkt: Alles zu Programm, Neuerungen und Weinschorlen-Preisen“ (5,50 €). https://www.mannheimer-morgen.de/metropolregion_artikel,-metropolregion-duerkheimer-wurstmarkt-alles-zu-programm-neuerungen-und-weinschorlen-preisen-_arid,2118241.html
9. SWR Aktuell, 6. September 2024: „Wurstmarkt in Bad Dürkheim: Die wichtigsten Infos zum Weinfest“ (Schorle 5,50–6,00 €). https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/wurstmarkt-bad-duerkheim-beginnt-die-wichtigsten-infos-zum-weinfest-100.html
10. Deutsche Bundesbank: „Häufig gestellte Fragen zu DM-Banknoten“ (amtlicher Umrechnungskurs 1 € = 1,95583 DM). https://www.bundesbank.de/dynamic/action/de/aufgaben/bargeld/haeufig-gestellte-fragen-faq-/haeufig-gestellte-fragen-zu-dm-banknoten/642672/haeufig-gestellte-fragen-zu-dm-banknoten
11. tagesschau.de, 12. Februar 2025: „IW-Befragung: Deutsche überschätzen Höhe der Inflation stark“ (gefühlte Inflation 15,3 % vs. 2,2 % für 2024). https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/inflation-verbraucher-lebensmittel-energie-100.html
12. taz, 19. Juni 2023: „Gefühlte Inflation höher als reale: Diskrepanz in Deutschland hoch“ (Allianz-Trade-Analyse: 18 % vs. 6,1 %). https://taz.de/Gefuehlte-Inflation-hoeher-als-reale/!5941427/
Anmerkungen zur Methodik
• Ausgangswert 2001: Der Schorlepreis von 5,00 DM im Jahr 2001 beruht auf der Angabe des Auftraggebers; eine öffentlich zugängliche Pressequelle für diesen Einzelwert war nicht auffindbar. DM-Preise waren am Wurstmarkt bis zur Euro-Bargeldeinführung 2002 üblich.
• Preisstand 2026: Die offiziellen Festpreise für den Wurstmarkt 2026 waren bei Redaktionsschluss (Mitte August 2026) noch nicht veröffentlicht (RHEINPFALZ, 7. August 2026). Als Referenzwert dient der Weindorf-Preis von 6,00 Euro aus dem Vorjahr, der für 2026 fortgeschrieben wird; die zuletzt übliche Spanne lag bei 5,50 bis 7,00 Euro.
• VPI 2026: Schätzung auf Basis der Destatis-Inflationsraten von Januar bis Juli 2026 (zuletzt +2,8 Prozent im Juli 2026); ein offizieller Jahreswert liegt noch nicht vor.
• Bei Preisspannen wurde der Mittelwert verwendet; für 2016 (4,00–4,50 €) rechnerisch 4,25 €, für 2024 (5,50–6,00 €) 5,75 €.
• Berechnungen: eigene Auswertung auf Basis der genannten Quellen; Umrechnung mit dem amtlichen Kurs 1 Euro = 1,95583 DM (Deutsche Bundesbank).
Foto: (Wikipedia) Wurstmarkt im Jahre 2024











