Als Ärzte zu Verbrechern wurden – Widerstand und Opfer – Blick in die Stasi-Akten!!
„Im „Dritten Reich“ machten sich viele Ärzte zu Erfüllungsgehilfen des Regimes – unter ihnen waren auch Berliner Mediziner“. Das schreibt der Tagesspiegel am 17.11.2017. Ärzte seien nicht immer „Helden in Weiß“ gewesen, heißt es weiter. In der Zeit von 1933 bis 1945 hätten sich viele Mediziner und Wissenschaftler in den Dienst des nationalsozialistischen Regimes gestellt. „Auch an der Berliner Charité folgten Institute zu dieser Zeit der faschistischen Rassen-, Leistungs- und Vernichtungsmedizin und quälten und ermordeten Menschen, vermeintlich im Interesse der Wissenschaft“, schreibt der Tagesspiegel weiter. Erst vor einigen Jahren habe die Charité, dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte aufzuarbeiten begonnen.
Mit den „Erfüllungsgehilfen im weißen Kittel“ während der NS-Zeit sind vor allem Ärzte und medizinische Fachkräfte, die das Regime bei seinen Verbrechen (wie Zwangssterilisation, Euthanasie-Morden und Menschenversuchen) unterstützten gemeint, aber auch die Rolle der Wehrmachthelferinnen oder die Etablierung der NS-Ideologie im Gesundheitswesen durch Gleichschaltung, wobei viele Mediziner kooperierten, andere widerstanden oder Opfer wurden.
Ärzte als Täter:
Viele Ärzte wurden zu aktiven Vollstreckern nationalsozialistischer Rassenideologie, indem sie an Euthanasie-Morden („Aktion T4“), Zwangssterilisationen und Menschenversuchen in Konzentrationslagern mitwirkten.
Gleichschaltung des Gesundheitswesens: Das NS-Regime glich Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und Berufsverbände an und integrierte sie in die NS-Struktur, um Kontrolle auszuüben und Personal für Krieg und Verbrechen zu rekrutieren, wobei auch das SS-Helferinnenkorps entstand.
Widerstand und Opfer:
Nicht alle Mediziner waren Täter; einige leisteten Widerstand (z.B. die „Weiße Rose“, die auch Ärzte umfasste), während andere selbst verfolgt wurden, wie Geistliche, die wegen angeblicher Sittlichkeitsvergehen angeklagt wurden.
Wehrmachthelferinnen: Junge Frauen, oft als „Helferinnen“ bekannt, dienten bei der Wehrmacht, was auch administrative und unterstützende Funktionen im Krieg umfasste, aber auch die Verstrickung in das System betraf, obwohl es von den freiwilligen SS-Helferinnen unterschieden wurde.
Zusammenfassend waren die „weißen Kittel“ eine ambivalente Gruppe, die sowohl als aktive Werkzeuge des Terrors als auch als Opfer der NS-Diktatur agierten, wobei die Täterrollen besonders in der Medizin verheerende Ausmaße annahmen. In einer Ausstellung mit dem Titel „Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte“ fasst die Ergebnisse dieser Bemühungen zusammen. Die Ausstellung thematisierte die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass Wissenschaftler, Ärzte und andere Mitarbeiter der Charité und der Berliner Universität sich während der NS-Zeit schwerer Medizinverbrechen schuldig machten.
Jeder, der an diesen Verbrechen beteiligt war, ist mitverantwortlich
Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat des jüdischen Psychiaters Leo Alexander. Er musste 1933 in die USA emigrieren und wertete im Auftrag der Vereinigten Staaten die deutsche Medizinforschung während der NS-Zeit aus. Während des Nürnberger Ärzteprozesses war er medizinischer Gutachter. Leo Alexander zufolge war die „Eintrittspforte unendlich klein“, von der aus eine Geisteshaltung ihren Lauf nahm, nach der „es bestimmte Leben gebe, die es nicht wert seien, gelebt zu werden.“ Den Anfang habe die Einstellung gegenüber chronisch Kranken gemacht.
„Es ist nicht nur unsere Aufgabe, Wissen zu vermitteln“, habe Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, auf der Eröffnungsveranstaltung erklärt. „Wir müssen deutlich machen, wie klein das Nadelöhr sein kann, durch das so ein Prozess in Gang kommt.“ Besonders wichtig sei es, den Bezug zur Gegenwart herzustellen, denn auch heutzutage stehe die Medizin vor großen ethischen Herausforderungen. Beispielhaft nannte er die Diskussion über Sterbehilfe und die Studien an nicht einwilligungsfähigen Menschen, beispielsweise Demenzkranken. „Verantwortung ist nicht teilbar“, habe Einhäupl gesagt. Das treffe heute genauso zu wie früher. „Jeder, der in irgendeiner Weise an solchen Verbrechen beteiligt ist, ist auch mitverantwortlich“, so Einhäupl. Hier der Tagesspiegel https://www.tagesspiegel.de/wissen/als-arzte-zu-verbrechern-wurden-4106893.html.
Auch der Bayerische Rundfunt hatte am 24.01.2025 in ihrem History-Podcast „NS-TERROR“ – Authanasie als Beginn der Massenmorde“ das Thema aufgegriffen, wie vor dem Völkermord im Osten die Nationalsozialisten mit der mörderischen Umsetzung ihrer rassistischen Ideogie im Reichsgebiet begannen. Es wurden Tausende von Kranken und Behinderte im Rahmen der sogenannten Aktion T4 getötet, https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/ns-terror-euthanasie-als-beginn-der-massenmorde/2102383.
Edmund Käbisch, ein deutscher evangelischer Pfarrer, am 09.01.1944 in Schlesien geboren, gilt als ein Wegbegleiter der Friedlichen Revolution in der Stadt Zwickau. Seit den Nuller Jahren entwickelte er eine umfangreiche publizistische Tätigkeit, die sich auf das tiefgreifende Studium der Stasi-Akten stützte. Er organisierte zahlreiche Veranstaltungen im Zeichen der Versöhnung in Wahrheit und erhielt dafür die Anerkennung des sächsischen Ministerpräsidenten (Stanislaw Tillich) und des Bundespräsidenten (Horst Köhler). Die Zeitschrift CICERO hatte jüngst über ihn berichtet. Im Bericht heißt es, dass auf ihn zeitweise 62 Stasi-Spitzel angesetzt waren, „sie sollten den Pfarrer einschüchtern, aushorchen, die Familie zerstören“. Der Albtraum habe mit der Wende kein Ende gefunden: Nun kämpfe Pfarrer Edmund Käbisch gegen die juristischen Finten der Täter von einst. https://www.cicero.de/innenpolitik/was-macht-eigentlich-pfarrer-kabisch/38719.
Im Rahmen der Arbeit mit Jugendlichen betreute Käbisch deren Ausstellung „Christliches Handeln in der DDR“, https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_K%C3%A4bisch. Dabei wurde Edmund Käbisch überregional bekannt, weil der auch Käbisch bespitzelnde ehemalige inoffizielle Stasimitarbeiter Holm Singer (IM „Schubert“), den die Stasi 1980 angeworben hatte, um evangelische Jugendgruppen zu infiltrieren, im März 2008 vor dem Landgericht Zwickau eine einstweilige Verfügung wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts (Nennung des Klarnamens) erwirkte. Die Ausstellung musste daraufhin vorläufig abgebrochen werden. Ende März 2010 entschied das Gericht, dass Käbisch den Klarnamen von „IM Schubert“ öffentlich machen darf. „Die Tätigkeit des IM, der sein früheres Tun mehrfach zugegeben habe“, sagte der zuständige Richter, „sei von historischem Interesse“ (Aktenzeichen 1 O 1275/08). Seit vielen Jahren engagiert sich Käbisch im Zwickauer Bündnis für Demokratie und Toleranz.
Foto: (Wikipedia) Maximilian Schönherr
Quellen; Tagesspiegel, Wikipedia und Cicero












